Jahreshauptversammlung in Diepersdorf

„Milchplattform war der richtige Schritt“

Wollen die Milchplattform weiter voranbringen (v.l.): Reinhard Endres, Erhard Zimmermann und Gerhard Rost.
Wollen die Milchplattform weiter voranbringen (v.l.): Reinhard Endres, Erhard Zimmermann und Gerhard Rost. | Foto: Märtl2016/03/db-vorstandmilchplattform.jpg

NÜRNBERGER LAND – Gut ein Jahr nach ihrer Anerkennung zieht die Milchplattform Bilanz. Und wäre da nicht diese penible Bürokratie – man stünde weit besser da, als dies gegenwärtig der Fall ist. Darin sind sich Reinhard Endres, das Gesicht der Milchplattform, und seine Vorstandskollegen Erhard Zimmermann und Gerhard Rost einig.

Weil sie mehr denn je davon überzeugt sind, dass die Gründung der Milchplattform der richtige Schritt war, werden sie auch nicht müde, weiter eifrig die Werbetrommel zu rühren, mit dem klaren Ziel, noch in diesem Jahr so viele Milcherzeugergemeinschaften (MEG) als neue Mitglieder zu gewinnen, um gemeinsam auf eine Milchmenge von einer Milliarde Kilogramm zu kommen. Reinhard Endres, der auch Vorsitzender der MEG Simmelsdorf ist: „Je mehr sich anschließen, umso größer ist die Datenmenge, die uns zur Verfügung steht.“

Eigentlich kann man mit der Entwicklung zufrieden sein: Seit der Anerkennung Ende März 2015 haben sich sieben weitere Milcherzeugergemeinschaften mit rund 210 Mio. kg der Milchplattform e.V. angeschlossen, in der nun insgesamt 18 Milch-Erzeugergemeinschaften aus Bayern mit derzeit 640 Millionen Kilogramm Milch und über 2660 Landwirten zusammengeschlossen sind. Mit weiteren Interessenten, auch aus dem Genossenschaftsbereich, so Vorsitzender Reinhard Endres, pflegt man derzeit einen sehr regen Gedankenaustausch. Wenn deren Satzungen entsprechend angepasst sind, was teilweise nur sehr zäh vonstattengeht, steht der Aufnahme nichts mehr im Weg.

Echte Alternative

Nach wie vor versteht sich die Milchplattform e.V. als eine echte Alternative und nicht als Konkurrenz zur Bayern-MEG. Das zu vermitteln, ist den Vorständen ein ganz besonderes Anliegen.

Reinhard Endres: „Die Gründung hatte rein kartellrechtliche Gründen, denn MEG-Vorsitzende dürfen Milchpreise untereinander nur austauschen, wenn sie in einem Dachverband organisiert sind.“

Im Gegensatz zur Bayern-MEG vermarktet die Milchplattform keine Milch. Jede Mitglieds-MEG bleibt nach wie vor selbständig und vermarktet die Milch auch weiterhin eigenständig. Jede MEG hat einen gewählten Vorstand, der die bestmöglichsten Milchpreise aushandelt. Bei der Jahreshauptversammlung im „Gasthaus Löhner“ in Diepersdorf informierte Reinhard Endres die Mitglieder über das Gespräch, das auf Einladung des Bauernverbandes zusammen mit der Bayern-MEG stattfand.

Nicht nur hier sei über Zusammenarbeit und Datenaustausch gesprochen worden, was ja eigentlich im Interesse der Sache sei. Allerdings sei die Frage ungeklärt, ob man das dürfe. Hier gebe es verschiedene Rechtsauffassungen. VMB-Hauptgeschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Seufferlein meinte, dass es nur vom Kartellamt selbst eine konkrete Auskunft geben könne.

Gemeinsam agieren?

BBV-Milchpräsident Günther Felßner betonte, dass man derzeit klären lasse, ob und wie Bayern-MEG und Milchplattform gemeinsam agieren könnten. Mit dem Verweis auf die Entscheidung des Wirtschaftsministers zur Edeka-Fusion, stellte er die Frage in den Raum, ob im Fall einer Ablehnung nicht auch hier eine Ministerentscheidung möglich sei. In der Diskussion stand natürlich die Situation auf dem Milchmarkt im Mittelpunkt. Und eine Besserung scheint 2016 nicht in Sicht. Reinhard Endres: „Die Aussichten sind schlecht und es ist eher zu befürchten, dass der Preis noch weiter sinkt.“

BBV-Vizepräsident Felßner berichtete vom Milchgipfel in Brüssel und stellte fest, dass für die desaströse Situation auf dem Milchmarkt nicht nur globale Probleme und die schwächelnde Weltwirtschaft, sondern auch falsche Weichenstellungen bei der Wettbewerbsfähigkeit und immer weiter steigende Auflagen für die Milchbauern verantwortlich seien. Trotz der angespannten Lage würden in Deutschland immer neue Anforderungen und Auflagen auf den Weg gebracht – und das weit über den von der EU vorgegebenen Rahmen hinaus, kritisierte Felßner.

Die großen Handelskonzerne würden sich ins Fäustchen lachen und ihre Macht bei Verhandlungen gnadenlos ausnutzen. „Mit dicken Forderungskatalogen und unverschämt niedrigen Preisen stellen sie Bauern und Molkereien vor unlösbare Probleme.“

Statt die Fehler aus 31 Jahren Milchquote zu wiederholen, müsse die Politik jetzt schleunigst ihre Hausaufgaben machen und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um das Ungleichgewicht zwischen Erzeugern und Handel in den Griff zu bekommen. Es gehe um die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Zukunft der bayerischen Milchbauern.

Molkereien und Milchbauern müssten nicht nur für die Verarbeitung der Milch sorgen, sondern sich auch für eine attraktive Vermarktung einzusetzen. Verhandlungen zwischen Molkereien und Milchbauern über vermarktbare Mengen dürften kein Tabu darstellen.

Mit den beiden Plattformen sieht Günther Felßner aber die Weichen richtig gestellt.

„Die Arbeit geht erst an“, stellte er fest. Ziel müsse es sein, die 60 Molkereien aus zwei Töpfen zu bedienen und nicht aus 82. „Wir haben die Strukturen geschaffen, wie wir die Probleme lösen können. Nun müssen wir miteinander marschieren.“

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren