Kranzniederlegung in Schupf

Kleines Gedenken an die Opfer des KZ-Außenlagers Hersbruck

In Absprache mit den demokratischen Fraktionen im Kreistag haben wegen Corona nur Helmut Ritzer und Armin Kroder (von links) der KZ-Opfer am Mahnmal nahe Schupf gedacht. | Foto: J. Ruppert2020/11/Schupf.jpg

SCHUPF – Auch wenn die traditionelle Veranstaltung an der großen Urne mitten im Wald wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste: Dr. Helmut Ritzer und Landrat Armin Kroder haben es sich dennoch nicht nehmen lassen, nahe Schupf der Opfer des KZ-Außenlagers Hersbruck mit einer Kranzniederlegung zu gedenken. „Ein Zeichen setzen“, nannten sie es. Im Herzen waren sicher viele der sonst so zahlreichen Gäste der Feier bei ihnen.

Helmut Ritzer fand es bedauerlich, dass ausgerechnet heuer – 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – die Feier ausfallen musste. Er hatte dieses Mal Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung als Hauptredner „gewinnen“ können. Dessen Heimatstadt Fürth ist in der Vergangenheit auch von jüdischen Mitbürgern stark geprägt worden, zum Beispiel durch großzügige Stiftungen. Der Bezug zu den traurigen Geschehnissen in Hersbruck 1944/45 steht in den Geschichtsbüchern: Viele Insassen des Außenlagers waren osteuropäische Juden.

„Völlig andere Kultur“

„Inzwischen ist in Deutschland eine völlig andere politische Kultur entstanden, in der die Menschenwürde und der Schutz des Lebens an erster Stelle stehen“, betonte Helmut Ritzer. Allerdings habe es sehr lange gedauert, bis aus dem Schweigen über die dunkelschwarzen Geschehnisse ein Sich-Erinnern geworden ist.

Am Mahnmal zwischen Schupf und Kainsbach hat das Gedenken seit über 25 Jahren einen festen Platz. Die Urne aus Granit enthält Asche von KZ-Toten. Insgesamt wurden dort über 1000 Leichen verbrannt.

Normalerweise wären Vertreter aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kirchen und Verbänden bei dem Termin dabei gewesen. Helmut Ritzer, früher Vizepräsident des Bayerischen Landtags, wollte Vorbildfunktion zeigen und die Corona-Vorgaben nicht auf irgendeine Art aushebeln. Damit blieb nur die Absage. Den Kranz legten der 82-Jährige und Armin Kroder im Namen der Kreistagsfraktionen Bündnis 90/Die Grünen, Bunte Liste, CSU, FDP, Freie Wähler und SPD nieder.

Der Landrat nutzte die Gelegenheit, um Helmut Ritzer als Motor des Gedenkens nahe Schupf „Danke“ für außerordentliches Engagement zu sagen. Der SPD-Politiker habe dafür gesorgt, dass im Kreistag ein Geist entstanden ist, durch den alle Demokraten bei dem Termin mitmachen wollen. Es gehe um ein Miteinander der Religionen, Kulturen und Nationen, so Armin Kroder. In dem Zusammenhang erwähnte er auch die Drohbriefe an die Mevlana-Moschee in Lauf. „Wir sind gegen Extremismus, Rassismus und Antisemitismus“, betonte das Kreisoberhaupt.

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