Corona-Krise

Der Holzwurm in Hersbruck schließt

Im vergangenen September hatte Roland Winkler noch einen Funken Hoffnung, den „Holzwurm“ wieder öffnen zu können – jetzt hat er sich mit seiner Verpächterin Hedwig Bäumler auf eine vorzeitige Vertragsauflösung geeinigt: das (vorläufige) Aus für die Kultkneipe ist besiegelt. | Foto: Porta2021/03/roland.jpg

HERSBRUCK – Die länger werdende Liste verschwundener Kultkneipen Hersbrucks ist – zumindest vorerst – um einen Namen reicher: „Holzwurm“-Wirt Roland Winkler gibt mangels Perspektiven auf und hat sich mit seiner Verpächterin Hedwig Bäumler auf eine Vertragsauflösung für die seit fast einem Jahr wegen der Corona-Pandemie geschlossene Kellerkneipe verständigt.

Nach fast zehneinhalb Jahren als Wirt der urigen Kneipe unter dem City-Kino sei er „schon sehr geknickt“, nicht mehr weitermachen zu können, sagte Winkler der HZ – auch wegen der vielen, liebgewonnene Gäste, die er und sein Team in all der Zeit immer „mit Herzblut“ bedienten. „Und natürlich, weil Hersbruck damit wieder eine Kultkneipe verliert“, sagt er.

Entscheidend sei gewesen, dass die aus seiner Sicht nötigen Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie für kleine Kneipen wie den „Holzwurm“ auf absehbare Zeit keine Perspektiven eröffnen – zumal im Mauerweg wegen der umliegenden Wohnhäuser eine Bewirtung im Außenbereich, die vielen klassischen Gastwirtschaften im Sommerhalbjahr wenigstens einen Teil der Einnahmen verheißt, ausgeschlossen ist. „Und wer kann mir heute sagen, dass ich im September wieder aufmachen kann?“, fragt er und beantwortet dies mit einem „Keiner“ gleich selbst.


Hilfen waren da

Auf eines legt er zugleich besonderen Wert: An mangelnder staatlicher Unterstützung – wie von vielen anderen Gastronomen immer wieder beklagt – habe es bei ihm nicht gelegen: „Ich habe alle beantragten Hilfen bekommen, von der Soforthilfe im Frühjahr bis zu den November- und Dezemberhilfen. Von letzterer war die erste Hälfte innerhalb weniger Tage auf meinem Konto und auch der Rest kam pünktlich“, sagt er.

Knackpunkt seien vielmehr die für eine Wiedereröffnung nicht ausreichenden Lüftungsmöglichkeiten in der Kellerkneipe gewesen. Die zwei vergleichsweise kleinen Fenster waren für das unter Pandemie-Bedingungen geforderte Hygienekonzept zu wenig, ebenso die vorhandene Abluftanlage. Das Gesundheitsamt urteilte deshalb, dass ein Betrieb unter den Vorgaben der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung nicht möglich sei. Selbst wenn eine stärkere Belüftungsanlage eingebaut würde, dürfte er laut Gesundheitsamt maximal 30 bis 40 Leute hereinlassen, so Winkler – zu wenig für ein rentables Geschäft.

Damit endet – zumindest vorerst – die fast 40-jährige Geschichte des „Holzwurm“, den Oskar und Hedwig Bäumler 1983, ein Jahr nach dem Start ihres City-Kinos im ehemaligen Raiffeisenlagerhaus in der Braugasse, eröffnet hatten. Ob und wie es weitergeht, dazu wollte sich die Verpächterfamilie auf Nachfrage der HZ nicht äußern.

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