Über endlose Pässe mit fränkischem Erfolg

Gebannt folgte das Laufer Publikum dem Filmbericht des Rückersdorfer Abenteurers Walter Költsch über seine Reise von Lhasa nach Kathmandu. Foto: Scholz2008/01/20080121_koeltschwtibetkulturraum4_big.jpg

LAUF — Tibet fasziniert, erst recht wenn ein Rückersdorfer von seiner Mountainbike-Tour von Lhasa nach Kathmandu berichtet.

Der besondere Reiz der Filmdokumentation, die der heimische Globetrotter Walter Költsch live im bis auf den letzten Platz gefüllten „PZ-KulturRaum“ kommentierte, war die Nähe zum Abenteuer: Seine Gefährten aus Neunkirchen und Pötzling am Moritzberg waren da und auch „Eisenschwein“, das derzeit wohl berühmteste Fahrrad im Nürnberger Land.

Spätestens nach dem ausführlichen Reisebericht ist das 20 Kilo schwere Mountainbike den PZ-Lesern ein Begriff. Immerhin trug es Költsch nach einem letzten Test am Moritzberg mit 30 Kilo bepackt 2000 Kilometer weit über Asphalt, Schotterpisten, durch Schlamm und auf endlose Pässe. Am Ende hatte es 17500 Höhenmeter zurückgelegt.

Genau wie sein Besitzer, der 47-jährige Abenteurer und Rummelsberger Umweltbeauftragte, und dessen Begleiter, Norbert Harthan, der 45-jährige Schichtleiter aus Neunkirchen, sowie Horst Scharrer, der 39-jährige Schreiner aus Pötzling (Gemeinde Leinburg), rollte es dabei aber immerhin direkt an den höchsten Bergen der Erde vorbei: Massiv, kantig und weiß gepudert ragen im Film Everest, Makalu, Lhotse und Cho Oyu vor strahlend blauem Himmel in die Höhe.

Einige Besucher reizte es in der Pause, das vor der Leinwand stehende Originalrad sich genauer anzusehen oder kurz zu berühren, während sein Besitzer und dessen Gefährten bereitwillig Fragen zu dem sechswöchigen Trip beantworteten.

Zuerst ging es zum riesigen Nam-Tso-See im Norden Lhasas und dann über gewaltige Pässe wie den Kampa La (4990 m) und den Pang La (5150 m) zum Everest-Basislager auf 5200 Metern, ehe sie Kathmandu auf 500 Meter Meereshöhe über die längste Abfahrt der Welt erreichten.

Költsch zeigt das karge, sandige Land, wettergegerbte Gesichter, aber auch simsende Mönche und moderne Chinesinnen vor Lhasas Glaspalästen, dann wieder Bauern und Hirten in ärmlichen Nestern. Und er zeigt die Strapazen in der endlosen kargen Sandwüsten vor dem imposanten Gebirgskamm, das am Morgen bei minus 19 Grad mit dicken Eiskristallen überzogene Mountainbike, den tosenden Gegenwind, der sie am Nachmittag fast aus dem Sattel bläst.

„Sie sollen sich nicht einfach zurücklehnen, Sie sollen auch mit mir leiden“, hatte der Abenteurer eingangs angekündigt. Das gelingt, nicht nur wegen des immer wieder unüberhörbaren schweren Schnaufens der Radler im Film.

Das Publikum war dabei: Im Schneegestöber flüchten sich die drei Mountainbiker in eine „gemütliche Halbhöhle“, wie Költsch die Bilder kommentiert. „Gemütlich?“, entfährt es einem Zuschauer mit Blick auf den kargen Felsspalt. „Doch, doch!“, antwortet der Rückersdorfer — angesichts der sonstigen Umstände auf dem Dach der Welt.

Das Trio will es schaffen, mit eigenen Füßen. Ein Abbruch wäre enttäuschend. Deshalb machen sie vor allem Strecke. Im Mittelpunkt immer wieder die meist miserable Piste und das Ziel Kathmandu. Sechs Wochen haben die drei Zeit, ein Puffer ist nicht vorgesehen.

Neben dem Ehrgeiz trägt die Abenteurer auch ganz offensichtlich ihr fränkischer Humor, sei es ein knappes „Ich wüll ham“ am steilsten Pass in Richtung Kamera oder die gar zu genaue Beobachtung, dass ein sich niederwerfender Pilger „immer a weng bschissn hat“.

Eine sehenswerte Dokumentation, die dem einen oder anderen den Traum von der Trekking-Tour in Tibet aber ausgetrieben haben dürfte. Die Vorstellung am 27. Januar ist bereits ausverkauft; Karten gibt es noch für den 3. Februar um 18 Uhr, Telefon 09123/175135.

Michael Scholz

N-Land Pegnitz-Zeitung
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