Kriminalstatistik: Verändertes Anzeigeverhalten und gesteigerte Internet-Kriminalität

Straftaten passen sich der Gesellschaft an

Ohne große Ausreißer nach oben oder unten bewegen sich die Delikte (rote Linie) im Dienstbezirk der Hersbrucker Polizei in den vergangenen Jahren in einem ähnlichen, insgesamt niedrigen Bereich. Die Aufklärungsquote (blaue Linie) liegt darunter. Grafik: PI Hersbruck2016/04/7123670.jpg

HERSBRUCK – Das Gebiet der Hersbrucker Polizeiinspektion, eine „Insel der Glückseligen“, wie die beiden Chefs der Inspektion, Johann Meixner und Klaus Bald, zufrieden feststellen, wenn sie über die Kriminalstatistik des vergangenen Jahres sprechen. Nur 1244 Straftaten hatten die Beamten 2015 zu verzeichnen, das sind 147 weniger als im Vorjahr. Überhaupt bleibt die Zahl in den vergangenen fünf Jahren relativ konstant. „Kein Bürger braucht hier also Angst haben“, findet Bald.

Schon gleich gar nicht, weil immer mehr Asylbewerber hier leben. „Die Situation ist völlig unproblematisch“, stellt Bald klar, „es schlägt sich in der Statistik nichts nieder“. Wohl auch aufgrund dessen kann die Polizei Hersbruck mit einer Häufigkeitszahl von 3346 (Zahl der bekannt gewordenen Fälle, errechnet auf 100.000 Einwohner) den niedrigsten Wert der vier Inspektionen im Landkreis vorweisen. Damit liegt der hiesige Dienstbezirk weiter unter dem mittelfränkischen (5507) und bayerischen Schnitt (6350) und unter der Zahl der Stadt Nürnberg (über 9000).

Letzteres hängt vor allem damit zusammen, wie Bald erklärt, dass dörfliche und städtische Strukturen anders funktionieren: „Am Land wird die Polizei weit weniger gebraucht. 70 Prozent unserer Tätigkeit passiert in der Stadt.“ Im Dorf wird vieles selbst geregelt. So ist Kirchensittenbach zum Beispiel eines der Schlusslichter bei der bayerischen Kriminalbelastung. Spitzen nach oben gibt es hier meist nur bei Nachbarschaftsstreitigkeiten, schmunzeln Bald und Meixner.

Wirklich aggressiv und gefährlich werden aber die seltensten Fälle. Zwar gingen die Körperverletzungen um 14 auf 195 Vorfälle nach oben, doch waren nur 25 schwere Delikte darunter, die alle aufgeklärt wurden. Alles in allem „keine gravierenden Fälle“, bilanziert Bald.

Interessant ist, dass diese sich, ebenso wie die beiden Sexualstraftaten, vor allem im häuslichen Bereich abspielen, es sich also in erster Linie um Beziehungstaten handelt. Was die Fallzahl in diesem Bereich nach oben treibt, sind die einfachen Körperverletzungen, die um 7,7 Prozent zunahmen.

Ein Grund dafür sind mehrere Schlägereien im Hersbrucker Kneipenviertel, begangen in der Mehrzahl von betrunkenen Männern. Fast alle Delikte klärten aber die Beamten, die manchmal an einem Samstag unter 50 Gäste kurz vor Mitternacht in den Gaststätten vorfinden. „Dank der Sperrzeit ist es hinten raus ruhiger geworden“, erzählt Meixner, der zudem die gute Zusammenarbeit mit Wirten und Festveranstaltern lobt.

Außerdem hat sich das Anzeigeverhalten der Bevölkerung geändert: So werden beispielsweise öfter Handgreiflichkeiten unter Bewohnern in Pflegeheimen, Schulhofrangeleien oder gemopste Lutscher angezeigt. „Das sind aber alles Straftaten am untersten Rand“, betont Bald.

Dennoch hat die Kinder- und Jugendkriminalität, die laut Bald „jung und männlich“ ist, insgesamt einen leichten Rückgang zu verzeichnen. Jedoch ist die Zahl an tatverdächtigen Kindern von zehn auf 26 geschnellt, während bei den Heranwachsenden zwischen 18 und 21 Jahren ein Rückgang zu verzeichnen ist. Der Schwerpunkt der Straftaten in allen Altersgruppen liegt bei Sachbeschädigungen und Diebstahl.

Die Langfinger haben sich in der Hersbrucker Schweiz etwas rarer gemacht und 2015 54 Mal seltener zugeschlagen als noch 2014. Maßgeblich sind die von 62 auf 32 gesunkenen Fahrraddiebstähle. Vielleicht weil die Drahtesel besser gesichert sind oder wo anders abgestellt werden, mutmaßen die Polizisten. Diese Diebe erwischt man in der Regel nicht, so Meixner, entweder weil es Gelegenheitstäter am Bahnhof sind oder echte Profis.

Etwas einfacher haben es die Ermittler beim Ladendiebstahl, der erheblich von 49 auf 70 Fälle angestiegen ist und sich auf Hersbruck und das Hohenstädter PEZ konzentriert. Mehr Ladendetektive, ein sensibilisiertes Verkaufspersonal und einige „bekannte Täter“ treiben nicht nur die Rate in die Höhe, sondern erleichtern auch die Aufklärungsarbeit der Beamten, die 2015 fast 70 Prozent aller Kriminalfälle klären konnten (+2,8 Prozent).


Viele bekannte Gesichter sehen die Polizisten auch beim Schwarzfahren, verrät Bald. Vielleicht haben auch deshalb weniger Personen versucht, sich diese Leistung zu erschleichen. Ebenfalls seit Jahren im Sinkflug sind die Sachbeschädigungen. Waren es 2011 noch 219 Fälle, mussten die Beamten vergangenes Jahr nur 147 notieren. Und dank aufmerksamer Zeugen ließen sich mehr Täter bei den Beschädigungen an Autos ermitteln, als noch im Vorjahr (17,8 Prozent).

Grenzenloses Internet

Erfreuliches verkündeten Bald und Meixner auch in Sachen Drogen: „Die Zahl ist seit rund fünf Jahren konstant und es handelt sich vor allem um weiche Drogen.“ Was Crystal Meth betrifft, „haben wir keine Erkenntnisse über einen sprunghaften Anstieg“, zumal sich die Rauschgiftdelikte insgesamt um 10,5 Prozent auf 51 reduziert haben.

Interessant ist es, die Straftaten in gesellschaftlicher Hinsicht zu betrachten: So wie sich diese verändert, wandeln sich auch die Fälle. Bestes Beispiel: die Internet-Kriminalität. Zwar geht der Betrug zurück, aber Fakeshops, Trojaner oder Gewinnversprechen sind auf dem Vormarsch – egal ob in Stadt oder auf dem Land, führt Bald aus. „Wir haben fast jeden Tag einen Betroffenen da“, erzählt Meixner. Aber tun können die Polizisten meist nichts. „Auch wenn die Erwartungshaltung der Bürger sehr hoch ist. Oft ist nicht nachvollziehbar, woher die Täter kommen“, weiß Bald. Das Netz kennt keine festen Orte und Staatsgrenzen, das deutsche Recht dagegen schon.

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