HERSBRUCK - Die Projektgruppe „Demokratie-Wozu?“ des Kulturbahnhofs Hersbruck hat ein Tabuthema in sein Programm aufgenommen: „Selbstbestimmung am Lebensende, (wie) geht das in Deutschland?“
„Das haben wir noch nicht erlebt“, sagte Petra Friemel, ehrenamtliche Ansprechpartnerin der DGHS (Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben): Die Menschen strömten in den Veranstaltungsort und bereits 20 Minuten vor Beginn war der Raum restlos überfüllt, teilt der Kuba mit. Die Zuhörenden erfuhren zunächst, was an dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Februar 2020 so einzigartig ist und wie man seit dieser Zeit mit dem Thema in Deutschland umgeht. Aufgeräumt wurde mit dem Vorurteil, dass Sterbehilfe in einer Grauzone stattfinden würde, und dass es ohne Gesetz nicht „legal“ zugehen würde.
Kripo wird nach Freitod gerufen
Die Gäste erfuhren von dem Rechtsrahmen, den das Bundesverfassungsgericht vorgegeben hat, und wurden über das Vier-Stufen-Sicherheitskonzept der DHGS informiert, das über diese Vorgaben hinausgeht. Das schaffe Vertrauen und schütze nicht nur Betroffene, sondern auch Ärztinnen und Ärzte. Die DGHS ist eine Patientenschutzorganisation mit aktuell rund 70.000 Mitgliedern, die bisher etwa 2300 Freitodbegleitungen vermittelt hat. Friemel erzählte, welche Motive Menschen bewegt, diesen Weg zu beschreiten, wie alt sie sind, und wie der finalen Tag aussieht. Sie erklärte auch, warum die Kripo anschließend angerufen wird.
Im Anschluss hatten die Besucher viele Fragen: Von besonderem Interesse war, ob man diesen Weg bereits in der Patientenverfügung bestimmen kann oder was bei der Diagnose Demenz passiere. Könne man eine Freitodbegleitung auch in einem Pflegheim wahrnehmen und müsse man sich selbst einen Arzt suchen?
Info: Wegen des großen Zuspruchs findet am 9. Juli eine zweite Auflage der Veranstaltung im Kuba statt. Anmeldung unter [email protected]. Weitere Infos unter www.humaes-sterben.info oder www.dghs.de.
