Flugversuche in Ottensoos und Lauf

Storchennachwuchs vor dem Jungfernflug

Die Brustmuskeln der Jungstörche, hier in Ottensoos, müssen gekräftigt werden. Da hilft nur üben, üben, üben und kräftiges Flügelschlagen. | Foto: Klausen2020/06/5.-Ottensoos-bald-sind-wir-flugge.jpg

LAUF/ OTTENSOOS – In Lauf braucht es keine Webcam im Storchennest um verfolgen zu können, was sich hier vom Nestbau über das Liebespiel bis zur Fütterung der Jungen so alles abspielt:

Das Storchenpaar Johanna und Karl, wie die Vögel von der Bevölkerung getauft wurden, haben ihre Behausung am Oberen Marktplatz ja direkt vor die Nase eines großen Publikums gebaut. Das Nest auf dem Gebäude an der Ecke zur Barthstraße (Anna & Maximilian) liegt nicht nur direkt im Blickfeld der Passanten, sondern kann auch von fast jedem Tisch vor den Gastwirtschaften sehr gut eingesehen werden.

Handybilder in die ganze Welt

Täglich werden hier Handys gezückt und auf Bildern und Filmen wird festgehalten, wenn die Storcheneltern ausführlich klappern, Futter für ihre Jungen heranschaffen oder, wie in den letzten Tagen, der Nachwuchs die ersten Flugübungen vollführt. Und so gelangt das Leben der Laufer Störche über die sozialen Netzwerke in die ganze Welt.

2020 jedenfalls, so die Storchenliebhaberin Tina Klausen aus Hersbruck, ist ein gutes Storchenjahr. So hat nicht nur das Storchenpaar Johanna und Karl aus Lauf, sondern auch Anna und Winfried aus Ottensoos in diesem Jahr drei prächtig entwickelte Jungstörche erfolgreich aufziehen können. Hinzu komme, so Klausen, dass es nach vielen Jahren der Bemühungen auch in Hersbruck vielleicht gelungen ist, ein Paar sesshaft zu machen. Hier gebe es zwar noch kein Nest und keine Jungen, weil aber coronabedingt bei den Segelfliegern keine Flugzeuge starteten, waren Storchenpaare immer wieder zu sehen.

Erste Flugübungen

Die Jungen in Ottensoos und Lauf sind inzwischen knapp neun Wochen alt und haben in den letzten Tagen bereits fleißig ihre Flugübungen gemacht. Durch wildes Flügelschlagen trainieren sie unter anderem auch ihre Brustmuskulatur, und wenn sie sich eine längere Zeit ein paar Meter über dem Horst in der Luft halten können, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie ihr „Kinderzimmer“ verlassen.

Für ihren sogenannten „Jungfernflug“ braucht es natürlich eine Menge Mut, und damit sich die Jungvögel schließlich trauen, verlassen die Eltern meist nach der Fütterung fluchtartig den Horst und fliegen auf nahegelegene Dächer oder Kamine um den Nachwuchs zum Ausfliegen zu animieren.

„Klapper“-Weite

Diese Aktion ist derzeit täglich mehrmals in Lauf zu beobachten. Mama oder Papa Storch fliegen vom Horst regelmäßig auf die Giebelspitzen der Sandsteingebäude der Stadtapotheke oder des ehemaligen Heka-Hauses immer in Sicht- und „Klapper“-Weite zum Nest.

Zu Beginn ihrer ersten Ausflüge fliegen die Jungstörche in Ottensoos und Lauf in den nächsten Tagen ein paar kleine Runden und landen dann wieder auf dem Nest. Erst wenn sie sich beim Abfliegen und Landen sicherer fühlen, geht es von Dach zu Dach, bis sie es schließlich schaffen, den Eltern auf die umliegenden Wiesen zu folgen.

Auch in Ottensoos blicken die drei jungen Störche noch recht ehrfürchtig in die Tiefe. /Foto: Klausen2020/06/6.-Anna-Ottensoos-ausserhalb-des-Nestes-auf-dem-Dach.jpg

Bitte an Hundebesitzer

Nun beginnt aber die schwierigste Zeit für die noch unerfahrenen Jungvögel. Wie kann ich selbst Futter erbeuten und wie verhalte ich mich in Gefahrensituationen? All das müssen sie noch von ihren erfahrenen Eltern lernen.

Gerade in dieser Zeit sind Jungstörche besonders gefährdet und deshalb bittet Tina Klausen alle, Familie Adebar bei ihren Ausflügen niemals zu stören, und speziell Hundehalter, ihre geliebten Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Jungstörche erkennen noch keine Gefahren und vor allem lebensgefährliche Stromleitungen werden ihnen gar oft zum Verhängnis, wenn sie dann in Panik aufgeschreckt hineingeraten.

Autoren: Tina Klausen, Clemens Fischer

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