Kann man ohne Schilddrüse leben?

Rummelsberger Chefarzt Sven Henne informiert über die Schilddrüse

Sven Henne, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Krankenhaus Rummelsberg.
Sven Henne, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Krankenhaus Rummelsberg. | Foto: Uwe Niklas2026/05/1920_260515_weltschilddruesentag.jpg

RUMMELSBERG - 2007 ist er ins Leben gerufen worden, um das Bewusstsein zu schärfen und über Symptome und Behandlungen aufzuklären. Die Rede ist vom Weltschilddrüsentag, welcher jährlich am 25. Mai stattfindet. Im Rahmen des Aktionstages beleuchtete Sven Henne, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Krankenhaus Rummelsberg, die Schilddrüse.

Die Schilddrüse ist eine Hormondrüse, die den Stoffwechsel, das Wachstum und die Energiebilanz des Körpers durch die Produktion von Hormonen reguliert. Konkret bedeutet dies, dass zum Beispiel Herzfrequenz, Körpertemperatur, Verdauungs- und Gehirnaktivität durch die Hormone gesteuert werden. „Wenn Schilddrüsenhormone fehlen, verlangsamt sich der Stoffwechsel. Dies kann viele Körperfunktionen betreffen und ganz unterschiedliche Beschwerden auslösen. Die körperliche Leistungsfähigkeit kann abnehmen. Abgeschlagenheit, Müdigkeit, niedriger Puls oder vermehrtes Schwitzen können auftreten. Aber auch psychische Probleme sind möglich wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Teilnahmslosigkeit oder Depressionen“, sagt Henne. Auch zu körperlichen Veränderungen könne es kommen, wie trockene Haut, Haarausfall, Gewichtszunahme, Verstopfung oder veränderte Regelblutungen.

Wie die Diagnostik aussieht

Elementar wichtig seien eine grundlegende Anamnese, Bestimmung der Hormone und Antikörper im Blut und eine Ultraschalluntersuchung. „Wenn es bei der Befunderhebung zu Auffälligkeiten kommt, sollte eine bildgebende nuklearmedizinische Untersuchung der Schilddrüse, eine sogenannte Szintigrafie, erfolgen. Auf den Bildern zeigen sich – wenn vorhanden – kalte, blaue und/oder heiße, rote Knoten. Während die blauen Areale nicht mehr am Stoffwechsel-Prozess der Schilddrüse teilnehmen, entstehen die roten Bereiche durch zu hohe Hormonaktivität“, weiß Henne, der Mitte 2025 vom Klinikum Fürth nach Rummelsberg gewechselt ist. Während heiße Knoten meist medikamentös oder durch eine Radiojod-Therapie gut zu behandeln sind, erwägen die Mediziner oftmals, kalte Knoten wegen des – wenn auch geringen – Krebsrisikos zu entfernen.

Wann operiert werden muss, wie die Operation abläuft, wie die Nachsorge aussieht und was eine Radiojod-Therapie ist – auf all diese Fragen gibt der doppelte Facharzt für Viszeralchirurgie und Allgemeinchirurgie regelmäßig in Patienteninformationsveranstaltung Antworten. Die gute Nachricht gibt der Mediziner aber bereits im Vorfeld schon preis: „Grundsätzlich kann man ohne Schilddrüse leben – allerdings nicht ohne die von ihr produzierten Hormone. Wenn die Schilddrüse vollständig entfernt ist, ist eine lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen in Tablettenform zwingend notwendig, um den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten. Das Positive daran: Bei guter Einstellung ist ein Leben ohne Einschränkung möglich.“

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