Stadt Lauf bezahlt Schwimmkurse

Strampeln bis zum Beckenrand

Während des Schwimmkurses im Laufer Freibad verwenden die Schüler unter anderem die Schwimmnudel als Hilfsmittel. Bürgermeister Thomas Lang (4. v. l.), Schwimmschulleiter Alexander Gallitz (3. v. r.) und Grünen-Stadträtin Erika Vogel (5. v. r.) halfen am Dienstag den Lehrern der Schwimmschule Flipper aus Burgthann. | Foto: Andrea Beck2021/08/Schwimmkurs-Lauf-170621-Foto-Beck-1-scaled.jpg

LAUF – Die Stadt Lauf hat 180 Kindern mit dem Geld des Kinderfonds, zusätzlichen Mitteln und einer Spende der Stadträtin Erika Vogel einen kostenlosen Schwimmkurs spendiert. Die Aktion, die seit zwei Wochen läuft und am 20. August endet, soll die steigende Zahl der Nichtschwimmer wenigstens ein bisschen senken.

17 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren haben sich am Dienstagmorgen im Laufer Freibad versammelt. Sie stehen in Badehosen und kurzen Neoprenanzügen im Halbkreis um Schwimmlehrer Tom Reither und sein Team und üben im Trockenen die Armbewegung für das Brustschwimmen. Die fünf Lehrer haben die volle Aufmerksamkeit der Kinder, trotz der frischen Temperatur von 15 Grad. „Und hat der Kurs gestern Spaß gemacht?“, fragt Reither. „Ja!“, ruft die Gruppe im Chor. „Na dann geht es jetzt weiter, wir gehen wieder ins Wasser.“

Die jungen Schüler, die Reither schnurstracks in das Nichtschwimmerbecken folgen, sind Teilnehmer einer Aktion der Stadt Lauf: eines kostenlosen Schwimmkurses. Denn immer weniger Kinder können schwimmen. Die geschlossenen Hallenbäder und der ausgefallene Sportunterricht während der zwei Lockdowns haben diesen gefährlichen Trend im Nürnberger Land, wie fast überall in Deutschland, noch verstärkt.

Spender für das Schwimmen

Mit einem spendierten Schwimmkurs hat die Stadt Lauf nun einen ersten Schritt unternommen, um die Zahl der Nichtschwimmer wenigstens etwas zu senken. Das Geld aus dem Kinderfonds der Stadt, an den unter anderem die Laufer Kolping-Familie zuletzt gespendet hatte, nutzte die Laufer Verwaltung, um einen Kurs auf die Beine zu stellen, an dem in den Sommerferien 50 Kinder teilnehmen sollten.

Doch es kam anders, denn die Nachfrage war gewaltig. Nachdem die Stadt Eltern öffentlich aufgefordert hatte, ihre Kinder anzumelden, gingen in wenigen Tagen rund 400 Anfragen aus dem ganzen Nürnberger Land ein. „Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir haben dann in einem Losverfahren die Teilnehmer gezogen und den Kreis auf Kinder aus Lauf beschränkt. Unter anderem alleinerziehende Eltern wurden bevorzugt, um sozial geschwächte Familien zu unterstützen“, sagt Michael Meye. Fachbereichsleiter für Kultur, Sport und Tourismus in Lauf.

Am Ende hatten 180 Kinder von sechs bis 13 Jahren das große Los gezogen und wurden in fünftägige Kurse eingeteilt. Den Unterricht übernahm die Schwimmschule Flipper aus Burgthann, gegründet vom ehemaligen Nationalschwimmer Alexander Gallitz.

Sein Team unterrichtet die Kinder in Kleingruppen aus rund 20 Teilnehmern an fünf Tagen für jeweils eine halbe Stunde im Laufer Freibad. Am Freitag, dem letzten Tag der Aktion, hatte dann jedes der Kinder 2,5 Stunden Schwimmunterricht. Das ist für die meisten zu wenig, um richtig schwimmen zu lernen. „Aber das ist nicht das Ziel, sondern dass nach dieser Woche jedes Kind sicher an den Beckenrand kommt“, sagt Gallitz. Die Wassergewöhnung, der „Seestern“, der auf dem Rücken im Wasser liegt, das Tauchen und die richtigen Armbewegungen können laut Gallitz Leben retten.

Zweithäufigste Unfallursache mit Todesfolge

Das ist nicht zu weit hergeholt. Im Jahr 2020 ertranken laut der Stiftung Kindergesundheit in Deutschland 18 Vorschulkinder und fünf Grundschulkinder. Ertrinken sei die zweithäufigste Unfallursache mit Todesfolge bei Kindern. Grund für die steigende Zahl von Nichtschwimmern seien die Schließungen von Hallenbädern und die fehlenden Schwimmhallen in Schulen. Für Kurse von Schwimmschulen existieren mehrjährige Wartelisten.

„Es ist eine tolle Aktion der Stadt Lauf, die nicht selbstverständlich ist“, sagt Gallitz. Die Eltern seien dafür unendlich dankbar. Mit dem Geld des Kinderfonds, einer zusätzlichen Aufstockung und der Spende über 500 Euro der Laufer Stadträtin Erika Vogel, investierte die Stadt rund 3500 Euro in die Kurse, inklusive der Ausstellung der Abzeichen. Am Ende der fünf Tage erhält jedes Kind das Froschabzeichen. Wer es schafft, kann auch das Seepferdchen machen.

Ob die Stadt noch einmal ähnliche Aktionen startet, steht noch nicht fest. „Eigentlich sollte das Schwimmenlernen grundsätzlich ermöglicht werden“, sagt Laufs Bürgermeister Thomas Lang.

Am Dienstag ist der ehemalige Sportlehrer mit ins Wasser gestiegen und hat Schwimmnudeln verteilt. Die Kinder setzen sich auf den Stab aus Schaumstoff und durchqueren unter Anleitung ihrer Lehrer das Becken. Sie sind nicht alle gleich schnell, aber jeder erreicht sicher den Beckenrand.

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