Analoge und digitale Angebote der Kirchen

Ostern in bunter Vielfalt

Vergangenes Jahr stand die Osterkerze in einer leeren Reichenschwander Kirche. Das wird dieses Jahr in einigen Gotteshäusern anders sein. | Foto: A. Pitsch2021/03/IMG-7722-scaled.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – „Eigentlich kann Kirche gerade nur vom Pferd fallen“, beschreibt Dekan Tobias Schäfer das Dilemma. Das Gleiche wie vergangenes Jahr und vor Weihnachten. „Das hätte jetzt keiner mehr gebraucht.“

Denn mit dem verlängerten Lockdown seien die Kirchen mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt worden: „Der Bund hat die Bitte formuliert, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Punkt. Denn das ging ja vergangenes Jahr schon mal so.“ Diesmal wollen die beiden großen Glaubensgemeinschaften diesen Weg aber nicht so einfach mitgehen. Aus verschiedenen Gründen.

„Es hat keine Gespräche der Politik mit den Kirchen im Vorfeld gegeben“, erzählt Schäfer. Evangelische wie Katholische seien daher „not amused“ über den Umgang mit ihnen als Partner gewesen. Auch fehlt den Verantwortlichen die Begründung für den Wunsch nach digitalen Osterfeiern, so Schäfer. Und selbst wenn man sich im Jahresverlauf mittlerweile an diverse Online-Angebote herangetastet habe, etwas richtig Gutes in nur wenigen Tagen auf die Beine zu stellen, koste Zeit. „Das sieht die Politik nicht.“

Mehrheit für anaolge Angebote

Das ärgert nicht nur Schäfer, sondern auch seine Pfarrerskollegen. Bei deren Zoom-Konferenz sprach sich die Mehrheit für analoge Angebote zu Ostern aus – „weil es unser größtes Fest ist und weil Weihnachten gut gelaufen ist“, fasst Schäfer Meinung und Stimmung im Pfarrkapitel zusammen. Und das bedeute nicht, dass heimische Pfarrer wie Landeskirche die Sorge der Politik um die Gesundheit der Bürger nicht teilen würden, betont Schäfer. „Aber wir wollen nicht auf Präsenzgottesdienste verzichten.“

Diese Haltung könnte den Kirchen negativ ausgelegt werden, ist sich Schäfer bewusst. „Das kann aber auch passieren, wenn wir dem Wunsch entsprechen würden, weil wir dann als Vasall der Politik unsere Glaubwürdigkeit verlieren.“ Um diesem Zwiespalt halbwegs zu entgehen, liefen intensive Gespräche zwischen den beiden Landeskirchen sowie der bayerischen Regierung. „Das Ziel war es, Kompromisse für einen gangbaren Weg zu finden.“

Kirchen vor Ort entscheiden

Und dieser entspricht dem Vorgehen an Weihnachten: „Wie das Angebot genau aussieht, das entscheiden die Pfarrer und Kirchenvorstände gemeinsam vor Ort“, sagt Schäfer. Präsenzgottesdienste, Streaming, Videos – „alles ist von Seiten der Landeskirche erlaubt und möglich“. Etwaige Umplanungen und Absprachen in den einzelnen Gemeinden gingen „ganz unaufgeregt“ vonstatten, weiß Schäfer. Denn bei allen überwiegen Freude und Dankbarkeit gegenüber der Kirchenleitung, dass Ostern nach einem Jahr wieder etwas Normalität ins Leben bringt.

Mit den „entsprechenden Einschränkungen und in verkürzter Form“ hält auch Pfarrer Wunibald Forster an den Feiern für die katholische Gemeinde fest. Je nach Inzidenzwert könnte es sein, dass sich die Osternacht aufgrund der Ausgangsbeschränkung zeitlich verschiebt, sagt er. Damit könne er leben, aber die Bitte der Bundesregierung, die Präsenzgottesdienste wieder ausfallen zu lassen, habe ihn empört: „Wir sollten Ostern opfern, weil ihnen nichts anderes mehr einfällt.“


Palmsonntag fiel aus

Ausfallen lassen musste Pfarrer Roland Klein in der Pfarrgemeinde Pommelsbrunn/Heldmannsberg den Familiengottesdienst zu Palmsonntag. Auch die Palmprozession fiel kleiner aus. Aber die Gottesdienste an den Feiertagen werden wie gewohnt stattfinden; nur muss die Osternacht je nach Inzidenzwert eventuell früher starten: „Ich glaube auch nicht, dass wir überrannt werden.“

Weihnachten habe man die gleiche Angst gehabt, und der Fall sei nicht eingetreten. Mittlerweile habe sich alles in einem gewissen Rahmen eingependelt, findet Klein. Er freut sich, dass die Kar- und Ostertage gefeiert werden und „dass wir Gemeinschaft erleben können, auch mit denen, die daheim vorm Fernseher den Gottesdienst verfolgen“.

In welcher Form und wann die Feiern rund um die Feiertage stattfinden, erfährt man direkt bei den Kirchengemeinden über die Webseiten, in den Pfarrämtern oder auf dem HZ-Kirchenzettel.

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