Parteiübergreifende Infoveranstaltung

Frauen und die Politik

Frauenpower in Hersbruck: Zusammen haben die Kandidatinnen der CSU, Bündnis 90/Die Grünen, FRB, HBG und SPD den Infoabend organisiert. Brigitta Stöber (vorne rechts) führte als Moderatorin durch den Abend. | Foto: A. Kopp2020/01/DSC-0765.jpg

HERSBRUCK – „Wir brauchen mehr Frauen in den Gremien!“ Unter diesem Motto stand eine Wahlveranstaltung im Stadthaus in Hersbruck. Die hatten Kandidatinnen und engagierte Frauen parteiübergreifend organisiert. Gekommen waren dazu nicht nur Frauen, sondern auch einige Männer. Christa Weigl-Schneider, Sprecherin des Aktionsbündnisses „Parité in den Parlamenten“, war als Referentin geladen.

Die Juristin spannte einen weiten Bogen zwischen Vergangenheit, Aktualität und Zukunft. In vielen politischen Gremien auf kommunaler Ebene liege der Frauenanteil noch immer unter 25 Prozent – zu wenig, um von Gleichheit zu sprechen, so Weigl-Schneider. Die Referentin brachte es deutlich auf den Punkt: „50 Prozent der Bevölkerung sind weiblich – wie können da knapp 30 Prozent in den Parlamenten die Forderungen der Frauen umsetzen? Ohne gleichberechtigte Parlamente keine gleichberechtigten Gesetze!“

Ein Grund, warum es unter anderem nur wenige Frauen in Ratsgremien gebe, wäre das Wahlorganisationsrecht, erklärte Weigl-Schneider. Denn das Wahlrecht überlässt den Parteien die vollständige Freiheit, wen sie in den Wahlkampf schicken – ob sie auf den Listen Frauen und Männer gleichermaßen berücksichtigen, ist unerheblich. Damit blieben Strukturen bei ohnehin schon männlich geprägten Parteien bestehen, denn die stellten weiterhin vor allem Männer zur Wahl auf.

Halbe Kreise

Parteien, die ihre Listen paritätisch, also beide Geschlechter zu gleichen Teilen, besetzten, und sich selbst den Anspruch auferlegten, gleichberechtigt zu wirken, verzeichneten auch einen höheren Frauenanteil in ihren Reihen. Ebenso verhalte es sich mit den Direktmandaten: Bisher können entweder eine Frau oder ein Mann ein Direktmandat erhalten. Damit stagniere der weibliche Anteil in eher männergeprägten Parteien. Die Grünen hätten daher zum Beispiel die Zahl ihrer Wahlkreise halbiert und die Direktmandate binomisch besetzt, also mit einem weiblichen und einem männlichen Kandidaten.

Das Aktionsbündnis sowie die Linke, die SPD und die Grünen verurteilen das aktuelle Wahlrecht als verfassungswidrig und fordern ein paritätisches Wahlrecht, denn „ohne gleichberechtigte Parlamente, gibt es keine gleichberechtigte Gesetzgebung und keine gleichberechtigte Gesellschaft!“ Die „Parité in den Parlamenten“ hat deshalb eine Klage gegen das Bayerische Wahlrecht eingereicht; die wurde jedoch abgewiesen.

Problem Mensch

In der anschließenden Diskussionsrunde herrschte großer Redebedarf: Schnell wurde klar, dass der Anteil in Parlamenten und Führungspositionen nicht nur ein gesetzliches, sondern ein gesellschaftliches Problem ist. Die Zuhörer erörterten, warum viele Frauen sich von Haus aus weniger zutrauten, als es ihre männlichen Kollegen tun würden. Ein Lösungsansatz wäre, schon in der Erziehung Chancengleichheit zu fördern, so die Meinung des Publikums: „Mädchen und Jungen müssen lernen: Wir sind gleich.“

Auch die Angst, nicht vom Umfeld ernst genommen zu werden, sei noch immer präsent. Ein großes Problem sei auch der Umgangston unter den Frauen: „Warum machen wir uns selbst nieder? Warum stehen wir nicht füreinander ein?“ Es waren teils philosophische Fragen, die das Publikum beschäftigte. Das Fazit: Mehr Selbstvertrauen braucht die Frau.

Mehr zum Aktionsbündnis „Parité in den Parlamenten“ unter www.aktionsbuendnis-parite.de

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