Kontroverse in Altensittenbach

Wenn Bauwunsch auf Baumschutz trifft

Um Wohnraum zu schaffen, muss dieser Walnussbaum wohl weichen. | Foto: K. Bub2020/09/redweb20200825-123050.jpg

ALTENSITTENBACH – Es braucht Wohnraum für junge Familien in der Stadt. Das steht außer Frage. Und es braucht Bäume, nicht nur des Klimas wegen. Auch das steht außer Frage. Schwierig wird es allerdings, wenn Bauwunsch auf Baumschutz trifft.

Lore Wagners Herz hängt an dem riesigen Walnussbaum im Laubenweg in Altensittenbach. Mindestens 90 Jahre dürfte er alt sein, schätzt sie. Gepflanzt hat ihn einst ihr Großvater Konrad Wagner. Jedes Jahr trage der Baum „unendlich viele köstlich schmeckende Nüsse mit einer besonders dünnen Schale, die leicht zu knacken ist“, schwärmt sie.

In die Millionen

Der mächtige Walnussbaum hat für sie auch einen großen ökologischen Wert. Den mag sie gut und gerne auf 1,5 Millionen Euro beziffern. Die hohe Summe begründet sie mit einer Studie der Uni Freiburg aus den 60er Jahren, die damals eine 100-jährige Buche auf 1,2 Millionen DM geschätzt habe.

Das Stadtbauamt beziffert den Wert des Walnussbaums, dessen Stamm einen Umfang von etwa 2,75 Meter hat, indes auf etwa 3000 Euro. Walnussbäume sind laut Baumschutzverordnung der Stadt Hersbruck geschützt. Besteht allerdings aufgrund eines festgesetzten Baufensters ein Anspruch auf Bebauung, ist – gegen eine Ausgleichszahlung oder -pflanzung – eine Befreiung von dieser Verordnung möglich. Die hat der Bauausschuss in diesem Fall auch erteilt. Jedoch äußerten die Stadträte unisono den Wunsch an Antragstellerin Claudia Traut, den Walnussbaum nach Möglichkeit nicht zu fällen.

Auch die würde den Baum nur allzu gerne stehen lassen, wenn er denn nicht mitten im Baufenster stünde. Auf dem Grundstück möchte sie ein Doppelhaus sowie zwei Einfamilienhäuser errichten und den derzeit so dringend benötigten Wohnraum für junge Familien schaffen.

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Lob von den Grünen

Das geplante Doppelhaus einfach weiter nach hinten zu versetzen, um den Walnussbaum stehen zu lassen, sei schon allein aufgrund der geforderten Abstandsregelungen zur Grundstücksgrenze nicht möglich. „Ich habe mir die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht“, erklärt Traut im Gespräch mit der HZ und nennt noch ein weiteres Argument, das für die Bebauung des Grundstücks im Laubenweg spreche: die Nachverdichtung statt eines Neubaus auf der grünen Wiese. Das lobten sogar die Stadträte von Bündnis 90/Die Grünen.

Sie empfahlen Traut im Gespräch, doch noch einen Baumgutachter zu Rate zu ziehen. Der könne prüfen, ob der Walnussbaum nicht so zurechtgestutzt werden könne, dass er das Doppelhaus nicht tangiert. Das aber dürfte ein schwieriges Unterfangen werden, denn der Abstand zwischen geplantem Doppelhaus und Baumstamm beträgt gerade einmal zwei Meter.

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