Schnaittacher Mordprozess

Digitale (Blut-)Spuren

Stephanie P. verbarg ihr Gesicht bei Prozessauftakt hinter einem Aktenordner.
Stephanie P. verbarg ihr Gesicht bei Prozessauftakt hinter einem Aktenordner. | Foto: Beck2019/02/bild-2.jpg

NÜRNBERG/SCHNAITTACH (kir) — „Blutflecken aus Teppich entfernen“: Danach suchte Stephanie P., damals noch K., per Smartphone einen Abend nach den Morden an einem Schnaittacher Ehepaar im Internet. Den Link schickte sie ihrem damaligen Verlobten Ingo P., dem Sohn der Getöteten. Weitere Details brachten am Donnerstag im Prozess die Zeugenaussagen von Nachbarn und Rathauspersonal ans Licht.

Wurde Stephanie P. von ihrem Verlobten zur Beseitigung der Spuren nach den Morden gezwungen? Diese Version der Geschichte hatte die junge Frau in einem Verhör nach ihrer Festnahme präsentiert. Was am Donnerstagvormittag ans Licht kam, passt dazu aber überhaupt nicht. Die Verlobten verbrachten den Abend nach der Blutat mit Recherche im Internet. Immer wieder schickte Stephanie P. ihrem Partner Links. „Weil im Blut viel Eiweiß enthalten ist, das bei Hitze gerinnt, ist es wichtig, dass Sie Blutflecken stets mit kaltem Wasser behandeln“, heißt es etwa auf einer von ihr besuchten Website.

Arbeitsplan für Reinigungsarbeiten

Ingo P. übermittelte seiner Freundin am gleichen Abend einen Plan für Reinigungsarbeiten. Mehrere Tage nach der Tat sind genau durchgetaktet. „15 bis 17 Uhr Tapete I und S“ heißt es dort.

Bereits im Sommer 2017, zwei Monate, nachdem sie zusammen gekommen waren, hatten Ingo und Stephanie P. Hochzeitspläne. Am 6. Juli schrieb Stephanie P. eine E-Mail an das Schnaittacher Standesamt, ob sie am 22. September heiraten könnten. Die Standesbeamtin, die als Zeugin geladen war, merkte sich den Termin vor. Doch zur Hochzeit kam es erst, als Ingo P.s Eltern tot waren.

Elfriede P. hatte wohl Bedenken

Lag es am Einspruch seiner Mutter? Elfriede P. soll gegen die Hochzeit gewesen sein, sagt eine weitere Rathausmitarbeiterin. Eine Kollegin habe ihr davon erzählt, dass sich die Rentnerin mit einer gemeinsamen Bekannten darüber unterhalten habe.

Vorgeladen war auch der Schnaittacher Bürgermeister Frank Pitterlein. Das junge Paar wollte das Wohnmobil des Vaters abmelden. Ohne Unterschrift von Peter P., dem Vater, ging das aber nicht. Pitterlein wunderte sich im Nachhinein, dass sich Ingo P. mehr Gedanken um eine Zulassung als um seine verschwundenen Eltern machte.

Auch eine Hundezüchterin macht eine Aussage vor dem Landgericht. Die Frau hat dem jungen Paar im Januar 2018 einen Welpen verkauft. Als die Angeklagten den Hund abholten, sollen sie „unheimlich viel Geld dabei“ gehabt haben, 100- und 500-Euro-Scheine.

Zurückgezogene Familie

Am Nachmittag sind die direkten Nachbarn der Familie P. im Zeugenstand. Sie malen das Bild einer Familie, die zurückgezogen gelebt hat, kaum Besuch hatte. Viel Kontakt gab es nicht, sagt eine Frau, die schräg gegenüber wohnt.

Aufgefallen ist allen Nachbarn ein Sauberkeitsfimmel von Elfriede P. Die Rentnerin soll jeden Morgen zwischen 6 und 6.30 Uhr die Gehsteige gekehrt haben. Ludwig Müller (Name geändert) wohnt seit Jahrzehnten in der Gegend, Ingo P. kennt er seit dessen Geburt. Viel gesprochen habe man nicht in den vergangenen Jahren, nachdem es wegen einer Kleinigkeit zu einem Streit gekommen sei, sagt er.

Nachbar zweifelte an Geschichte

Nach dem Verschwinden seiner Eltern habe Ingo P. ihn angesprochen: Seine Eltern seien für 14 Tage im Urlaub bei Verwandten in Kassel, sagte P. am 16. Dezember, zwei Tage nach der Nacht, in der das Rentnerehepaar erschlagen worden sein soll. Müller wunderte sich, über Weihnachten waren die P.s immer zuhause.

Eine weitere Nachbarin gibt einen Hinweis auf den möglichen Zeitpunkt der Taten. Sie sagt aus, ihre Hunde hätten in der Tatnacht gegen Mitternacht eine Viertelstunde lang gebellt.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer