Preis für ehrenamtliches Engagement

Fast 20 Jahre Musik mit Dementen

Max Liedtke, vorne, mit seiner Fiedel und mit Musikerfreunden, wurde mit dem Ehrenwertpreis ausgezeichnet. | Foto: Haase2020/08/Max-Liedke-Ehrenwert-Preis-NN-scaled.jpg

RÖTHENBACH – Mit seinen 89 Jahren hat der emeritierte Professor aus Röthenbach Max Liedtke seine Kniegeige noch immer fest im Griff. Weil er mit ebendieser und in Begleitung anderer Musiker seit fast 20 Jahren im Karl-Heller-Stift in Röthenbach für und mit Demenzkranken Musik macht, hat er nun den „EhrenWert“-Preis für sein Engagement erhalten.

„Wir treten oft in unterschiedlicher Besetzung auf und wenn es sein muss, spiele ich auch mal alleine“, sagt Liedtke, der seit 2002 rund drei Mal in der Woche im Karl-Heller-Stift bei Bewohnern für Stimmung sorgt. „Sie sind sehr dankbar, auch wenn sie es zehn Minuten später schon wieder vergessen haben. An Melodien und Texte erinnern sie sich aber immer“, so Liedke.

Zu seiner Feierstunde ließ er es sich nicht nehmen, alle einzuladen, die regel- und auch un­regelmäßig gemeinsam mit ihm zusammen für die Senioren auftreten. Deswegen freute er sich auch besonders, seinen Freund aus gemeinsamen Lehrzeiten an der Universität und ehemaligen Chorleiter des Windsbacher Knabenchors, Karl-Friedrich Beringer zu sehen.

Beringer kam als Freund und Sänger

Dieser hatte die knapp einstündige Fahrt aus Merkendorf nach Röthenbach auf sich genommen, um die Gruppe mit seiner Stimme und am Xylophon zu unterstützen. Bereits seit 2003 kommt Beringer, wie er selbst sagt, „immer mal wieder, wenn es die Zeit zulässt“.

In dieser größeren Runde saßen sechs Musiker (darunter auch BLLV Ehrenpräsident Wenzel) gestern im Innenhof des Karl-Heller-Stifts und erfreuten die Bewohner per Mikrofon und Lautsprecher mit Gassenhauern wie „Muss i denn zum Städtele hinaus“, „Amazing Grace“ oder einem kräftigen „Tiritomba“ in C-Dur.

Klatschen, Joderufe und Gesang

Doch bevor sie überhaupt zu Geige, Mundharmonika, Akkordeon, ­Xylophon und Tamburin greifen konnten, hörte man von einigen Balkonen schon freudiges Klatschen, erste Lieder wurden angestimmt und sogar einige Jodelrufe erklangen. Von überall spitzten Bewohner von den Balkonen oder setzten sich in einiger Entfernung auf ihre Terrassen.

So musiziert Liedtke – wegen der Corona-Beschränkungen – bereits seit ein paar Wochen und nicht wie vorher mit bis zu 50 Bewohnern in einem Raum.

Zwischen den Liedern nutzte Uwe Müller von der Universa Versicherung die Gelegenheit, den mit 1000 Euro ­dotierten Preis, den die Stadt Nürnberg gemeinsam mit der Versicherung und den Nürnberger Nachrichten ausruft, an Liedtke zu übergeben – „als Dank für sein ehrenamtliches Engagement und für die tolle Musik“, so Müller.

Die wahren Leistungen im Leben

Der emeritierte Professor zeigte sich sichtlich gerührt über diese Würdigung seiner fast 20-jährigen Arbeit mit Demenzkranken und bezeichnete den Preis als eine seiner größten Ehrungen: „Die wirklichen Leistungen im Leben sind nicht die gegen Bezahlung erbrachten, sondern Arbeiten die man ehrenamtlich und beständig ausübt“, sagte Liedtke. „Es reicht nicht aus ein Mal ein Konzert zu geben und dann zu gehen, sondern die Regelmäßigkeit ist wichtig“, mahnt er sogar.

„Es erfüllt Menschen mit Leben und es ist auch für einen selbst eine erfüllende Tätigkeit“, sagte Klaus Wenzel. Der 70-Jährige ist Ehrenpräsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands und musiziert gemeinsam mit Liedtke, Winfried Mauser, Johann Scharfenberg und Gabriele Ley regelmäßig im Karl-Heller-Stift. „Lieder sind immer im Zeitgedächtnis. Und es kann den Bewohnern gar nicht gassenhauerisch genug sein“, sagt er.

Ähnlich sieht es auch Liedtke, der von den Seniorinnen und Senioren, wie er selbst sagt, auch noch einiges lernen durfte: „Das Lied ‚Tanz mit mir in den Morgen‘ kannte zum Beispiel vorher gar nicht“, sagte er, während er seinen Geigenbogen für das letzte Stück an diesem Tag über die Seiten zu ziehen begann. Sein Preisgeld möchte Liedtke an den Pflegedienst des Karl-Heller-Stifts spenden.

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