Reichswald wird an vielen Ecken angeknabbert

Nicht nur wie hier bei einer Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Moosbach/Birnthon in der Bürgerhalle stoßen die Naturschützer auf große Resonanz und bekommen viel Unterstützung aus der Bevölkerung. Für den BN-Landesvorsitzenden Hubert Weiger steht deshalb fest, dass die Mehrheit für einen konsequenten Schutz des Waldes ist. Archivfoto: Blinten2011/07/weiger.jpg

FEUCHT – „Am Reichswald wird an allen Ecken und Ende geknabbert“, wies Prof. Dr. Hubert Weiger, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz, bei einem Pressegespräch auf die zahlreichen Projekte hin, die derzeit geplant werden. Dazu gehören das Gewerbegebiet „Moserbrücke“ des Marktes Feucht, die Südanbindung an den Gewerbepark GNF in Richtung Wendelstein und die PWC-Anlage an der A 6 zwischen Moosbach und Birnthon. Werden alle umgesetzt, würde eine Waldfläche fast in der Größe der Nürnberger Altstadt zerstört. „Der Einsatz der Bürger ist deshalb wichtiger denn je“, appellierte Weiger.

Auch anlässlich des internationalen Jahres der Wälder 2011 wies er auf die Bedeutung des Reichswaldes als „grüne Lunge“ der Metropolregion und wichtiges Erholungsgebiet für die Bevölkerung hin. Weltweit werden derzeit Konzepte für einen verstärkten Schutz der Wälder entwickelt. „Die Folgen des Klimawandels kann man nur reduzieren, wenn man sie mit ihrer CO2-Bindungsfunktion erhält“, so Weiger. Der Reichswald ist europäisches Vogelschutzgebiet, unverzichtbar für den Trinkwasserschutz und genießt Bannwaldschutz. Das heißt, dass Walderhaltung Vorrang vor allen anderen öffentlichen Ansprüchen hat. Eigentlich – denn die derzeit laufenden Planungen vermitteln einen anderen Eindruck.

Aktuell lässt die Autobahndirektion Nordbayern unter anderem den sechsspurigen Ausbau der A6 Nürnberg-Heilbronn von der Anschlussstelle Roth bis zum Kreuz Nürnberg-Süd durchführen. Sie plant eine Zusammenlegung des Autobahnkreuzes Nürnberg-Süd mit der Anschlussstelle Fischbach (Waldverbrauch zirka 30 Hektar) und den sechsspurigen Ausbau bis zum Kreuz Nürnberg-Ost und den Ausbau der PWC-Anlage bei Brunn (etwa ein Hektar). Das Staatliche Bauamt Nürnberg will die Staatsstraße Feucht-Penzenhofen ausbauen.

Auf einige Projekte ging Tom Konopka, Regionalreferent des BN, genauer ein. so auf das Gewerbegebiet „Moserbrücke“ mit einer Größe von zirka 13 Hektar des Marktes Feucht direkt im Anschluss an den Gewerbepark Nürnberg-Feucht-Wendelstein. Einen wirklichen Bedarfsnachweis habe die Gemeinde nicht erbracht, meinte Konopka und erinnerte an die Protest- und Unterschriftenaktionen des BN und des Bannwaldbündnisses Feucht-Wendelstein.

Südanbindung bald vom Tisch?

Der Markt Wendelstein wünscht sich eine direkte Anbindung an den GNF. Die Regierung von Mittelfranken ließ inzwischen durchsickern, dass sie diese Südanbindung nicht unterstützt, so Konopka. Dadurch würde der Wald zerschnitten, der als Ausgleichsfläche für den A 6-Ausbau dienen soll.
Die Erfolgsaussichten sind also hier nicht schlecht für den BN, zumal auch ein Verkehrsgutachter, den der GNF-Zweckverband beauftragt hatte, die Südanbindung für nicht sinnvoll hält. Diese Trasse würde statt für Entlastung eher für mehr Verkehr im
Gewerbepark sorgen (wir berichteten).
Der BN lehnt auch den Neubau einer PWC-Anlage an der A 6 bei Moosbach (zirka fünf Hektar) ab. „Diese Anlage würde mitten im Vogelschutzgebiet liegen“, stellt der Regionalreferent fest und lobt das Engagement der Bürgerinitiative Moosbach/Birnthon. Bei mehreren Informationsveranstaltungen sei die Bürgerhalle stets voll gewesen. „Die Bürger unterstützen uns sehr stark.“

Und das spüren die Naturschützer auch bei vielen anderen Vorhaben: „Eine wachsende Mehrheit in der Bevölkerung will einen konsequenten Waldschutz“, ist Hubert Weiger überzeugt. „Die Politik soll das endlich akzeptieren. Also Hände weg vom Reichswald.“

Darum geht es auch beim 39. Reichswaldfest des BN am Samstag, 16. Juli, und Sonntag, 17. Juli. Am Schmausenbuck östlich des Nürnberger Tiergartens werden sich dabei auch viele andere Umweltschutzverbände und Interessengruppen präsentieren, darunter die BI Moosbach-Birnthon und das Bannwaldbündnis Feucht-Wendelstein.

Sie werden sicher versuchen, direkten Kontakt mit dem Hauptredner am Samstagnachmittag, dem bayerischen Waldminister Helmut Brunner, zu bekommen, um ihre Argumente gegen das jeweilige Projekt deutlich zu machen. Die BN-Verantwortlichen hoffen, dass Brunner sich klar pro Wald-erhaltung positionieren wird, denn der Reichswald ist ihrer Ansicht nach gefährdeter denn je. Nähere Informationen zum Programm beim Reichswaldfest mit Führungen, Baumklettern, Kinderaktionen und viele Köstlichkeiten findet man im Internet unter www.bund-naturschutz.de.

N-Land Martina Rüsing
Martina Rüsing