Bilanz ab der 5. Klasse

Maskenpflicht im Unterricht – wie läuft’s?

In der Schule müssen die Schüler während des Unterrichts Maske tragen. | Foto: Corri Seizinger - stock.adobe.com2020/11/AdobeStock-386938807.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Eine Woche Erholung vom stundenlangen Masketragen, das durften die Mittel- und Realschüler sowie die Gymnasiasten dank der Ferien genießen. Doch wie lief es bisher mit der Maskenpflicht im Unterricht?

„Unsere Mädchen und Jungs sind sehr brav, es gibt keine Probleme und auch keine Beschwerden seitens der Eltern“, erzählt Stefan Schütz von der Hersbrucker Mittelschule. Einzig das Schreiben von Proben mit Maske stellte eine Herausforderung dar: „Das war für die Schüler sehr anstrengend.“

Also habe man die Klassen geteilt, so dass alle einen Abstand von rund zwei Metern einhalten konnten. „Dann durften die Schüler die Masken für die Prüfung herunternehmen.“ Verstärkt auf den Abstand achte man auch bei zwei Kindern, die per Attest von der Maskenpflicht befreit sind, sagt Schütz. Auch hier seien die Lehrer in der Pflicht, ein Auge drauf zu haben. Sie, die zudem ihren Unterricht auf die neuen Gegebenheiten anpassen müssen. „Der Mund-Nasen-Schutz erschwert das gesprochene Wort und daher müssen die Kollegen mehr auf Schriftliches umschwenken.“

Zweite Maske sinnvoll

Dass die Mimik der Pädagogen schlecht erkennbar ist, gefällt auch Renate Scharrer, Leiterin der Mittelschule Velden-Hartenstein-Vorra nicht. Zudem durchfeuchte die Maske schnell und werde unangenehm. „Gerade den Kindern ist es schwierig zu vermitteln, noch ein zweites Exemplar dabei zu haben.“ Doch die Maske allein sorge nicht für die größte Einschränkung im Unterricht, findet Scharrer. Die Abstandsregel habe Gruppenarbeit zunichte gemacht, stattdessen gebe es Frontalunterricht.

Und dennoch sieht Scharrer die Notwendigkeit des Ganzen: „Bei uns überwiegt die Freude, dass dadurch Regelunterricht möglich ist.“ Denn der direkte Kontakt zu den Schülern in den Klassenzimmern sei schwer zu ersetzen. Und an diesen „anderen Unterricht“ hätten sich alle nach ein paar Wochen gewöhnt.

„Jeder vermummt sich gerade etwas“, beschreibt Scharrer die Atmosphäre mit Maske und dickerer Jacke wegen des regelmäßigen Lüftens. „Wir haben den Vorteil, dass wir Fenster haben, die wir öffnen können.“ Allerdings seien die sehr groß und die Schützlinge könnten hinausfallen. Ein Balance-Akt für Scharrer: „Die Schüler dürfen sie daher nur aufmachen, wenn ein Lehrer anwesend ist.“

Das und auch das Tragen der Maske klappe gut, lautet Scharrers Fazit. Nörgeleien von Eltern und Schülern würden sich auf „ich mag es nicht“ beschränken. „Dann sprechen wir darüber.“ Klar habe mal ein Kind den Schutz unter der Nase hängen oder vergesse, ihn nach dem Essen in der Pause – „die können wir gut zwischen den Klassen versetzt stattfinden lassen, weil wir eine kleine Schule sind“ – wieder aufzusetzen. „Und gerade für Pubertierende ist es schwierig, Abstand zuhalten.“

Mehr Kopfzerbrechen bereitet ihr, dass mit den vielen Regeln „andere Dinge in den Hintergrund treten“, wie beispielsweise die Bewegung. Lehrer hätten teilweise überhaupt keine Pause, und richtig problematisch sei die Ganztagsbetreuung. „Da sind die Kinder draußen und spielen Fußball.“

„Relativ diszipliniert“

Als „relativ diszipliniert“ beschreibt Thomas Zankl von der Johannes-Scharrer-Realschule seine Jugendlichen: „Sie versuchen, die Pflicht zu befolgen, auch wenn die Maske nicht so angenehm ist.“ Da esse der ein oder andere schon mal etwas länger, um durchschnaufen zu können. „Wir müssen die Schüler ab und an ermahnen, aber wir merken, dass sie nicht mit Absicht gegen die Regeln verstoßen.“

Bei den Eltern dagegen würden einige über die Maskenpflicht jammern, einzelne gingen richtig auf Konfrontationskurs, würden sich Anwaltsschreiben aus dem Internet herauskopieren, dass die Schule bei Folgen verantwortlich sei. „So etwas beschäftigt uns und wir müssen da viel erklären.“ Er befürchtet, dass die Klagen zunehmen werden, je länger die Pflicht gilt.

Dabei habe die Maske bei Kindern „grundsätzlich wohl keine“ medizinischen Folgen, erklärt Hanspeter Kubin, der Leiter des staatlichen Gesundheitsamts: „Vor allem junge Kinder haben aufgrund des geringeren Atemstoßes und Lungenvolumens weniger Möglichkeiten, Coronaviren in infektionsrelevanter Menge zu übertragen.“ Sinnvoll sei das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes trotzdem, auch wenn Kubin vielmehr Auswirkungen pädagogischer Art sieht.

„Es ist tatsächlich nicht einfach für die Schüler, wenn die Mimik beim Lehrer nicht sichtbar ist“, pflichtet Zankl bei. Ein Lächeln bei einer Antwort zeige dem Gegenüber zum Beispiel, dass er auf dem richtigen Weg sei. Und für einen hörgeschädigten Schüler sei so eine Teilnahme am Unterricht kaum möglich. „Wir haben daher einige durchsichtige Masken angeschafft, dann können die Jugendlichen von den Lippen ablesen und wir nehmen alle mit.“

Nur wenige Jungs und Mädchen hätten wegen Schwindels oder Hyperventilation ein Attest, mit dem sie auf die Maske verzichten können, so Zankl. Ihm ist bewusst, dass das Masketragen bei einem sechs bis acht Stunden langen Schultag für die Lehrer „extrem anstrengend“ ist. „Aber wir haben lieber das als gar keine Schüler beziehungsweise Distanzunterricht.“


Ähnlich scheinen das die Gymnasiasten am PPG zu empfinden. „Für unsere Schüler ist die Maskenpflicht kein Thema, das wahrnehmbar diskutiert wird“, berichtet Rektor Klaus Neunhoeffer. Er spüre vielmehr den Respekt der Jugendlichen vor dem Coronavirus und „eine große Vernunft bei Großen wie Kleinen, die Regeln einzuhalten“.

Unsichere Eltern

Auch bei den ganz Großen? „Von den Eltern kommen über das statistische Mittel hinaus keine Klagen“, meint Neunhoeffer schmunzelnd. Eher Unsicherheiten würden sie umtreiben, also Fragen zu Krankheitssymptomen oder wann das Kind nach einer Erkältung wieder in die Schule darf.

Hier seien oft die Lehrer gefordert, ebenso wie dabei, den Unterricht den Gegebenheiten anzupassen. „Das ist eine große Herausforderung und Anstrengung.“ Das Lüften in die Stunden einzubauen, sei da noch einfach gewesen. „Wir können im Gegensatz zu modernen Schulhäusern unsere Fenster noch aufmachen.“

Aber beim Lehren sei vieles auf Mimik und Gestik abgestellt, vor allem bei den Fremdsprachen. „Da fahren die Kollegen das Tempo herunter.“ Denn auch die Schüler selbst diskutieren, inwiefern die Maske die Leistungsfähigkeit beeinflusst. „Daher müssen wir Lehrer hier ganz viel pädagogische Fürsorge betreiben.“

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