Corona-Pandemie: Sauerstoffgeräte für Indien

Kampf gegen die Zeit

Viele der Patienten können wegen fehlender Beatmungsbetten nicht adäquat medizinisch versorgt werden. | Foto: Wirestock/stock.adobe.com2021/05/Altdorf-Leinburg-Covid-Indien-Adobe-Wirestock-scaled.jpg

ALTDORF/LEINBURG – Die Covid-Katastrophe auf dem Subkontinent ruft Helfer mit indischen Wurzeln auf den Plan. Leinburgs Pater Praveen bittet um Spenden und der Altdorfer Geschäftsmann Jaspal Sodhi gründet den Verein Oxygen Aid for India.

In Corona-Zeiten sind wir an schreckliche Superlative gewöhnt. Doch was man derzeit aus Indien hört und an Bildern erleben kann, erschüttert auch gelassene Zeitgenossen. Ein Staat mit einem völlig überlasteten Gesundheitssystem verzeichnet über 23 Millionen Infizierte, mittlerweile mehr als 258 000 Tote, 4187 Todesopfer an einem Tag. Besonders auf dem Land grassiert die neue indische Virus-Variante, die angeblich ansteckender und unempfindlicher gegen Antikörper sein soll. Und dort fehlt es an allem, nicht nur an medizinischer Versorgung.

Durch das Herunterfahren des öffentlichen Lebens steigen Arbeitslosigkeit und Hunger in den sozial benachteiligten Gegenden. Dass diese Situation auch bei uns besonders jene betroffen macht, die im indischen Subkontinent ihre Wurzeln und noch lebendige persönliche Beziehungen haben, liegt nahe. Pater Praveen Job Puthiyamangalath nennt die Situation „eine große Katastrophe“. Er ist derzeit als Pfarrvikar im Pfarrverband Altdorf tätig und für die Pfarrei Leinburg-Engelthal zuständig.

Ihn erreichen ständig neue Hiobsbotschaften. Täglich gibt es 400 000 Neuinfizierte, alle drei Minuten stirbt ein Mensch in seiner Heimat an Covid. In seiner kleinen Heimatpfarrei im Bundesstaat Kerala mit 1000 Christen sind 250 infiziert. Auch dort hat man nun einen strengen Lockdown, was dazu führt, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln nicht mehr funktioniert. Schnelle Hilfe ist daher nötig, auf Pater Praveens Veranlassung wird bereits in allen Kirchen des Pfarrverbands gesammelt. Die Unterstützung geht an seinen Orden in Indien, die Heralds of Good News, die dafür sorgen, dass von der finanziellen Hilfe direkt vor Ort Lebensmittel und Medizin beschafft werden.

Ordensschwestern der Heralds of Good News in Kerala verpacken Lebensmittel, mit denen die hungernde Bevölkerung versorgt wird. Foto: privat2021/05/Altdorf-Leinburg-corona-help.jpg

Für den 37-Jährigen ist es bitter, dass er nun schon seit zwei Jahren nicht mehr zu Hause war. Er lebt seit 2015 in Deutschland und arbeitet seit September 2019 in Leinburg. Für diesen Juni hatte er bereits alles für einen Besuch in der Heimat geplant, doch aus Sicherheitsgründen fliegt er nun nicht. Wenigstens kann er sich darüber freuen, dass schon jetzt von der Pfarrei Altdorf eine Spende für Masken gekommen ist.

Vereinsgründung in vier Tagen

Auch der Altdorfer Geschäftsmann Jaspal Sodhi kann nicht aus der Ferne tatenlos beobachten, was in seinem Heimatland geschieht. Der Geschäftsführer und Inhaber der Firma Luxglas Technology hat bereits vor Monaten den neuen Unternehmenszweig Luxglas Health Care zur Produktion von Schutzglaswänden, Schutzschilden, Masken und Schnelltests gegründet. Jetzt will er etwas gegen die große Not in Indien unternehmen, denn die Behandlung der Covid-Patienten dort scheitert immer wieder an fehlenden Sauerstoffgeräten.

Am Montag gründete er auf Anraten von Bürgermeister Martin Tabor zusammen mit weiteren Personen aus Industrie und Gesundheitswesen den gemeinnützigen Verein Oxygen Aid for India/Sauerstoff für Indien in Altdorf. Weil man in Indien längst einen Kampf gegen die Zeit ficht, wurde in nicht einmal einer halben Woche mit Unterstützung von Steuerberater Werner Merkel ein Verein gegründet, dem auch noch in Rekordzeit vom Finanzamt Nürnberg-Zentral in nur vier Tagen die Gemeinnützigkeit bestätigt wurde, so dass Spendern Quittungen für die steuerliche Abzugsfähigkeit ausgestellt werden können. „Wir werden für diese Aktion sehr gerne auf allen Kommunikationskanälen der Stadt Altdorf werben und Jaspal Sodhi natürlich mit einer Spende unterstützen“, sagt Bürgermeister Tabor.

Altdorfs Bürgermeister Martin Tabor, Jaspal Sodhi und Werner Merkel (von links) präsentieren Info-Material zur Hilfsaktion. Foto: Stadt Altdorf2021/05/Altdorf-Leinburg-Covid-Indien-Tabor.jpg

Todesfälle in der Verwandtschaft

Sodhi stammt aus Jhansi, einer Universitätsstadt im Bundesstaat Uttar Pradesh, wo noch Mitglieder der Familie leben, zu denen er Kontakt hat. Leider erreichen auch ihn immer wieder Todesnachrichten aus der Verwandtschaft. So erfuhr er erst vor wenigen Tagen, dass ein Cousin sowie der Mann einer Cousine dem grausamen Virus erlegen sind. Schnell war für ihn klar, dass da etwas geschehen muss, und auch, dass die Zeit drängt. „Mir geht‘s gut, warum sollte ich nicht helfen?“, begründet er sein Engagement und das seiner Frau. Doch helfen ist manchmal gar nicht so einfach. Da Sauerstoffgeräte das Wichtigste in der gegenwärtigen Situation sind, wollte Sodhi solche Instrumente für Indien bestellen, musste aber feststellen, dass der Markt in Deutschland leer gefegt ist und die Preise durch die Decke gehen.

Auf Umwegen landete er schließlich bei einem chinesischen Hersteller, der ihm 100 Sauerstoff-Konzentratoren zusicherte sowie 1000 Puls-Oxymeter zur Messung der Sauerstoff-Sättigung im Blut. Selbst hat er schon die ersten fünf Geräte gespendet, die jeweils gut 500 Euro kosten und auf dem Weg nach Jhansi sind. Auch Merkel, der sich für die steuerliche Gestaltung des Vereins und die Erlangung der Gemeinnützigkeit ins Zeug legte, hat gleich als erster im Verein die Kosten für ein weiteres Beatmungsgerät und ein Sauerstoffmessgerät übernommen. Und Bürgermeister Tabor unterstützt die gute Sache mit einem Sauerstoff-Konzentrator und zehn Oxymetern. Weitere Firmen aus der Region und auch der weiteren Umgebung sind schon im Boot.

100 Sauerstoffgeräte sind das Ziel

Nach zwei Tagen waren bereits 16 Sauerstoff-Konzentratoren und 61 Oxymeter gespendet worden, mit Barspenden sind über 10 000 Euro zusammengekommen. Sodhis Ziel ist die Finanzierung der 100 Sauerstoffgeräte und 1000 Oxymeter. Dazu sind Spenden in jeder Größenordnung willkommen. 25 Mitglieder hatte der Verein bereits zwei Tage nach der Gründung, an der noch jungen Erfolgsgeschichte sind Unternehmer, Ärzte und Studenten beteiligt.

Info:
Pater Praveen hält am Montag, 31. Mai, einen Vortrag über die Lage in seiner Heimat: „Christsein in Indien – Ein aktueller Zustandsbericht“. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr und findet online statt. Die Registrierung erfolgt im Pfarrbüro in Leinburg, Telefon 09120/271 oder per E-Mail: [email protected], Teilnehmer erhalten dann einen Teilnahme-Link. Ebenfalls kann man auf diesem Weg die Daten des Spendenkontos erfragen.

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