„Markt der langen G’sichter“ in Hersbruck

Auktion war schöne Bescherung

HERSBRUCK – „Wer wollte schon immer seinen Liebsten in einer roten Unterhose mit Schleifchen sehen?“ Nach diesen anpreisenden Worten von Stargast Andrea Lipka entbrannte an der Hersbrucker Weihnachtsmarktbühne gleich ein kleines Bietergefecht um das reizende Wäscheteil. 75 wunderbare Geschenke, die am Heiligen Abend den falschen Besitzer gefunden hatten, sind beim „Markt der langen G’sichter“ versteigert worden. Sie brachten rund 1000 Euro für einen guten Zweck. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz. Hier geht es zur Bildergalerie.

Hunderte Schaulustige waren der Einladung in Kratzers Biergarten gefolgt, um die schon zum fünften Mal von der Hersbrucker Zeitung organisierte Veranstaltung zu genießen. „Markt der langen G’sichter“-Urgestein Götz Reichel erhielt auf der Bühne diesmal Kabarettistin Andrea Lipka als Co-Moderatorin zur Seite. Das Duo wählte für den Beginn der Auktion einen Blickfang: einen etwa 50 Zentimeter großen, pinkfarbenen Flamingo.

Gewieft erhöhte Götz Reichel den Einsatz noch um ein Selfie mit der Künstlerin, und schon lief es: Der bunte Vogel ging für 17 Euro weg. Als nächstes kam ein Messerset unter den Hammer. „Sind genau – viele!“ verkündete die Kabarettistin grob überschlagen nach dem Durchzählen. Nach kleckerlesweise Erhöhungen schlug Reichel bei 20 Euro vergeblich vor: „Jetzt machen wir in Zehnerschritten weiter.“
Schon am Anfang hatte Andrea Lipka eine künstlerische Kostprobe gegeben. Sie drohte ihrem Ehemann als Rache für den Duftwasser-Gutschein zu Weihnachten einen Gänsebratengutschein für das nächste Fest an. Nach dem Motto: Davon könne er ja abbeißen.

Die von Redakteurin Katja Bub betreuten Kinderreporterinnen der Hersbrucker Zeitung (HZ-Kids) durften die Kabarettistin vor der großen Zuschauerkulisse interviewen. Zum Beispiel wollten die Mädchen wissen, was das Simmelsdorfer Multitalent mit dem Hang zur Politik auf einem amtlichen Formular als Beruf angibt. „Kabarettistin und Theaterleiterin“, antwortetet die gelernte Diplom-Verwaltungswirtin. Der von den Kids gewünschte Witz war nicht ganz jugendfrei und im Übrigen ganz schön lang.

Wie üblich geht der Reingewinn vom „Markt der langen G’sichter“ auch in diesem Jahr an einen guten Zweck. HZ-Verlegerin Ursula Pfeiffer stockte die Gesamtsumme noch einmal um 1000 Euro auf, nachdem sie vorher bereits kräftig mitgesteigert hatte. Caritas und Diakonie bekommen jeweils die Hälfte, um damit versteckte Armut in der Hersbrucker Schweiz mildern zu können.

Angela Henke von der Caritas beschrieb ein konkretes Beispiel für diese Notlage. Ein Hersbrucker Kind durfte zu seinem Geburtstag keine Freunde einladen. Es hieß: „Denn sonst wirst du von denen auch eingeladen, wir können uns aber keine Geschenke leisten“, erklärte die Mutter den Grund.

Einige Auktionsteilnehmer trieben während der Versteigerung ebenfalls die Preise hoch — für den guten Zweck. So legte Wirt Gerhard Kratzer noch einmal zehn Euro auf sein eigenes Höchstgebot drauf. Die beiden Moderatoren schafften es dank launiger Sprüche, auch die unmöglichsten Präsente an den Mann oder die Frau zu bringen. Andrea Lipka zog einen Rentier-geschmückten Weihnachtspulli an und brachte dank Model-Pose auch ein XXL-Nachthemd los.

Zehn Gartenzwerge plus zwei Fliegenpilze, ein Christbaumständer mit Nikolaus, ein Boyfriend-Kuschelkissen, eine braune Filztasche, ein Epilierer samt Rasiereraufsatz, Glasschalen, LED-Sternendeko, Rihanna-Parfüm – bei so gut wie allen Stücken hieß es letztlich „…und zum Dritten – verkauft“. Stadtrat Hans Schaffer ersteigerte sogar für den guten Zweck seine „Beute“ der Vorjahre noch einmal: zwei Thermoskannen im Paket.

Die Versteigerung dauerte fast zweieinhalb Stunden. HZ-Redaktionsleiter Michael Scholz hatte zu Beginn einen Live-Auftritt von Andrea Lipka als Bonbon zum Abschluss angekündigt. Die Chefin der „Glückserei“ in Lauf philosophierte über ihr Fitnessprogramm: Fünf Stunden Shoppen geht, aber nach 20 Minuten Nordic Walking hat sie Seitenstechen. „Je mehr ihr euer Umfeld mästet, desto schlanker wirkt ihr“, lautete ihr raffiniertes Fazit.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert