Wolfgang Riedelbauchs „Musica Franconia“

Er gibt längst nicht auf

Wolfgang Riedelbauch, der Gründer des Dehnberger Hof Theaters, voll in seinem Element. Mit „Musica Franconia“ muss er sich in diesem Jahr gegen den „Fränkischen Sommer“ behaupten, den er nicht mehr leitet. Foto: PZ-Archiv2013/06/the_tempest_oper_im_dht_riedelbauch_01.jpg

DEHNBERG — Seit 1987 nimmt er sein Publikum jedes Jahr mit auf eine Entdeckungsreise durch das musikalische Erbe Frankens: Wolfgang Riedelbauch, der Gründer des Dehnberger Hof Theaters. 2013 muss sich sein Festival „Musica Franconia“ (12. bis 28. Juli), das sich vor allem der Originaltreue verschrieben hat, wieder alleine behaupten. Der „Fränkische Sommer“, der seit 1999 ebenfalls von Riedelbauch organisiert wurde, hat einen neuen Intendanten. Der 74-Jährige aus Dehnberg hat die Herausforderung angenommen.

Nein, aus Altersgründen hat er bestimmt nicht aufgehört beim „Fränkischen Sommer“. Das wird mitunter kolportiert. Richtig ist: Wolfgang Riedelbauch hegt mit seinen 74 Jahren noch viele Pläne. Und aufhören musste er, weil der Bezirk Mittelfranken seinen Vertrag nicht verlängern wollte. Mit Ansbach hatte der Intendant jahrelang einen Kleinkrieg geführt. Ums Geld ging es dabei, um die Frage, wer bei Entscheidungen das letzte Wort hat, und um Riedelbauchs Wunsch, das Festival auf ganz Franken auszudehnen. Das sei dem Bezirkstagspräsidenten nicht recht gewesen, dieser habe Ruhm und Ehre nicht teilen wollen, berichtet der Gründer des Dehnberger Hof Theaters (DHT).

In der Version des Bezirks, der zuletzt über 200 000 Euro für den „Fränkischen Sommer“ gab, hört sich die Sache ganz anders an: „Neue und breitere Publikumsschichten“ wolle man erschließen, ja gar „eine sichtbare Verjüngung des Publikums“ erreichen, daher setze man auf eine veränderte Ausrichtung der Reihe. Der bisherige Intendant wurde mit „Dank und Anerkennung“ verabschiedet, sein Nachfolger ist der Erlanger Musikwissenschaftler und Dirigent Julian Christoph Tölle.

Der verknüpft nun die Musik mit der Bildenden Kunst. Im Mittelpunkt steht 2013 der Maler Richard Lindner, dessen Werke unter anderem im Neuen Museum in Nürnberg hängen, außerdem sind viele Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert zu hören. Vom 13. Juni bis zum 10. August dauert der „Fränkische Sommer“ diesmal, Spielorte im Verbreitungsgebiet sind Lauf und Röthenbach

Es geht um den „Originalklang“

Riedelbauch indes fühlt sich nicht nur ausgebootet, sondern auch als altmodisch abgestempelt. Seine Spezialität sind Komponisten wie Johann Pachelbel oder Christoph Willibald Gluck, also nicht gerade Zeitgenossen. Ihm ging und geht es stets um den „Originalklang“, also um die historische Aufführungspraxis. Wie hat sich die Matthäuspassion angehört, als sie 1727 in der Leipziger Thomaskirche zum ersten Mal ertönte? Solche Fragen beschäftigen den Wissenschaftler, der der 74-Jährige auch ist. Einer seiner wichtigsten Verdienste: Er hat eine Gesamtausgabe der Vokalwerke von Johann Pachelbel initiiert. Beim „Fränkischen Sommer“ verband er die Musik immer mit den exakt passenden Aufführungsorten, mit Barockkirchen und Renaissancebauten.

Geschlagen gibt sich Riedelbauch nicht. Auch junge Leute sind am musikalischen Erbe interessiert, das ist seine feste Überzeugung. Gerade in Franken gebe es da genug zu entdecken: Komponisten von europäischer Geltung, häufig beim breiten Publikum in Vergessenheit geraten.

Zuletzt seien beim „Fränkischen Sommer“ über 90 Prozent der Tickets verkauft worden. „Wir waren auf der Höhe unseres Erfolgs“ sagt der 74-Jährige, „dann hat man uns abgewürgt“. Seine Begeisterung für die Sache lässt ihn weitermachen. „Musica Franconia“ ist zum ersten Mal seit 1999 kein Teil des „Fränkischen Sommers“ mehr, mit dem sie damals vereinigt wurde, sondern erneut eine eigenständige Reihe. So wie vor 26 Jahren von Riedelbauch gegründet, steht sie im Zeichen der Alten Musik.

Spielorte Dehnberg und Bühl

„Musica Franconia“ findet vom 12. bis zum 28. Juli statt, vor allem an Nürnberger Spielorten wie der Sebalduskirche oder dem Fembohaus, aber auch in Dehnberg und Bühl. Zu Gast sind unter anderem die renommierten „The King‘s Singers“, ein sechsköpfiges A-cappella-Ensemble aus dem englischen Cambridge, und die Sopranistin Marlis Petersen, zwei Mal von der Zeitschrift „Opernwelt“ zur Sängerin des Jahres gekürt. Sie tritt sonst in Berlin oder New York auf.

Wiederentdecken kann das Publikum ein Werk eines fränkischen Komponisten: „Antidota“ von Caspar Othmayr. Der Amberger hat im 16. Jahrhundert eine Vorlage des Kirchenvaters Johannes Damascenus vertont, in der es um den Kampf gegen Laster geht. Mehrere Abende sind zudem dem Dichter Jean Paul gewidmet. „Er war sehr musikalisch“, sagt Riedelbauch. Zudem habe Paul mehrere Komponisten inspiriert, angefangen bei Robert Schumann.

Zehn Konzerte organisieren Riedelbauch und eine Mitarbeiterin, auch wenn das ohne die finanzielle Unterstützung des Bezirks nicht leicht ist. Immerhin: Die Stadt Nürnberg gibt 10 000 Euro, eine Reihe von Sponsoren hält dem DHT-Gründer die Treue. Und wahrscheinlich auch das Publikum, geht man von den zahlreichen Briefen aus, die der 74-Jährige nach eigenen Angaben nach dem Aus beim „Fränkischen Sommer“ erhalten hat. „So oder so: Wir machen es einfach“, sagt er – „mit schmalerem Budget, aber mit wunderbaren Ideen“, wie es auf der Festival-Homepage (www.musica-franconia.de) heißt.

Konzerte von „Musica Franconia“ im PZ-Gebiet: „Musik der Musik – Jean Paul und das Biedermeier in Franken“, Sonntag, 21. Juli, 11 Uhr im Dehnberger Hof Theater; „Kostbarkeiten der Vokalmusik“, Samstag, 27. Juli, 20 Uhr in Mariä Heimsuchung in Bühl. Tickets unter Telefon 09123/95449-0.

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