Exkursion des Hirtenmuseums

Beweidung und Schutz vorm Wolf: Wie geht das im Nürnberger Land?

Die Teilnehmer lauschten den Ausführungen von Rainer Wölfel. | Foto: I. Pflaum2021/11/Exkursion-2-Hutanger-7.11.21-Foto-Ingrid.jpg

HERSBRUCK – „Wir haben nichts unversucht gelassen, um den Teilnehmern der Exkursion ein Kommen zu erschweren“, eröffnete Rainer Wölfel vom Naturschutzzentrum Wengleinpark launig seine Begrüßungsrede. Ein verschobener Termin sowie das typische November-Wetter hielten aber viele Interessierte doch nicht davon ab, dabei zu sein.

Anlässlich der Sonderausstellung „Die großen vier – vom Umgang mit Bär, Wolf und Luchs“ im Hirtenmuseum Hersbruck hörten die Teilnehmer auf den Hutangern im Molsberger Tal von den tagtäglichen Herausforderungen des Gebietsbetreuers Rainer Wölfel. Mit 96 Rindern, auf sieben Herden und mehreren Hutangern im Herbrucker Land verteilt, sei eine Beweidung schon sehr arbeitsintensiv. Dann noch einen wolfabweisenden Herdeschutzzaun zu installieren und zu unterhalten, sei einfach nicht möglich.

Praxisnah konnten die Teilnehmer sehen, wie schwierig es ist, in steilem Gelände Zäune zu bauen. Wölfel plädierte für deutlich höhere Förderungen für Weidetierhalter, damit sie das zusätzliche Risiko durch Beutegreifer auf sich nehmen können.

Koexistenz von Mensch, Vieh und Wildtier

Als deutsche Vertreterin von „Lifestock-Protect“ – ein Projekt, das den Herdenschutz seit 2020 aktiv vorantreibt – war Stefanie Morbach dabei. Unter der Beteiligung von Partnern aus Regionen in Österreich, Italien, Bayern und mit der Unterstützung der EU entstand dieses Kooperationsprojekt.

Landwirtschaftliche Organisationen haben sich zusammengeschlossen und ein Gemeinschaftsprojekt mit Wissenschaftlern, Naturschützern, Herdenschutzexperten und anderen Akteuren zum Nutzen der Tierhalter entwickelt, sagt sie. Das Hauptziel des Projekts sei die Veranschaulichung und Durchführung von Herdenschutzmaßnahmen mit Weidetierhaltern, um die Koexistenz von Mensch, Vieh und Wildtieren zu ermöglichen. Morbach berichtete an den einzelnen Stationen der kleinen Wanderung von den bisherigen Erfahrungen der Prozessbeteiligten.

Keine Hirten mehr

Neben den Finanzen für einen Betrieb ist das Thema der Suche nach Mitarbeitenden ein weiteres Problem. Der Beruf des Hirten sei durch die Entwicklung der Landwirtschaft hin zur Anbinde- und Stallhaltung der Tiere verschwunden, und so gebe es keinerlei Ausbildungsmaßnahmen für diesen Beruf in den vergangenen Jahrhunderten. Das sollte sich wieder ändern, denkt Wölfel.

Denn dass die Beweidung mit Nutztieren eine effektive und kostengünstige Form der Landschaftspflege ist, ist ein Aspekt, ein anderer die daraus entstehende sensationelle Biodiversität der Flächen. Und nicht zuletzt seien die Hutanger der Hersbrucker Alb eine Einzigartigkeit, die sich als Werbeträger für den sanften Tourismus mehr als eignet.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren