Polizeibilanz im Coronajahr 2020

Weniger Gewalt, mehr Drogen

Beamten der Bereitschaftspolizei kontrollieren das Einhalten der Kontaktbeschränkungen in einem Park. Was Anfang 2020 noch unvorstellbar schien, wurde im Nürnberger Land ab April zum alltäglichen Anblick. | Foto: Foto: Patrick Tichy/Getty Images2021/04/polizei-berlin-kontrolle-corona-kriminal-foto-getty.jpg

Lauf. Das Jahr 2020 tanzt aus der Reihe, auch wenn es um die Laufer Polizeistatistik geht. Denn wie soll man ein Jahr mit seinen Vorgängern vergleichen, in dem die Landkreisbürger ab April ihre Kontakte beschränkten, Bars und Restaurants über mehrere Monate geschlossen blieben und ein relevanter Teil der Menschen ihre Wohnung zum Homeoffice und somit unattraktiv für Einbrecher machte? Die Antwort ist: Es lässt sich nicht vergleichen.

Dass die Pandemie Einfluss auf die Zahl der Ordnungswidrigkeiten, Vergehen und Verbrechen im gesamten Nürnberger Land und im Zuständigkeitsbereich der Polizei Lauf und hatte, ist unbestritten. Die Beamten erfassten 2020 in ihrem Dienstbereich, der von Schwaig bis Simmelsdorf geht, insgesamt 1704 Delikte. 2019 waren es 1945 (-12,4 Prozent). Im gesamten Nürnberger Land sank die Zahl um 372 auf 4776 (-7,2 Prozent).

Einfluss von Corona ist unklar

Ob die deutlichen Veränderungen in einigen Bereichen allerdings aufgrund der Corona-Maßnahmen auftraten, aufgrund von anhaltenden Trends oder aufgrund neuer Schwerpunkte in der Polizeiarbeit, das werden erst die Post-Corona-Statistiken zeigen.

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Nur ein Teil hat definitiv mit der Pandemie zu tun, nämlich die Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz. Rund 500 meldete die Laufer Polizei 2020 der Staatsanwaltschaft. Bei Kon­trollen von Passanten, Autofahrern und verbotenen Haus­partys stellten die Beamten Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkung, gegen die Kontaktbeschränkung und gegen die Maskenpflicht fest.

Die verstärkten Kontrollen hatten wohl auch Einfluss darauf, dass die Anzahl der Drogendelikte im Bereich der Polizei Lauf von 144 Fällen (2019) um 47 Prozent auf 211 Fälle stieg. Denn der Besitz, Konsum oder Handel von Rauschgift ist eines der größten Dunkelfelder in der Polizeiarbeit. Nur wer bei Kontrollen auffliegt oder sich und seine Handlanger anzeigt (siehe Hintergrund), geht in die Statistik ein. Also gilt: je mehr Kontrollen, desto mehr Drogendelikte.

Ein Beispiel ist der Fall eines Simmelsdorfers, der Ende März 2020 laut Nachbarn auf seine Frau losgegangen war. Vor Ort bemerkten die Polizisten den Geruch von Cannabis, doch der randalierende Ehemann wollte sie nicht eintreten lassen. Daraufhin brachen die Beamten die Tür auf und fanden im Haus über 20 Cannabispflanzen in Töpfen. Der Mann wurde wegen Körperverletzung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz angezeigt.

Im Bezug auf die Corona-Maßnahmen wurden ab Frühling 2020 die Befürchtungen laut, dass die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen zu einem Anstieg der häuslichen Gewalt führen würden. Diese Befürchtung hat sich zumindest im Bereich der Polizei Lauf nicht bewahrheitet. Im Vergleich zu 2019 sank die Zahl der erkannten Fälle von 334 auf 323. Die Dunkelziffer ist jedoch in diesem Bereich um einiges höher.

Zahl der Körperverletzungen sinkt

Insgesamt sind die Gewaltverbrechen im Vergleich zum Vorjahr weniger geworden. Im Bereich der Polizei Lauf war niemand Opfer eines Mordes oder einer vorsätzlichen Tötung. Die Fälle der schweren Körperverletzung sanken von 76 (2019) auf 35 und die der leichten Körperverletzung von 210 (2019) auf 172.

Zu ihnen zählt der Fall eines 23-jährigen Autofahrers Ende Januar, den eine Streife anhalten wollte, weil er nachts ohne Licht durch Schwaig fuhr. Nach einem kurzen Fluchtversuch des 23-Jährigen fassten ihn die Beamten und fanden Ecstasy-Tabletten in seiner Jackentasche. Um diese zu behalten, schlug der junge Mann einem Polizisten mit der Faust ins Gesicht, entriss ihm die Tabletten und rannte davon. Doch weit kam er nicht, nach einer kurzen Verfolgung nahmen die Beamten den Mann fest.

Wie die Zahl der Gewaltverbrechen ist auch die Zahl der Diebstähle gesunken. Statt 511 Diebstähle (2019) zählte die Polizei Lauf 2020 nur 367 Diebstähle, ein Rückgang von 28,2 Prozent. Entgegen dem Trend stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche leicht von 27 auf 29 Fälle. Die meisten von ihnen fanden laut der Polizei Lauf im Sommer statt, als die Ausgangsbeschränkungen zeitweise gelockert wurden.

Ein 24-jähriger Laufer schlug allerdings früher zu. Aufgrund von Spuren am Tatort überführte ihn die Polizei Lauf als einen der Täter, die von März bis Mai in einer Wohnanlage in der Laufer Kriemhildstraße in insgesamt 19 Kellerabteile eingebrochen waren und dort Fahrräder, Elektrogeräte und alkoholische Getränke im Wert von rund 12 000 Euro erbeutet hatten.

Doch das war nicht genug: Als der Bewohner eines Hauses in der Laufer Oberwiesenthaler Straße am 12. Mai den Aufbruch seiner Kellertür bemerkte und die Polizei rief, stießen die Beamten dort auf zwei Männer, die gerade ihr Diebesgut abtransportieren wollten. Bei der Verfolgung nahmen die Polizisten einen 37-jährigen Laufer fest. Mittels DNA-Spuren am Tatort konnte auch der zweite Räuber identifiziert werden: Es handelte sich um den 24-jährigen Laufer, der bereits die Keller in der Kriemhildstraße ausgeräumt hatte.

Kein Alkohol im öffentlichen Raum

Ein Bereich, auf den die Corona-Maßnahmen wohl großen Einfluss hatten, sind die Sachbeschädigungen. Ein Beispiel dafür sind die Sachbeschädigungen an Autos, die von 187 Fällen (2019) auf 100 Fälle sanken. Bei einem Großteil handelt es sich laut Polizei um „Spontantaten“, die oft unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen begangen
werden. Das Verbot des öffentlichen Verkaufs von Alkohol, das Nichtstattfinden von Festen und feuchtfröhlichen Kneipenbesuchen und die
zeitweisen Ausgangsbeschränkungen bedingen nach Ansicht der Polizei die geringe Zahl im Jahr 2020.

Im Vergleich macht das Gebiet der Polizei Lauf 2020 ohnehin eine gute Figur. Seine Häufigkeitszahl, also die Anzahl der Straftaten gerechnet auf 100 000 Einwohner, liegt bei 3021 und damit weit unter den Zahlen von Mittelfranken (4322) und Bayern (4291). Nur im Gesamtraum des Nürnberger Lands (2796) finden noch weniger Verbrechen statt. 

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