ALTDORF – Kindheit und Jugend im Dritten Reich: Eine Wanderausstellung dazu in der Stadtbücherei Altdorf beginnt am 6. Oktober.
Vor über 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa, der viele Menschen das Leben gekostet und auch die Überlebenden geprägt hat. Kinder und Jugendliche in Deutschland wurden durch den Nationalsozialismus unter Adolf Hitler in hohem Maße beeinflusst. Suggerieren auch manche alte Fotos eine fröhliche Kindheit voller Abenteuer und Gemeinschaftserlebnisse, war es doch auch eine Zeit, in der man schnell erwachsen werden musste. Was wirklich im Dritten Reich mit Kindern und Jugendlichen geschah, ist für die heutigen Kinder und Jugendlichen kaum begreifbar. Es leben nur noch wenige Zeitzeugen, die damals Kinder waren und heute von ihren Erlebnissen berichten können. Selbst die Großeltern sind erst in der Nachkriegszeit aufgewachsen.
Aufwachsen in Diktatur
Wie erlebten Kinder und Jugendliche die Zeit des Nationalsozialismus? Was bedeutete es, in einer Diktatur aufzuwachsen, in der Erziehung, Schule und Freizeit zunehmend von der nationalsozialistischen Ideologie geprägt wurden? Und wie sah der Alltag junger Menschen während des Zweiten Weltkriegs aus? Diesen Fragen widmet sich die Wanderausstellung „Wie war das damals? Kindheit und Jugend im Dritten Reich“.
Sie ist Teil des Jahresprogramms „Wir l(i)eben Demokratie!“ und beginnt am 6. Oktober. Die Stadtbücherei Altdorf möchte mit der vielfältigen Auswahl an Büchern und Medien einen altersgerechten Zugang zu diesem wichtigen Kapitel deutscher Geschichte ermöglichen. Sachbücher erklären grundlegende Begriffe und Zusammenhänge – etwa, woher die Bezeichnung „Drittes Reich“ stammt, was es mit den „Pimpfen“ auf sich hatte oder was die Nürnberger Gesetze bedeuteten.
Erzählende Kinder- und Jugendliteratur macht Geschichte darüber hinaus anhand von persönlichen Schicksalen und historischen Ereignissen emotional erfahrbar. Die ausgewählten Medien berichten von ganz unterschiedlichen Erfahrungen: vom Alltag unter nationalsozialistischer Herrschaft, von blindem Gehorsam und ideologischer Beeinflussung, von der ersten Nacht im Luftschutzbunker, der Kinderlandverschickung und dem Leben im Trümmerdeutschland.
Sie erzählen aber auch von Verfolgung, Flucht und dem unermesslichen Leid jüdischer Familien, die ausgegrenzt, entrechtet, deportiert und ermordet wurden. Schicksale wie das von Anne Frank zeigen dabei auf eindringliche Weise, was diese Zeit für junge Menschen bedeutete.
Ein weiterer Schwerpunkt gilt den Menschen, die sich dem nationalsozialistischen Regime widersetzten: Menschen, die nicht wegschauten, Verfolgten halfen, sie versteckten oder bei der Flucht unterstützten – und dafür nicht selten ihr eigenes Leben riskierten.
„Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ Dieses bekannte Zitat des amerikanischen Philosophen und Schriftstellers George Santayana bringt die Bedeutung der Auseinandersetzung mit Geschichte auf den Punkt.
„Gerade angesichts des Wiedererstarkens rechtspopulistischer und rechtsextremer Strömungen in Europa ist es wichtig, demokratische Werte nicht als selbstverständlich zu betrachten“, schreibt die Stadtbücherei Altdorf in ihrer Ankündigung der Ausstellung. Ziel der Ausstellung: Wissen vermitteln und ebenso Empathie für Ausgegrenzte und Verfolgte fördern. Sie soll dazu ermutigen, die eigene Menschlichkeit auch in schwierigen Zeiten zu bewahren, und Wissen als Grundlage für eine wehrhafte Demokratie stärken.
Info: Die Medien der Wanderausstellung können vom 6. Oktober bis Mitte Dezember mit einem gültigen Büchereiausweis für jeweils zwei Wochen ausgeliehen werden.
