Haushaltsberatung im Marktrat

Schnaittach kommt ohne Kredit aus

In Angriff genommen wird eine neue Turnhalle für die Schnaittacher Grundschule für zunächst 600 000 Euro. Dafür wird die in die Jahre gekommene große Turnhalle (im Bild) abgerissen. | Foto: Kirchmayer2017/01/Schnaittach-Grundschule-grosse-Turnhalle-2.jpg

SCHNAITTACH — Freude im Schnaittacher Rat: Die Marktgemeinde kommt im Kalenderjahr 2017 voraussichtlich ohne neue Schulden aus. Möglich wird das, weil sich die Fraktionen am Dienstag in einer Sitzung aller Ausschüsse darauf geeinigt haben, teure, aber nicht akut notwendige Investitionen zu verschieben.
So war ursprünglich für 2017 vorgesehen, die Insel auf dem Bürgerweiher im Zentrum Schnaittachs über einen Steg betretbar zu machen und dort unter anderem eine Plattform zum Sitzen zu installieren. Doch die Mitglieder des Haupt- und Finanz- sowie des Bau- und Umweltausschusses einigten sich schnell darauf, dass dieses Projekt zugunsten eines ausgeglichenen Haushalts verschoben werden muss. Der Markt spart sich also heuer dafür veranschlagte 145. 000 Euro.

Auch der Kampfersteg wird in diesem Jahr entgegen erster Planungen nicht mehr erneuert. 150. 000 Euro waren für den Fußgängerweg über die Schnaittach vorgesehen. Davon bleiben nur 10. 000 Euro, um die Brücke auf Schäden zu überprüfen und festzustellen, ob sie noch sicher ist.

Ebenso vom Tisch ist ein Radweg-Abschnitt zwischen Schnaittach und Großbellhofen. Seit vielen Jahren wird im Rat über diese Verbindung gesprochen, ebenso lange wird sie auf die lange Bank geschoben. Für die Ausschussmitglieder hat sie auch 2017 nicht die allerhöchste Priorität, sodass ursprünglich eingeplante 185. 000 Euro 2017 nicht aufgewendet werden müssen. Die Räte stellten aber klar, dass die Planung erneut nur aufgeschoben und nicht aufgehoben sei.

An teuren Projekten mangelt es dennoch nicht. Allein für den Neubau einer Turnhalle für die Schnaittacher Grundschule werden 600. 000 Euro veranschlagt. Sie soll dort entstehen, wo sich bisher der Hartplatz unmittelbar hinter dem neueren Schulgebäude an der Erlanger Straße befindet. Das Projekt kann 2017 aber noch nicht abgeschlossen werden. Erst im Sommer 2018, also pünktlich für das Schuljahr 2018/2019, soll die neue Halle nutzbar sein, stellt Bürgermeister Frank Pitterlein in Aussicht. Im kommenden Jahr soll das Projekt weitere rund 1,2 Millionen Euro kosten. Dafür wird noch 2017 die größere der beiden aktuell noch genutzten Turnhallen der Grundschule, die beide in schlechtem Zustand sind, abgerissen.

Breitband bleibt ein Thema im Markt. Weil der Ausbau des schnellen Internets 2016 allerdings nicht so rasch voranging wie geplant, greift die Kommune heuer weitgehend auf dafür eingeplantes, aber nicht ausgegebenes Geld zurück: Satte 478 000 Euro des vergangenen Haushaltsjahres werden übernommen.

Teures Löschfahrzeug

Die Schnaittacher Feuerwehr erhält ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug für 258 .000 Euro. Ein älteres Modell gibt die Wehr an die Kollegen in Hormersdorf weiter, die ihrerseits ein in die Jahre gekommenes Fahrzeug ausrangieren.

In der Schnaittacher Mittelschule werden 2017 die Fenster ausgetauscht. Kostenpunkt: rund 100.000 Euro. Eine eigentlich geplante, viel teurere energetische Gebäudesanierung ist vom Tisch, weil sie sich finanziell nicht rentieren würde (die PZ berichtete).

Alarmiert sind die Räte wegen des schlechten Zustands des Belags einiger Straßen im Markt. Doch in diesem Jahr wird sich daran wenig zum Guten ändern. Immerhin: Der Rollhofer Weg und der Kersbacher Weg werden für insgesamt 50 .000 Euro begutachtet, um herauszufinden, ob eine Sanierung oder gar ein Neubau der beiden Straßen in den kommenden Jahren nötig wird.
Vorberaten wurde diese Punkte des Vermögenshaushalts, also die Investitionen des Marktes, in einer öffentlichen Sitzung des Schnaittacher Haupt- und Finanz- sowie des Bau- und Umwelt­ausschusses am vergangenen Dienstag. Der Entwurf wurde nach knapp zwei Stunden einstimmig verabschiedet.

Bürgermeister Frank Pitterlein sprach anschließend von einer „Vernunftentscheidung“ und freute sich über eine „harmonische“ Sitzung, in der alle Fraktionen bemüht waren, das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts zu erreichen.

Diese Freude teilte auch Karin Dobbert, Fraktionssprecherin der Bunten Liste. Sie betonte, dass der Haushalt zum ersten Mal in der Geschichte der Marktgemeinde derart öffentlich vorberaten wurde – das sei auf Antrag ihrer Fraktion geschehen.

Auch die SPD trägt den Haushalt mit. Sprecher Ulrich Weber betonte auf Nachfrage aber, die großen Investitionen in den Folgejahren bereiteten seiner Fraktion große Sorgen.

Der Haushalt selbst wird erst am Donnerstag, 2. Februar, im Marktgemeinderat verabschiedet. Die Fraktionen stellten allerdings in Aussicht, dass den bisherigen Planungen auch in der Marktratssitzung keine Steine in den Weg gelegt werden.

Der Verwaltungshaushalt (laufende Kosten) war wie berichtet bereits am 10. Januar vorberaten worden. Es zeigte sich, dass der Markt aus Einkommens- und Gewerbesteuer mehr Einnahmen als erwartet generiert.

Bei aller Freude über den ausgeglichenen Haushalt: Pitterlein stellte im Gespräch mit der PZ klar, dass die fürs kommende Jahr geplanten Investitionen nicht ohne Kredite gestemmt werden können. Neben der Fertigstellung der Turnhalle steht auch die Sanierung des „Siechenhauses“ in der Nürnberger Straße 63 an, das der Markt als Notunterkunft für Obdachlose nutzt, das aktuell aber unbewohnt ist. Auch der Breitbandausbau wird große Beträge verschlingen.

 

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