Für das Schnaittacher Wahrzeichen bahnt sich eine Lösung an

Noch bleibt das Festungslicht aus

Diese Woche beleuchtet immerhin der Vollmond die Festung auf dem Rothenberg. Das Bild ist allerdings älter. Darauf waren auch die Scheinwerfer noch an. Foto: PZ-Archiv/Liebscher2015/07/103216_mondfestungrothenberg_New_1435740064.jpg

SCHNAITTACH — Die nächtliche Beleuchtung der Festung auf dem Rothenberg bleibt vorerst noch ausgeschaltet. Der zuständige Heimatverein kann sich – wie berichtet – den Strom nicht mehr leisten und die Gemeinde will nur dann höhere Zuschüsse zahlen, wenn vorher sparsamere LED-Lampen installiert werden. Das könnte auch so kommen.

Mit der 250 Jahre alten Festung ist es ein bisschen wie mit jeder Ruine: Es gibt viele Baustellen, was aber mehr auf die Themen als auf den Zustand der Mauern bezogen ist. Denn Walter Herchenbach vom Heimatverein bekam erst in diesem Jahr wieder beim jährlichen Prüftermin vom Experten bestätigt, dass die Kasematten in einem guten Zustand sind. Und auch der Rest der einst stolzen Bastion ist mit Millionen teurem Beton bereits gesichert worden.

Die aktuellen Themen sind andere. Bürgermeister Frank Pitterlein berichtete im Kulturausschuss vom Stand der Dinge:

– So sei der weitere Freischnitt von Bäumen „auf einem guten Weg“. Er werde bei passender Witterung im kommenden Winter fortgesetzt.

– Die von der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung angeratene Helmpflicht in den Kasematten sei, so Pitterlein, wirklich nur eine Empfehlung. Der Aufwand, die Schutzbedeckung zu verteilen und zu pflegen, sei zu groß für den einzigen Festungsführer. Momentan prüfe die Schlösserverwaltung, ob für Besucher rechtlich nicht der Hinweis reicht, sich nur auf eigene Gefahr ohne Helm in der Ruinenunterwelt zu bewegen. Die Anschaffung der Hartschalen würde der Freistaat bezahlen.

– 30 000 Euro will der Freistaat zudem für die Renovierung der Wache überweisen, in der bereits die erste standesamtliche Hochzeit stattgefunden hat (die PZ berichtete). Die Zusage steht laut Pitterlein. Dort in dem Torgebäude müsste vor allem noch eine Wand trocken gelegt werden.

– Ein Handicap bleibt die Begrenzung auf 50 Personen, die sich zeitgleich in der Festung aufhalten dürfen. Auch heißt es neuerdings, für eine Führung seien nur maximal 20 Besucher erlaubt. „Ob das so stimmt, ist noch nicht sicher“, sagte Pitterlein. Aber klar ist, eine Abhilfe würde nur ein Sicherheitskonzept schaffen. Fluchträume und Brandschutz wären dann unliebsame Themen. „Das ist mit Kosten verbunden und die gilt es abzupuffern“, sagte Pitterlein im Ausschuss.

Insgesamt entsteht so der Eindruck, dass zwar staatlicherseits in den Erhalt der Festung investiert wird, zugleich der Heimatverein als Betreiber aber Spielraum durch jährlich neue Auflagen verliert. Denn wegen der immer strengeren Bestimmungen sind größere Veranstaltungen wie früher das „Summership“-Festival oder Theateraufführungen, praktisch unmöglich geworden. Damit aber finanzierte der Heimatverein bislang die Kosten für die nächtliche Beleuchtung des Schnait­tacher Wahrzeichens.

Heimatverein zog die Reißleine

Nach drei defizitären Jahren zog die Vorstandschaft bereits Ende 2014 die Reißleine und beschloss, die Scheinwerfer auszuschalten, um Geld zu sparen. Wie beim CSU-Termin mit Staatssekretär Albert Füracker und dem Chef der Schlösserverwaltung, Bernd Schreiber (die PZ berichtete), im April bekannt wurde, gibt es in ganz Bayern keine Gemeinde, die nicht die Kosten für die Beleuchtung alter Burgen bezahlt, außer Schnait­tach. Ein gewichtiges, nachgeliefertes Argument für den Heimatverein,
der zugleich aber auch weiß, wie hoch verschuldet die Marktgemeinde
ist.

Einen Konflikt gebe es nicht, versichern beide Seiten. Vielmehr würden „intensive Gespräche“ geführt. Pitterlein erinnerte im Ausschuss daran, dass dem Heimatverein in finanziell extrem klammen Zeiten, 2004, die Zuschüsse der Gemeinde von 1200 auf 700 Euro gekürzt worden waren. „Ich bin mir sicher: Der Marktrat würde jetzt einem höheren Zuschuss zustimmen“, sagte Pitterlein, stellte aber eine Bedingung: „Wir müssen zuerst noch stromsparender sein.“

11 700 Euro würde die Umstellung von den derzeit zehn Metalldampflampen auf Power-LED kosten. 5000 Euro würde ein ungenannter Sponsor beisteuern, 7000 Euro wären anderweitig als Spenden aufzutreiben, „da bin ich mir sicher“, sagte der Bürgermeister.

Jetzt soll ein Test zeigen, ob die 25 000 Lumen der dann wohl 13 LED ausreichen würden; zum Vergleich: Die aktuellen Lampen haben 34 000. „Wenn ich dadurch Strom spare und die Festung ist um zehn Prozent dunkler, aber wieder beleuchtet, dann ist es mir das wert“, sagt Pitterlein. Er geht von 1000 Euro weniger Kosten im Jahr aus. Dazu kämen eventuell 1000 bis 1200 Euro von der Marktgemeinde. Somit blieben für den Heimatverein etwa 3000 Euro, die er aus Hochzeiten und den Eintrittsgeldern bei – laut Bürgermeister – „guten und stabilen Besucherzahlen“ erwirtschaften müsste.

Die Entscheidung über den Zuschuss ist nun vertagt. Pitterlein und Herchenbach äußerten sich optimistisch. Gemeinderat Ulrich Weber regte an, in Ruhe über „intelligente Lösungen“ nachzudenken, zum Beispiel die Stromkosten mit neuen eigenen Photovoltaikanlagen hereinzuholen. Dagegen spricht, dass die Zusage des ungenannten Sponsors nur gilt, wenn ihm der Heimatverein bis Ende dieser Woche die Gesamtkosten und die Art der neuen Technik mitteilt. Insofern ist Eile geboten. Herchenbach ist zuversichtlich: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Licht aus bleibt.“

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