Feuchter Kirchweih

Absacker statt After-Hour

Da die Sperrzeit nun gelockert ist, wird Konstantinos Karampoulas den Holzwurm zur Kirchweih aufsperren. | Foto: Christian Geist2019/03/Feucht-Holzwurm-online.jpg

FEUCHT – Der Marktgemeinderat hat die Sperrzeit für die Dauer der Kirchweih gelockert. Bis 3 Uhr dürfen Kneipen und Gaststätten binnen der sechs Tage geöffnet lassen. Interesse daran signalisierte bislang aber nur ein einziger Wirt.

Angestoßen hatte die Diskussion CSU-Fraktionsvorsitzender Oliver Siegl bereits in der ersten Jahreshälfte 2018. Ursprünglich forderte er eine Aufhebung der Sperrzeit während der Kirchweih, im Hauptausschuss verständigte man sich in der vergangenen Woche auf 3 Uhr (wir berichteten). Dieser Empfehlung schloss sich nun der Marktgemeinderat an: gegen die Stimmen der SPD-Fraktion (mit Ausnahme von Petra Fischer) und Gerd Steuer (UCS).

Die Fürsprecher der Lockerung erhoffen sich zum einen, dass weniger Festbesucher nach der Kirchweih auf Festplatz, Spielplätzen und Grünflächen weiterfeiern. Zum anderen wollen sie der Jugend entgegenkommen. „Wir sollten den jungen Leuten zugestehen, was wir früher auch gemacht haben“, sagte etwa stellvertretende Bürgermeisterin Katharina von Kleinsorgen (CSU). Sie erinnere sich noch genau, wie sie mit Rita Bogner (Grüne) zunächst im Bierzelt und später im Holzwurm gefeiert habe. „Es handelt sich um sechs Tage im Jahr. Die übrigen 359 kann man ausschlafen. Wir sollten hier kein Ü70-Denken an den Tag legen“, forderte Petra Fischer (SPD). Gegenwind erhielt sie dafür vor allem aus den eigenen Reihen. Lothar Trapp etwa zweifelte an, ob der Betreiber des Holzwurms tatsächlich einen Sicherheitsdienst engagieren und die Besucher am Feiern im Freien hindern werde. Er fürchtet – ebenso wie Gerd Steuer – eine „erhebliche Lärmbelästigung“ für die Anwohner.

Vorerst nur für Stammgäste

Diese hatte 2011 den Ausschlag gegeben, dass die Marktgemeinde überhaupt eine Sperrzeit erlassen hatte: von 1 bis 6 Uhr an allen Kirchweihtagen. Konstantinos Karampoulas, der Pächter des Holzwurms, erinnert sich. Mit den meisten Anwohnern habe es nie Probleme gegeben. „Die haben mich angerufen, wenn sie etwas gestört hat und wir haben das geklärt.“ Nur einer, der habe direkt die Polizei verständigt, „wenn um fünf nach zehn noch jemand mit einem Glas vor der Tür war“. In den Jahren der Sperrzeit hatte der Holzwurm während der Kirchweih geschlossen, Karampoulas machte Urlaub. Nun möchte er wieder öffnen, voraussichtlich am Kirchweihfreitag, -samstag und -mittwoch und nicht vor 23 Uhr. Und auch nicht für jeden. Eine überfüllte Gaststube und eine Menschentraube auf der Nürnberger Straße möchte er tunlichst vermeiden. „Sonst gibt es 100-prozentig wieder Probleme.“ Deshalb plant Karampoulas, im ersten Jahr nur für Stammkunden zu öffnen. Wie früher, soll der Holzwurm eine Anlaufstelle für alle Feuchter sein, die sich zur Kirchweih in ihrem Heimatort treffen und nach dem Bier auf der Kirchweih noch einen Absacker auf alte Zeiten nehmen wollen. In diesem Punkt ist er sich mit Siegl einig, der in seinem Antrag gar von einem Kulturgut geschrieben hatte.

Kulturgut und Kultkneipe

Karampoulas betreibt den Holzwurm – mit vier Jahren Unterbrechung – seit 1991. Schlägereien oder Probleme mit alkoholisierten Jugendlichen habe es in seiner Kneipe nie gegeben. „Mittlerweile kommen die Kinder alter Stammkunden zu mir. Die vertrauen mir“, sagt der 52-Jährige und verspricht, für die Kirchweih einen Sicherheitsdienst anzuheuern. Allerdings nicht irgendeinen. Mehrere seiner Stammkunden seien ausgebildete Securitys, denen er vertrauen könne. „Die beste Security für meine Kneipe war immer ich selbst. Mit meinen Stammkunden.“

Ob sich die Lockerung der Sperrzeit bewährt, wird der Sozial- und Kulturausschuss beobachten. Er wird nach der Kirchweih Bilanz ziehen und das Thema gegebenenfalls neu aufrollen.

N-Land Christian Geist
Christian Geist