Kindergärten sind für Vorschulkinder wieder geöffnet

Nur langsam kehrt das Leben zurück

Endlich wieder mit Freunden spielen: 26 von 66 Kindern sind inzwischen wieder in den städtischen Kindergarten „Am Hardt“ in Lauf zurückgekehrt und vergnügen sich unter anderem auf der Rutsche im Garten. | Foto: Beck2020/05/Spielende-Kinder-Kindergarten-am-Hardt-Mai-2020-Rutsche-Ballspi.jpg

NÜRNBERGER LAND – Seit dieser Woche dürfen die Vorschulkinder zurück in die Kita, für den 1. Juli hat Ministerpräsident Söder eine komplette Öffnung der Kindergärten und -krippen angekündigt. Wie funktioniert der Kita-Alltag in Ausnahmezeiten? Die PZ hat sich umgehört.

26 Kinder, aufgeteilt auf drei Notgruppen, besuchen aktuell den städtischen Kindergarten „Am Hardt“ in Lauf, normalerweise werden hier 66 Kinder betreut. „Nach vier bis fünf Wochen zu Hause war bei den Eltern die Luft raus“, hat Leiterin Birgit Koch beobachtet, die deshalb oft „Telefonseelsorge“ betreiben musste. „Mir hat es sehr leidgetan, Eltern absagen zu müssen.“

Kontakt

Schon zuvor versuchte der Kindergarten, mit Eltern und Kindern in Kontakt zu bleiben. Das Team drehte und verschickte Videos und bot ein tägliches Online-Kita-Programm mit Fingerspielen, Basteln und Kochrezepten.

Waren es am Anfang nur Kinder von Eltern aus „systemrelevanten Berufen“, die Anspruch auf eine Betreuung in den Notgruppen hatten, so dürfen inzwischen auch Kinder von Alleinerziehenden, Geschwisterkinder und eben seit Montag auch die Vorschüler wieder in die Kita.

„Für die allermeisten war die Rückkehr problemlos. Die Kinder haben sich sehr gefreut“, bilanziert Birgit Koch. Weil sich die Gruppen untereinander nicht mischen dürfen, wurde der Garten „Am Hardt“ in zwei Hälften geteilt, die dritte Gruppe geht öfter in den Wald.

Kinder in den Arm nehmen

Die Eltern dürfen zum Bringen kurz mit in den Kindergarten hinein, allerdings müssen sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Erzieherinnen haben die Maske nur in besonderen Situationen auf, zum Beispiel beim Wickeln. Allerdings, so räumt Birgit Koch ein, stoße das Personal beim Einhalten der Hygienevorgaben schon öfter an Grenzen. „Wenn ein Kind weint, geht man hin und nimmt es auf den Arm. Ohne Schutz.“

Koch und ihre Kolleginnen freuen sich zwar, wenn die Kinder nach und nach zurück in die Einrichtung kommen. Wie der volle Betrieb aber ab 1. Juli laufen soll, wissen sie noch nicht. Ein Arbeiten in Kleingruppen sei dann jedenfalls aus personellen und räumlichen Gründen nicht mehr möglich.

Corona-Tests für Kita-Personal

Die Leiterin ist aber froh, dass Ministerpräsident Söder am Dienstag flächendeckende Corona-Tests für Kita-Personal angekündigt hat. Auch die Stadt Lauf sei als Träger in den letzten Wochen „sehr engagiert“ gewesen.

Dort gibt man das Lob zurück. „Wir müssen dem Personal in unseren Kindertagesstätten ein großes Kompliment machen“, sagt Stefan Müller, Fachbereichsleiter „Kinder, Bildung und Soziales“ im Laufer Rathaus.

50 Prozent der Kinder

Derzeit werden nach seinen Worten täglich durchschnittlich 90 Kinder in den städtischen Einrichtungen betreut, das sind, inklusive der Vorschulkinder, etwa 50 Prozent verglichen mit normalen Zeiten. „Ab Juni erwarten wir aber einen deutlichen Anstieg“, so Müller, der für den Sommer verringerte Schließzeiten ankündigt.

Ganz unterschiedlich ist die Auslastung in den städtischen Kitas in Röthenbach. „Zwischen zehn und 80 Prozent“, sagt Sarah Heumann, die im Rathaus für die Betreuungseinrichtungen zuständig ist. In den Horten sei die Belegung „noch minimal“.

Die Hygienekonzepte variieren von Kita zu Kita, in den städtischen Einrichtungen sind Masken für die Erzieherinnen, genau wie in Lauf, jedoch nur „in besonderen Situationen“ vorgesehen.

Wickeln nur mit Maske

„Wir haben zum Beispiel für das Wickeln FFP2-Masken angeschafft“, berichtet Heumann. Eltern dagegen müssen Mund-Nasen-Schutz tragen, beim Bringen darf immer nur ein Kind samt Elternteil pro Gruppe an die Garderobe, Neuankömmlinge müssen solange draußen warten. „Die Mehrheit möchte ihre Kinder gern wieder bringen“, hat Sarah Heumann in vielen Telefongesprächen erfahren.


Von der Politik allein gelassen, so hat sich Katrin Di Maria, langjährige Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte in Röthenbach, in den letzten Wochen gefühlt. „Wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, dass die Kinder zurückkommen sollen“, betont sie. Doch schleppender Informationsfluss aus den jeweiligen Ministerien und das Übertragen der Verantwortung in punc­to Hygienemaßnahmen an die Träger hätten es den Kitas schwer gemacht. Am Anfang seien weder Desinfektionsmittel noch Mund-Nasen-Schutze verfügbar gewesen. „Die Eltern haben zu Hause Masken für uns genäht“, erzählt Katrin Di Maria.

Denn in der Evangelischen Kindertagesstätte trägt das Personal Masken, die Kinder würden inzwischen gut damit umgehen. Eltern müssen ihre Sprösslinge an der Tür abgeben. „Der Mitarbeiterschutz ist uns extrem wichtig“, bekräftigt die Einrichtungsleiterin.

Angst vor Ansteckung

Das Personal habe verständlicherweise Angst vor Ansteckung. Aktuell besuchen 22 Mädchen und Jungen die Einrichtung in der Bahnhofstraße, im Regelbetrieb sind es 90. Sollten ab 1. Juli tatsächlich wieder fast alle Kinder zurückkehren, sei das mit den Vorgaben im Infektionsschutzgesetz nicht mehr vereinbar. „Kleingruppen mit festen Bezugspersonen sind dann illusorisch“, stellt Katrin Di Maria klar.

Die Ängste der Mitarbeiter ernst nehmen, verunsicherte Eltern beruhigen und dabei vor allem das Wohl der Kinder im Blick haben … Kita-Leitungen müssten zurzeit unheimlich viel stemmen, sagt sie und ist froh über den Rückhalt ihres Trägers, des evangelischen Kindergartenvereins. An der Bahnhofstraße gab es von Anfang an eine Notbetreuung, auf die eigentlich geplanten Schließzeiten in den Pfingst- und den Sommerferien verzichtet man. „Wir tun alles, was wir können, aber ich würde mir von der Politik eine verbindlichere Linie und einen schnelleren Informationsfluss wünschen“, so die Kita-Leiterin.

Im Freien hat man es leichter

Wieder normal geöffnet hat seit dieser Woche der Waldkindergarten „Feuersalamander“ im Schnaittacher Ortsteil Hedersdorf. Bis auf zwei Kinder, die im Urlaub sind, sind alle 14 Mädchen und Jungen wieder an Bord. Weil sich der Alltag meistens draußen abspielt, können Hygienevorgaben hier leichter umgesetzt werden.

An einige Neuerungen müssen sich alle Beteiligten aber dennoch gewöhnen, wie Kindergartenleiterin Ele Wimmer erzählt: Statt des üblichen Waschsands gibt es nun richtige Seife, und die Erzieherinnen setzen einen Mund-Nasen-Schutz auf, wenn sie den Kleinen näherkommen. „Die Freude über den Neustart überwiegt, aber ein gewisses Unbehagen bleibt natürlich“, so Wimmer. Die Kinder dagegen seien „überglücklich“ gewesen, ihre Freunde wiederzusehen, gefremdelt habe niemand.

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