Lesung mit Ewald Arenz

Von der Unbekümmertheit der Jugend

Ina Gombert von der Stadtbibliothek und Autor Ewald Arenz spielten sich bei der Lesung auf dem Kunigundenberg die Bälle zu. | Foto: Dorn2021/07/arenz-lesung-sommer-am-berg-foto-dorn-scaled.jpg

Lauf. Der Reigenplatz am Laufer Kunigundenberg summt vor Erwartung: Das zahlreich erschienene Publikum erwartet mit Ewald Arenz den Schriftsteller, dessen Buch thematisch nah an der Veranstaltungsreihe und der Jahreszeit liegt. „Der große Sommer“ heißt es, und es ist noch ziemlich frisch – da im März erschienen – in den Buchhandlungen.

Von Beginn an spielen sich eine entspannte und heitere Ina Gombert – die „Eventmanagerin“ der Stadtbibliothek und damit auch der Sommer-Literaturtage – und ein bestens aufgelegter Ewald Arenz die Bälle zu. Die lockere Atmosphäre springt schnell auf das Publikum über, und das leichte, beschwingte Gefühl des lauen Sommerabends hält sich über die gesamte Veranstaltung.

Es ist weniger ein Interview denn ein Gespräch unter guten Bekannten, das Arenz und Gombert da dem Publikum präsentieren, und letzteres lässt sich gern als dritte Komponente einbeziehen. Wenn Arenz als Autor „…niemals in einem Klappentext mit Wohnsitz in Berlin oder New York genannt werden möchte, denn Qualität kann auch aus der fränkischen Provinz, aus Obermichelbach, entstehen“, hat er die fränkischen Herzen schon gewonnen.

Zwischen diesen Gesprächseinlagen, in denen die Anwesenden beispielsweise erfahren, dass Arenz kein brillanter Schüler war und in den letzten 30 Jahren 20 Bücher geschrieben und deswegen kaum Urlaub gehabt hat, stellt der Autor in den Lesepassagen die wesentlichen Charaktere des Buches vor. Seine Stimme schwingt mit lebendigem Ausdruck, präziser Betonung und sparsamer Gestik über den Reigenplatz.

Dabei wird deutlich, in welch klarer, eingängiger Sprache das Buch formuliert ist, wie treffend der Autor widerstreitende Gefühle beschreibt, wie einfühlsam er Stimmen der Natur und Geräusche der Stadt verwebt, und wie aufmerksam und sensibel er mit den Themen Tod und erwachende Sexualität umgeht – vergleichbar mit Jean Paul, ähnlich komponiert, gleicher Tiefgang, ähnlicher Humor, doch leichter zu lesen. Das Buch wegzulegen fällt schwer; es ist ein echter „page turner“, doch zum Ende kommen möchte man auch nicht.

Hauptmotiv des Romans ist die erste Liebe, intensiv erlebt mit all ihren Gefühlsschwankungen. Aber auch die Unbekümmertheit der Adoleszenz, eine gefährdete Freundschaft und fast unumgängliche familiäre Konflikte werden lebensnah beschrieben.

Viel Stoff für Sommerferien und genug Material für ein herzerwärmendes Buch, das gleichermaßen von jungen wie reiferen Leserinnen und Lesern genossen werden kann. Die Jungen tröstet es, weil andere in dem Alter ähnliche Probleme haben, und wer diese Zeit hinter sich hat, kann sich an seine eigene „Story“ erinnern, leiser Wehmut und der zarte Glorienschein der Erinnerung inklusive. Umso erfreulicher, dass sich im Publikum tatsächlich alle Altersstufen finden, von denen etliche das Buch bereits im Vorfeld erworben haben.

Der Beifall ist lange anhaltend, und die Schlange vor dem Buchstand und dem Signiertisch ist bemerkenswert. Und ziemlich zum Schluss des Buches hat Arenz auch noch einen Spruch für die Veranstaltungsreihe „Sommer am Berg“ parat: variatio delectat – Abwechslung erfreut.

Vinzenz Dorn

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