Absurdes Schreiben in Feuchter Briefkästen

Impfung oder Enteignung

Klappe auf, Verschwörungstheorie rein: Vorsicht vor anonymen Flugblättern im Markt Feucht. | Foto: Daniel Frasch2021/01/Feucht-Verschwoerung-Fluglatt-scaled.jpg

FEUCHT – Unbekannte verteilen in Feucht Flugblätter mit Verschwörungstheorien zur Corona-Pandemie. Die Polizei hat noch keine Anzeige registriert, mahnt jedoch zur Vorsicht im Umgang mit den Falschinformationen.

Angstmache. Wahrscheinlich aus dem Umfeld der Reichsbürger“, schreibt Norbert Kölbl in der E-Mail, die er der Redaktion des Boten vor wenigen Wochen zukommen ließ. Im Anhang ein zweiseitiges PDF-Dokument, ein abfotografiertes Flugblatt. Jenes Dokument fand Kölbl kurz zuvor in seinem Briefkasten im Süden der Marktgemeinde. „Und das so kurz vor Weihnachten. Die Menschen sind eh verunsichert, das will man anscheinend nutzen“, schlussfolgert er. Auffallend dabei: Das Flugblatt, dass zeitgleich auch in der Birkenstraße verbreitet wurde, trägt keinerlei Signatur, der Autor möchte offensichtlich anonym bleiben.

Von einer angeblichen „Errichtung von Isolationszentren in allen Ländern und Kommunen“, über die „Reformierung des Arbeitslosengeldes zum Programm für individuelles Grundeinkommen“ bis hin zu „Inlandseinsätzen der Bundeswehr innerhalb größerer Städte und an Autobahnen, um Reisen der Bürger zu verhindern“: An absurden Gedankenspielen, die im Zusammenhang der Corona-Pandemie und einer weltweiten Verschwörung stehen sollen, wird in den Zeilen nicht gespart.

Geheime Informationen aus Kanada

Insgesamt umfasst das Dokument elf Punkte und bezieht sich dabei auf „Informationen, die in Kanada durchgesickert sind und die lediglich einen groben Rahmen der Roadmap des IMF abbilden“, heißt es zuletzt.
IMF? Damit ist der Internationale Währungsfond gemeint, (englisch: International Monetary Fund), dem Deutschland 1952 beigetreten ist. Gegründet wurde er als Konsequenz der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren. Heute bestehen seine Kernaufgaben in der Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Währungspolitik und Wechselkursstabilität sowie der Vergabe von Krediten bei Währungs- und Finanzkrisen.

Wie bitte steht der IMF nun in Zusammenhang mit der Pandemie? Laut Verfasser des Schreibens werde den Bürgern in einiger Zeit angeboten, „alle persönlichen Kredite unter dem so genannten World Dept Reset Program aufzulösen.“ Allerdings sei ein Beitritt in dieses Programm nur dann möglich, wenn sie alle Besitzansprüche auf bereits bestehende oder zukünftige Besitztümer abtreten würden.

Kein Widerstand gegen die Impfung

Weiter heißt es: Bürger verpflichteten sich außerdem, „Covid-19-Impfungen widerstandslos einzunehmen“. Nur wer über den neuen Impfpass verfüge, werde künftig von den Restriktionen freigesprochen. Personen, die sich dem widersetzten, würden nicht aus dem Lockdown entlassen.

Bei der Polizeiinspektion Altdorf reagiert man auf diese Zeilen gelassen. „Die Klassiker bei solchen Verschwörungstheorien sind Aufruf zur Gewalt oder auch Volksverhetzung. In solchen Fällen nehmen wir natürlich immer die Ermittlungen auf“, sagt Oberkommissar Stein von der Polizeiinspektion Altdorf. Auch wenn derartige Straftaten in diesem Schreiben fehlen, so verwundere es ihn dennoch, dass bislang noch niemand bei der Polizei vorstellig wurde. „Grundsätzlich macht es für uns als Polizei schon Sinn, wenn wir von solchen Dingen wissen. Wir schauen uns das an und entscheiden, wie wir weiter vorgehen.“ Grundsätzlich aber könne jeder „mehr oder weniger großen Nonsens in Briefkästen werfen“, solange dabei keine strafbaren Handlungen vorgenommen würden.

Norbert Kölbl schickte seine E-Mail nicht nur an die Redaktion des Boten, sondern auch an die Marktgemeinderatsmitglieder Oliver Siegl (CSU), Rita Bogner (Grüne), Inge Jabs (SPD) sowie den Ersten Bürgermeister Jörg Kotzur. Der hatte die E-Mail zur Kenntnis genommen, darüber hinaus jedoch keine weiteren Vorfälle vernommen, „weder in meinem direkten Umfeld bei meinen Eltern, noch bei Bekannten.

„Bürger können es richtig einschätzen“

Auch Feuchts Bürgermeister bleibt gelassen und möchte dem anonymen Schreiben nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken: „Wir werden das natürlich weiter im Blick haben, aber man sollte so etwas auch nicht zu ernst nehmen. Ich denke, der Großteil unserer mündigen Bürger ist durchaus in der Lage, das ganze auch richtig einzuschätzen.

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