Positive Kriminalstatistik der Laufer Polizei für das Jahr 2019

Eine der sichersten Gegenden im Freistaat

Nachdem ein 53-jähriger Röthenbacher Anfang Februar 2019 mit einem Messer auf seinen 55-jährigen Kontrahenten eingestochen und ihn lebensgefährlich verletzt hatte, suchten Polizisten zwischen Röthenbach und Lauf nach der Waffe. Der Mann hatte das Messer aus dem Autofenster geworfen. | Foto: PZ-Archiv/Beck2020/05/Messerstecher-Rothenbach-Suche-nach-dem-Messer-vor-Lauf-abe.jpg

NÜRNBERGER LAND – Die tatsächliche Sicherheitslage und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung gehen nicht Hand in Hand. Obwohl die Zahl der Straftaten im Einsatzgebiet der Laufer Polizei 2019 nur um 66 Delikte im Vergleich zum Vorjahr angestiegen ist und die Kriminalität im Nürnberger Land, in Mittelfranken und in Bayern insgesamt zurückging, hat sich das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung verschlechtert.

Jedenfalls wenn man nach dem „Heimat­index“ geht, der halbjährlich vom Bayerischen Genossenschaftsverband in Auftrag gegeben wird. Bei einer Befragung von über 1000 Personen durch das Meinungsforschungsinstitut GMS bewerteten diese ihr Sicherheitsgefühl im Herbst 2019 durchschnittlich mit 51 von 100 möglichen Punkten. Sechs Monate zuvor waren es noch 53, im Frühjahr 2018 noch 60 Punkte gewesen. Die Frage nach den Ursachen beantwortet die Umfrage nicht.

Für die einzelnen Landkreise existieren keine vergleichbaren Umfragen, doch auch hier unterscheidet die Polizei zwischen Sicherheitsgefühl und Sicherheitslage. „Wahrnehmbare Kriminalität, wie Gewalt in der Öffentlichkeit, sexuelle Gewalt oder Wohnungseinbrüche haben die stärkste Wirkung auf das allgemeine Sicherheitsgefühl“, sagt Patrick Pickel, Dienststellenleiter der Polizei Lauf. Die Verletzung der Privatsphäre, wie etwa durch Einbrecher, kann langfristige traumatische Auswirkungen auf die Opfer haben.

Aufklärung schafft Sicherheit

Nach dem Mord an einem 27-jährigen Laufer Mitte Juni 2019, dessen Leiche ein Pilzsammler nahe Schönberg fand, kam zunächst die Sorge in der Bevölkerung auf, ein Serienmörder könnte im Reichswald unterwegs sein. Der schnelle Ermittlungserfolg, der Kriminalpolizei, die nach drei Tagen den Täter festnahm, dürfte allerdings das Vertrauen in die Polizei gestärkt haben. „Die Aufklärungsquote bei Gewalttaten hat großen Einfluss auf das Sicherheitsempfinden der Menschen“, sagt Pickel.

Dass die Aufklärungsquote im Falle von Auto- und Fahrraddiebstählen, Ladendiebstahl, Sachbeschädigung und Cyber-Kriminalität mau ausfällt, lässt die Menschen, mit Ausnahme der Betroffenen, dagegen eher kalt.

Selbst sorgfältig organisierte Betrugs- oder Diebstahlsdelikte, die an die Öffentlichkeit gelangen, stören nur selten das Sicherheitsgefühl der Menschen. Dass die Laufer Polizei im Oktober 2019 einen 32-jährigen Schwaiger beim schweren Warenbetrug erwischte, war gut für die Betroffenen, aber beschäftigte die Öffentlichkeit nur kurz.

Der Schwaiger hatte mit fremden Kontaktdaten Mobiltelefone und Parfüm im Internet zum Weiterverkauf bestellt und zur Abholung einen italienischen Ausweis vorgelegt. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand die Polizei Postsendungen von über 100 verschiedenen Personen, die der 32-Jährige aus Briefkästen gestohlen hatte, um an die Kontodaten der Adressaten zu gelangen.

Gewalt in der Öffentlichkeit

Anders in Sachen öffentliche Aufmerksamkeit verhält es sich dagegen bei Körperverletzungen, politisch motivierter Kriminalität und sexuellen Übergriffen. Ein Großteil der Körperverletzungen entwickelt sich im privaten Raum aus Streitigkeiten zwischen Bekannten und Partnern. Vor allem die gewalttätigen Auseinandersetzungen, die in der Öffentlichkeit stattfinden lösen Unsicherheit aus.

Als Anfang Februar zwei Männer in der Rückersdorfer Straße in Röthenbach im Streit aufeinander los gingen, zückte der 53-Jährige ein Messer und stach auf seinen 55-jährigen Kontrahenten ein. Dieser erlitt lebensgefährliche Verletzungen an Lunge und Milz. Der Täter stellte sich selbst der Polizei. Das Video eines Röthenbachers, der den Kampf filmte, zeigte, dass der Täter wohl aus Notwehr gehandelt hatte.

Der Kampf auf offener Straße und die Ermittlungen der Polizei, die vor Ort großflächig nach der Tatwaffe suchte, sorgte für großen Informationsbedarf der Bevölkerung und die Verbreitung besorgter Gerüchte.

Polizeipräsenz kann verunsichern

„Leider ist die Anzahl der angezeigten schweren Körperverletzungen im Dienstbereich Lauf 2019 gestiegen, von 45 auf 76 Fälle im Vergleich zu 2018“, sagt Pickel. „Schwer“ ist die Körperverletzung unter anderem beim Gebrauch von Waffen und der Attacke mehrerer Personen auf ein Opfer. Auch die Anzahl der gemeldeten leichten Körperverletzungen (210) hat im Laufer Gebiet im Vergleich zum Vorjahr zugenommen (186). 

Laut Pickel will die Laufer Polizei potentielle Täter in diesem Jahr durch mehr Präsenz abschrecken. Stärkere Polizeipräsenz ist in Sachen Sicherheitsgefühl allerdings ein zweischneidiges Schwert. „Wenn mehr Polizisten unterwegs sind, kann das bei den Bürgern Sorgen auslösen“, sagt Pickel, denn für die gewachsene Präsenz muss es ja einen Grund geben. „Da die Bürger in unserem Dienstgebiet der Polizei großes Vertrauen entgegenbringen, gehen wir aber davon aus, dass eine erhöhte Streifentätigkeit das Sicherheitsempfinden der Menschen stärkt“, so Pickel

Erfreuliche Entwicklungen in Lauf und Umgebung im Jahr 2019 sind laut Pickel die sinkenden Zahlen in den Bereichen Wohnungseinbruchdiebstahl und Autodiebstahl.

Auch die Anzahl politisch motivierter Verbrechen seien im Dienstbereich vergleichsweise gering. Vereinzelt wurden Hauswände und Autos mit Hakenkreuzen besprüht, im Mai 2019 ritzte ein bisher unbekannter Täter Hakenkreuze und SS-Runen in neun Autos im Laufer Musikerviertel. Im März 2020 verhaftetet die Kriminalpolizei Schwabach eine 55-jährige Diepersdorferin aus der rechtsextremen Szene, die seit Dezember 2019 Drohbriefe an Lokalpolitiker und die Türkisch-Islamische Gemeinde Röthenbach geschickt hatte.

Eine der sichersten Gegenden Bayerns

Um die Kriminalität überregional vergleichen zu können, wird die sogenannte Häufigkeitszahl berechnet. Die 1945 Straftaten, die 2019 in dem von 70.836 Menschen bewohnten Einsatzbereich der Polizei Lauf gemeldet wurden, werden auf 100.000 Einwohner hochgerechnet und damit ergibt sich eine Häufigkeitszahl von 2745. Diese ist deutlich niedriger als die Häufigkeitszahlen des Nürnberger Lands (3022), Mittelfrankens (4570) und Bayerns (4343).

Die Städte Lauf (3326) und Röthenbach (3294) sind die kleinen Brennpunkte im Einsatzbereich der Polizei Lauf. Ihre Häufigkeitszahlen übersteigen die des Nürnberger Lands, liegen aber weit unter dem mittelfränkischen Durchschnitt. Die Polizei Lauf bezeichnet ihr Einsatzgebiet in Anbetracht der Häufigkeitszahl als eine der sichersten Gegenden Bayerns.

Warum sinkt das Sicherheitsempfinden?

In Bayern nahm die Zahl der gemeldeten Straftaten pro 100.000 Einwohner sogar deutlich ab, um minus fünf Prozent im Vergleich zu 2018. Doch warum verbessert sich dann auch nicht das Sicherheitsempfinden der bayerischen Bevölkerung? Wohl weil das Empfinden der Menschen wenig mit der allgemeinen Entwicklung bei Betrugsfällen zu tun hat, sondern sich an politischen Ereignissen und dramatischen Nachrichten orientiert.

Unter anderem durch den schnellen Weg über die digitalen Medien haben Videos von Terroranschlägen und Amokläufen in Berlin und Paris Einfluss auf das Sicherheitsgefühl in Lauf, Schnaittach und Neunkirchen.

Die positive Bilanz der Polizei Lauf für das Jahr 2019 macht jedoch deutlich, dass sich die Bewohner der Städten und Gemeinden von Schwaig bis Simmelsdorf keine großen Sorgen um ihre Sicherheit machen müssen.

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