Jede Menge Energie und Expertise

Advokatin der Jungen

Karin Gätschenberger-Bahler hat viele Ideen, wie man sich für die jungen Menschen in der Gemeinde einbringen kann. Projekte, bei denen sich Kinder und Jugendliche selbst engagieren können, findet sie besonders sinnvoll. | Foto: Gisa Spandler2021/03/Burgthann-Karin-G-B-scaled.jpg

BURGTHANN – Sie möchte Kindern und Jugendlichen mehr Stimme geben: die neue Jugendbeauftragte der Gemeinde, Karin Gätschenberger-Bahler, hat viele Ideen und will Institutionen und Kommune im Sinne der jungen Menschen mehr vernetzen.

Seit Beginn der aktuellen Amtsperiode hat die Gemeinde auch eine neue Jugendbeauftragte: Karin Gätschenberger-Bahler (69) wurde vor knapp einem Jahr mit allen Stimmen des Gemeinderats in dieses Ehrenamt gewählt. Die Unterferriedenerin, die 40 Jahre Berufsschullehrerin war, davon zwölf Jahre in der Schulleitung des bbs – Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte – Blindenanstalt Nürnberg, hat bürgerschaftliches Engagement bereits auf vielfältige Weise bewiesen. Zwei Sitzungsperioden saß sie als Gemeinderätin für die SPD im Gremium, leitet seit langem als Vorsitzende den SPD-Ortsverein, war Vertrauensperson im damaligen Jugendforum der Gemeinde und hat so als erfahrene Pädagogin schon seit vielen Jahren die Anliegen der Kinder und Jugendlichen zu ihrer Sache gemacht. Trotz Corona-bedingten Ausbremsens ist sie in ihrer neuen Funktion schon auf vielfältige Weise initiativ geworden und hat noch viele Ideen.

Nachdem es mit einer weiteren Wiederwahl zur Gemeinderätin letzten März nicht geklappt hat, war man sich in der Fraktion einig, dass ihre Energie und Expertise in Sachen Jugendarbeit genutzt werden solle. Zusammen mit den Freien Wählern hat man sie überzeugt, sich der Herausforderung als Beauftragte für Kinder und Jugendliche in der Gemeinde zu stellen. Und als Herausforderung, nicht als nebenher laufende Gelegenheitsbeschäftigung, sieht sie diese Berufung tatsächlich. Den Auftrag des Bayerischen Jugendrings, der den Kommunen seit 1972 diese Ergänzungsfunktion den Bürgervertretern nahelegt und die auch im Sozialgesetzbuch VIII unter dem Stichwort Kinder- und Jugendhilfe verankert ist, nimmt sie sehr ernst: Sie soll und will Ansprechpartnerin sein für alle Institutionen, die mit jungen Menschen zu tun haben, dafür sorgen, dass Kontakte entstehen, Ideen ausgetauscht und vorangetrieben werden.

Unterschiedliches Feedback

Dabei geht es nicht nur um Kirchen, Schulen, Vereine in der Gemeinde. „Auch die überörtliche Jugendhilfe zum Beispiel mit den Kreisjugendpflegern im Landratsamt ist mit eingebunden“, freut sie sich. Denn von dort kommen nicht nur Hilfsinitiativen, wenn es Probleme gibt, sondern auch Angebote, die aktuell allerdings notgedrungen nur als Online-Termine stattfinden. Bisher hat Karin Gätschenberger-Bahler die Kindergärten und Schulen in der Großgemeinde angeschrieben. Während das Feedback der Kindertageseinrichtungen zurückhaltend war, gab es mit den Leitungen der drei Schulen schon ausführliche Gespräche. Auch mit den Kirchen, vor allem mit dem evangelischen Pfarrer Bernhard Winkler in Burgthann und Religionspädagogin Angela Reither in Oberferrieden, die sich um die kirchliche Jugendarbeit kümmern, hat sich die Unterferriedenerin schon kurzgeschlossen. Während das Jugendcafé in Oberferrieden mangels Unterstützung eingeschlafen ist, ebenso wie das gemeindliche Jugendforum, gibt es im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Burgthann noch einen Jugendtreff, in Oberferrieden immerhin noch zahlreiche digitale Angebote für die Konfis.

Wertvoller Austausch fand zudem mit der Schulsozialpädagogin Wibke Kleinheyer statt, die nach Ansicht von Gätschenberger-Bahler sehr gute Arbeit leistet, leider nur für die Mittelschule. „Gerade in Corona-Zeiten wäre eine solche Unterstützung auch schon an den Grundschulen wichtig“, hat sie in Gesprächen mit den Schulleitungen der ersten bis vierten Klassen erfahren. Baustellen gibt es also genügend. Sie will auch noch die Vereine kontaktieren, die ihrer Meinung nach bereits wichtige Jugendarbeit machen. „Aber alle jungen Menschen werden nicht über die Vereine erreicht“, meint sie, ebenso wie die Kirchen nicht alle Jugendlichen ansprechen können. Daher wäre eine übergeordnete, unabhängige Stelle ein gutes Angebot, wo es offene Treffs für junge Leute geben könnte oder eben einen Streetworker für offene Jugendarbeit, mit dem Teile des Gemeinderats schon lange liebäugeln.

„Zukunftswerkstatt für Jugendliche“

Doch Austausch und Kontakte sollen sich nicht auf Institutionen beschränken. Eine aktive Zusammenarbeit mit den Kindern und Jugendlichen soll aus ihrer Sicht weit mehr als im Augenblick im Vordergrund stehen. Ein Projekt der Jugendpflegerinnen des Kreisjugendrings im Nürnberger Land, Bruni Schmidt und Melanie Voigt, liegt ihr daher besonders am Herzen. Für dieses braucht sie allerdings einen Beschluss des Jugend-, Sport-, Kultur-, Bildungs- und Sozialausschusses, der erst kürzlich wieder wegen Corona auf April verschoben werden musste. „Zukunftswerkstatt für Jugendliche“ nennt sich das Vorhaben, das in Form von Workshops in der Gemeinde stattfinden soll.

Alle jungen Leute zwischen zwölf und 18 Jahren möchte man dazu einladen und sie klären lassen: Was gibt es für uns junge Menschen in der Gemeinde? Und wo wollen wir hin? In einem solchen Entwicklungsprojekt möchte sie die junge Generation kennen lernen, bei deren Mitwirkung in der Gemeindeentwicklung ihre Interessen und Bedarfe erfahren, die jungen Menschen bei der Durchsetzung ihrer Vorhaben und bestenfalls Visionen unterstützen. „Das ist schon etwas anderes als die Jungen nur anzuschreiben und sich vorzustellen“, glaubt die 69-Jährige und hofft auf Unterstützung im Ausschuss am Dienstag, 20. April, wenn sie dort ihre Ziele und konkret die Zukunftswerkstatt für engagierte Kinder und Jugendliche vorstellt.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren