Behörden raten vom Schwimmen ab

Weiter kein Badespaß im Birkensee

Auch in diesem Jahr wird es am Birkensee wieder eine Badewarnung geben. | Foto: Archiv/Buchner-Freiberger2017/04/birkensee-badwarnung-schild-e1491574887443.jpg

RÖTHENBACH — Wer sich schon auf vergnügtes Plantschen im Birkensee freut, dem wird diese Meldung gar nicht schmecken: Das Landratsamt Nürnberger Land rät auch weiterhin vom Schwimmen in dem mit Chemikalien verseuchten Röthenbacher Gewässer ab.

Stefan Bertelmann, der für den Landkreis zuständige Abteilungsleiter des Wasserwirtschafts­amts Nürnbergs, hat im Kreis-Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft eine Zusammenfassung zu den Untersuchungsergebnissen am Birkensee gegeben. Seine Behörde hat die Wasserqualität an mehreren Stellen im und um den See untersucht und dabei unterschiedliche Werte gemessen.

So ließen sich in den tiefen Grundwassermessstellen neben dem Gewässer sowie im Zu- und Abstrom des Birkensees keine per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) nachweisen. In den oberflächennahen Grundwasserschichten aber schon. Allerdings weichen die gemessenen Stoffe von den im Birkenseewasser und -sediment gefundenen stark ab. Deshalb geht das Wasserwirtschaftsamt von unterschiedlichen Ursachen für die PFC-Belastungen aus. Bertelmann spricht von einem „unterschiedlichen Fingerabdruck“ der gefundenen Schadstoffe.

Interessant für die Schwimmer sind allerdings die Werte an der Oberfläche des Sees. Das Staatliche Gesundheitsamt Nürnberger Land führt in den kommenden Wochen – rechtzeitig vor Start der Badesaison – Messungen in 50 bis 100 Zentimetern Tiefe durch, erklärt Rolf List, der Pressesprecher des Landratsamts.

Die Werte der vergangenen Jahre hätten zwar gezeigt, dass die Konzentration der Chemikalien nicht gesundheitsgefährdend sei, so List. Trotzdem habe man vorsorglich Schilder mit einer Badewarnung aufgestellt. „Damit auch derjenige, der bisher nichts von den Schadstoffen mitbekommen hat, selbst entscheiden kann, ob er noch baden möchte oder nicht.“

Die Wasserqualität zu prüfen, ist nur eine der Aufgaben, denen das Laufer Amt zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt derzeit nachgeht. Vor allem versuchen sie, den sogenannten „Störer“ zu finden, also den Verursacher der Wasserverunreinigungen. Dieser wäre dann nicht nur für den Umweltfrevel verantwortlich, er müsste das Gewässer auch sanieren. Das Wasserwirtschaftsamt hält dies für notwendig.

Dabei wird unterschieden zwischen dem sogenannten Handlungsstörer – also dem, der durch Handeln oder Unterlassen einen Schaden verursacht – und dem Zustandsstörer, dem das Areal gehört. Das ist im Fall des Birkensees die Bayerische Staatsforsten. Sie müsste demnach auch die Kosten für eine Sanierung tragen, sofern der eigentliche Verursacher nicht gefunden wird.

Doch bevor der Bescheid zur Sanierung verschickt wird, gilt es noch etliche Erkundungen zu machen und Fragen nachzugehen. Dabei werde man „sorgfältig, rechtlich und fachlich korrekt vorgehen“, sagt Landrat Armin Kroder.

Bürger sind gefragt

Außerdem hoffen die Behörden weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung auf mögliche Verursacher und PFC-haltige Ablagerungen in der Vergangenheit. „Wir überprüfen derzeit vor allem Unterlagen aus den vergangenen 25 Jahren“, erklärt Rolf List. Aus der Zeit davor gebe es nur sehr lückenhafte schriftliche Aufzeichnungen.

In diesem Zusammenhang gab der Altdorfer Kreisrat Eckart Paetzold (Grüne) den Behörden in der Sitzung einen interessanten Hinweis. Er meint sich zu erinnern, dass vor mindestens 15 Jahren ein Nürnberger Unternehmen illegal Galvanik-Abfälle entlang der Autobahnen entsorgt hätte. Landratsamt und Wasser­wirtschaftsamt werden der Sache nachgehen.

N-Land Tina Braun
Tina Braun