Bahnstromversorgung

Rund 50 Fragen an die Deutsche Bahn

So sieht aktuell der Leitungsentwurf im Bereich der Gemeinde Pommelsbrunn aus. | Foto: DB2020/09/redwebLeitungsentwurf-bersicht-Pommelsb.jpg

POMMELSBRUNN – „Das bisherige Interesse an unseren Online-Infoterminen war groß“, so die DB-Projektleitung, deshalb seien in diesem und im kommenden Monat weitere Veranstaltungen dieser Art geplant. Beim ersten Termin ging es um die Bahnstromversorgung in Pommelsbrunn.

„Damit können wir den Gesprächsbedarf einer größeren Öffentlichkeit auch unter Corona-Bedingungen erfüllen“, so Moderatorin Marion Fink. Konkret wurde an diesem Abend die Trassenführungen (siehe Grafik) im Gemeindegebiet Pommelsbrunn thematisiert. DB-Projektleiter Matthias Trykowski stellte die Ausbaupläne der DB für Nordostbayern vor. Ziele seien die Entlastung des Klimas (CO2-Einsparung), die nachhaltige Verbesserung des Güterverkehrs, ein schnellerer Nahverkehr sowie zusätzliche Chancen für Wirtschaft und Tourismus. Gemeinsam mit Martin Piech, DB-Energie, stellte er sich den rund 50 Fragen.

Mehrmals kam die Frage nach einer möglichen Bündelung, warum also die bestehenden Hochspannungsleitungen und Strommasten nicht genutzt werden können. Das wäre zwar technisch möglich, so Piech, doch würde die Statik der Masten einschließlich Fundamente nicht unbedingt geeignet sein. Und neue gemeinsame Masten mit dem bestehenden Betreiber seien von den Kosten und der Planung her nur schwer umzusetzen; besser also eine parallele Trassenführung. Bei einer Bündelung mit der bestehenden Bahnstrecke bräuchte es zwar kein Raumordnungsverfahren, die Bahnstrecke führe aber durch viele Orte, die Stromleitung würde also näher an bebaute und bewohnte Gebiete rücken. Dies würde eine aufwendige Trassierung bedeuten und an einigen Stellen gar nicht möglich sein (Stichwort Tunnel). So hätten die Planer das Schutzgut „Mensch“ höher bewertet als den Eingriff in die Natur. Auch eine Erdverkabelung komme nicht in Frage bei einer Kostensteigerung von 1:20 gegenüber einer Freileitung.

Reicht der Abstand?

Konkret gefragt wurde, ob in Hubmersberg der Abstand von 200 Metern zur Wohnbebauung eingehalten werde. Da man innerhalb dieses Untersuchungsstreifens noch beweglich sei, würde dies planerisch berücksichtigt, so die Antwort. Da auch die Vorgaben nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz eingehalten werden müssten, könne insgesamt eine gesundheitliche Gefährdung durch die Leitungen ausgeschlossen werden. Für den Hinweis auf brütende Uhus bei Hubmersberg sei er dankbar, so Piech. Bei der vorgeschriebenen Umweltprüfung würden die örtliche Tier- und Pflanzenwelt erfasst und die Fachbehörden und -verbände eingebunden.

Von einer „brutalen Zerstörung“ der Natur könne keine Rede sein, sagte Matthias Trykowski. Man brauche pro Mast etwa zehn Quadratmeter Fläche. Bei einer rund 200 Kilometer langen Leitung entspreche dies rund einem Hektar oder dem Flächenverbrauch einer mittleren Gewerbehalle. Unter der Leitung blieben Biotope verschont, sei Bewuchs möglich, ebenso Ackerbau. Wertvolle Waldbestände könnten komplett überspannt werden, wobei die genaue Festlegung der Trasse in der nächsten Planungsphase erfolge. Von einer Rodung sei ihm konkret nichts bekannt.

In weiteren Fragen ging es um das Thema Bahnstrom. Die DB könne gerade in Bayern durch eigene Wasserkraftwerke selbst Strom erzeugen. Der Ökostromanteil betrage derzeit etwa 60 Prozent. DB-Strom für den Endverbraucher sei kein Geschäftsmodell, Eigenbedarf bestehe bei Bahnhöfen und sonstigen DB-Einrichtungen.

Und wer bezahlt den Ausbau? Der Bund entscheide letztlich über die Ausbaupläne und finanziere sie auch (siehe Bundesverkehrswegeplan), lediglich kleinere Maßnahmen wie die Barrierefreiheit an Bahnhöfen werden durch den Freistaat Bayern abgedeckt.


Derzeit befinde man sich am Ende der Vorplanung bei der Strecke Nürnberg – Schirnding, bei der Verbindung Nürnberg – Amberg hoffe man auf den Planungsauftrag 2021. Für die Versorgung mit Bahnstrom habe man deshalb bereits ein Gesamtkonzept vorgelegt.

Entwurf Ende 2020

Bis 30. September können noch Vorschläge und Hinweise zum Leitungsentwurf eingereicht werden, so die abschließende Einladung von Moderatorin Marion Fink. Alles werde durch die Planer geprüft und Ende des Jahres ein Leitungsentwurf veröffentlicht. 2021 erfolge die Einleitung des Raumordnungsverfahrens.

Der gesamte Infoabend kann unter www.bahnausbau-nordostbayern.de/infotermine („Dialog Online-Infotermine“) nachverfolgt werden.

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