Anwohner möchte Grundstück nicht für Haltestelle hergeben

Unterhaidelbach: Bürger durchkreuzt Pläne

Geht es nach den Planern, sollen die Bushaltestellen mehr Platz erhalten und an der Kreuzung eine Ampel für mehr Sicherheit sorgen. Foto: Kappes2014/03/Unterhaidelbach_staatsstrasse_70_Kreuzung.jpg

UNTERHAIDELBACH — Eigentlich standen die Pläne bereits: Gemeinde, Staatliches Straßenbauamt, Polizei und Landratsamt hatten sich zusammengesetzt und erarbeitet, wie die Kreuzung an der Staatsstraße in Unterhaidelbach sicherer werden kann. Doch ein Anwohner möchte Teile seines Areals nicht für das Projekt abtreten. Er sagt, er habe gute Gründe dafür.

„Die Planungen waren ein Schnellschuss. Es wurden nicht alle Möglichkeiten angeschaut“, sagt der Unterhaidelbacher. Ihm gehören drei der Grundstücke, die rund um die Kreuzung liegen. Wie berichtet, sehen die jetzigen Planungen neben anderen Maßnahmen vor, dass die Kreuzung eine Ampel erhält.

Eine Ampel an dieser Stelle braucht Platz. Ebenso die Schulkinder, die morgens und mittags den Bus benutzen. Dafür gibt es gesetzliche Vorschriften, Mindestaufstellflächen nennt sich das. Deshalb sollen die Bushaltestellen vergrößert werden. Für Ulrich Lang, im Staatlichen Bauamt Nürnberg zuständig für den Landkreis, sind die momentanen Pläne die „optimalste Lösung.“ Für ihn ist klar: „Das Ganze stirbt, wenn kein Grunderwerb möglich ist.“ Er hofft, dass Bürgermeister Joachim Lang bei seinen Gesprächen mit dem Anwohner Erfolg hat. Für Ulrich Lang scheint es möglich, „die Pläne zu modifizieren, damit weniger Grund gebraucht wird.“ Denn um Grund, genauer seinen Grund, geht es dem Anwohner schließlich.

Bushaltestelle ein Schwarzbau?

Für die bereits bestehende Bushaltestelle habe seine Familie bereits 200 Quadratmeter Land hergegeben. Unentgeltlich, wie der Anwohner betont. Nachdem er sich selbst an den Boten gewandt hat, möchte er seinen Namen nun doch nicht in der Zeitung lesen. Vor 35 Jahren habe sein Schwiegervater dieses Grundstück zur Verfügung gestellt – unter der Voraussetzung, dass dieser Zustand nicht zur Dauerlösung wird. Doch die Familie fürchtet, dass mit der Erweiterung der Bushaltestelle genau das eintritt.

Eine Rückfrage beim Amt, das für den Grunderwerb zuständig ist, ergibt ein anderes Bild: 68 Quadratmeter hat die Familie an den Staat für die Bushaltestellen verkauft. Diese nahmen jedoch mehr Platz ein, Käufer und Verkäufer gerieten deshalb aneinander. Der Verkauf der Fläche, die über die 68 Quadratmeter hinausgeht, wurde bisher nicht notariell unter Dach und Fach gebracht. Es herrscht Status quo.

Das jetzige Bushaltehäuschen sei außerdem ein Schwarzbau, sagt der Anwohner. Sein Vorwurf: Die Gemeinde hat den Unterstand rechtswidrig auf seinem Grundstück erbaut. Das stimmt nicht, heißt es hingegen auf Seiten der Gemeinde. Dort liegt eine Baugenehmigung aus dem Jahr 1978 für das Bushäuschen vor.

Nun soll die Familie weitere 125 Quadratmeter Privatgrund an die Gemeinde verkaufen. Insgesamt handelt es sich nach den Angaben des Anwohners um rund 325 Quadratmeter. Dem Eigentümer geht es zwar um die Fläche, aber nicht nur. Sondern auch um seinen Hof und die Bäume auf seinem Grundstück. Denn er befürchtet, dass für die Planungen die Baumallee mit etwa 100 Jahre alten Stieleichen gefällt werden muss. Seinen Stall könne er dann auch nicht mehr nutzen, meint der Anwohner. Denn Stroh, Heu und Gerätschaften lagert er dort im ersten Stock. Das meiste muss mit einem Traktor mit Frontlader transportiert werden. Dieser hätte aber keinen Platz mehr zum Rangieren, wenn er Teile seines Grundstücks abtritt. Die Zufahrt zum rückwärtigen Teil des Stalls wäre damit passé. Der Anwohner befürchtet, dass er sein landwirtschaftliches Anwesen dann schließen kann. „Der Hof muss leben.“

Er und seine zwei erwachsenen Kinder haben deshalb Vorschläge, die ihrer Meinung nach für alle Unterhaidelbacher ein Gewinn wären. Sie wollen statt der bisherigen Reduzierung von 100 auf 70 km/h eine weitere Drosselung auf Tempo 50. Damit wäre das Überqueren der Staatsstraße für Fußgänger leichter.

Zudem möchten sie die Bushaltestelle am liebsten an eine andere Stelle verlegen: Richtung Leinburg. Denn Unterhaidelbach hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend zum Westen hin ausgebreitet. Die Ortsmitte liegt längst nicht mehr auf Höhe der Kreuzung. Am Baugebiet „Im Ziegenfeld“ endet die Straße bislang in einer Sackgasse. Der Unterhaidelbacher hält es für eine gute Lösung, die Strecke bis zur Staatsstraße zu erweitern und dort ein Bushäuschen zu errichten. Damit würden die Wege für die Bürger im Durchschnitt kürzer, lautet sein Argument.

Der derzeitige Vorschlag, der auf dem Tisch liegt, sei für Unterhaidelbach eine sehr gute Lösung, findet hingegen Bürgermeister Lang. Mehrere Varianten seien geprüft worden, die bisherigen Planungen hätten am besten abgeschnitten. Bislang gebe es deshalb keinen Plan B. Lang will mit dem staatlichen Bauamt Kontakt aufnehmen, damit eine Lösung gefunden wird, mit der alle Parteien zufrieden sind. Vielleicht könnten die bisherigen Pläne verschlankt werden.

Bedenken gegen Alternativen

Gegen eine Verlegung der Bushaltestelle in Richtung Leinburg fallen dem Bürgermeister spontan zahlreiche Argumente ein: „Dort befinden sich eine Kuppe und eine Kurve.“ Außerdem fehlt an dieser Stelle eine Straßenbeleuchtung und für die Unterhaidelbacher von der anderen Seite der Staatsstraße müsste ein Fußweg zum Haltepunkt gebaut werden – und ein weiterer Überweg, damit sie sicheren Fußes auf die andere Seite der Straße gelangen. Und mehr Sicherheit für Unterhaidelbach, das ist es schließlich, was eigentlich im Mittelpunkt steht.

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