Dieselpreis wird für Spediteure zum Albtraum

Kurt Hotter (vorne rechts) und sein Co-Geschäftsführer Christian Braun vor zwei 40-Tonnern der Hotter-Flotte im Röthenbacher Gewerbegebiet Diehl. Hotters Fahrer Marco Amm (links) und Jens Ellinger meistern seit Jahren die schweren Arbeitsbedingungen für Berufskraftfahrer. | Foto: Andrea Beck2021/10/Spedition-Kurt-Hotter-Rothenbach-271021-Foto-Beck-scaled.jpg

Nürnberger Land – Die Spritpreise steigen und steigen. Seit September 2020 gehen die Zahlen steil bergauf. Damals lag der Preis für einen Liter Diesel noch bei 91 Cent, am gestrigen Mittwoch kostete er in Bayern dagegen durchschnittlich 1,56 Euro. Bundesweit wurde bereits vergangene Woche mit 1,55 Euro pro Liter ein neues Diesel-Allzeithochzeit erreicht.

Das spüren nicht nur die Verbraucher im Nürnberger Land schmerzlich an der Zapfsäule, sondern auch Speditionsfirmen und Großhändler, bei denen der Diesel weit oben auf der Liste der Ausgaben steht.
Sie ächzen unter der Last der steigenden Kosten nicht nur für den Sprit, sondern auch für Strom, Gas, Öl und den Dieselzusatz AdBlue – eine Harnstofflösung, die das beim Verbrennen entstehende Stickoxid fast komplett in unschädlichen Stickstoff und Wasser umwandelt. Das Betanken von Dieselfahrzeugen mit AdBlue ist mit der Euro-6-Norm zur Pflicht geworden.

Als zusätzliche Preistreiber wirken die Rohstoffknappheit und der Fahrermangel, der nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Deutschland ein Problem ist. Und weder in Sachen steigender Dieselpreis, noch beim Fahrermangel ist eine baldige Entlastung der Betriebe in Sicht.

Nicht nur das Tanken wird teurer

Die betroffenen Händler, Spediteure, Fahrschulen und viele mehr haben oft keine andere Wahl, als ihre erhöhten Ausgaben an den Verbraucher weiterzugeben. Dadurch wird nicht nur das Tanken, sondern auch die Fahrstunde und das Einkaufen im Supermarkt teurer.

Um die schwierige Situation zu meistern, hat der Röthenbacher Spediteur Kurt Hotter im vergangenen Monat bereits zwei seiner zuvor 20 Lkw verkauft. Und er plant, zwei weitere 40-Tonner zu verkaufen.

Der 59-Jährige, der selbst als Lkw-Fahrer startete und sich vor 24 Jahren selbstständig machte, betrachtet die aktuelle Entwicklung mit Sorge. Im Vergleich zum Frühjahr sind seine Ausgaben für Diesel um 15 000 Euro pro Monat gestiegen, für AdBlue um monatlich 1000 Euro. „Und ich finde keine Fahrer mehr.“ Anders als andere Speditionsunternehmen sieht Hotter davon ab, neue Fahrer aus osteuropäischen Ländern wie Polen oder Rumänien anzuwerben.

Dadurch blieb ihm als Lösung nur die Verkleinerung seiner Flotte und die Steigerung seiner Preise für Neukunden. „Bei langjährigen Verträgen kann man nicht einfach mehr verlangen, sobald der Dieselpreis hochgeht.“ Dass die neue Regierung Abhilfe schaffen wird, bezweifelt Hotter. „Wenn durch die Grünen in der Regierung die CO2-Steuer noch stärker erhöht wird als bisher geplant, knacken wir bald die zwei Euro pro Liter Diesel.“

Die Regierung könnte eingreifen

Auch Klaus Endres, Geschäftsführer des Ottensooser Getränkegroßhändlers Ziegler, rechnet nicht mit schnell sinkenden Preisen. „Nachdem durch Corona alles runter gefahren wurde, steigt jetzt eben wieder die Nachfrage und sie bestimmt den Preis.“ Die Regierung hätte laut Endres die Möglichkeit einzugreifen und etwa einen Höchstpreis für Diesel zu bestimmen, aber ob das umgesetzt wird, weiß er nicht. „Im nächsten Jahr pendeln sich die Energiekosten wahrscheinlich wieder ein, aber auf einem höheren Niveau als vor Corona.“

Das Unternehmen Ziegler besitzt eine Flotte von 70 Lkw und beschäftigt zusätzlich noch Spediteure. Täglich liefert die Firma rund 75 000 Mehrweg-Getränkekisten, Fässer und Container an etwa 1000 Kunden.
Verlangt Ziegler nun aufgrund des Dieselpreises mehr Geld, stehen vor allem mit den Discounterketten jedes Mal zähe Verhandlungen an.

Die aktuelle Spritpreisexplosion verursacht für Ziegler beachtliche Mehrausgaben. Hatte die Firma im Januar für die Befüllung des Lagertanks noch rund 29 000 Euro bezahlt, sind es aktuell 38 000 Euro, also 31 Prozent mehr. „Bei Adblue ist es noch schlimmer, hier beträgt die aktuelle Preissteigerung im Vergleich zum Sommer 80 Prozent“, sagt Endres. Zusätzlich hätten sich die Lohnkosten für Lkw-Fahrer stetig erhöht, um diese in den Firmen zu halten.

Mangel war abzusehen

Dieser Mangel an Fahrern ist laut dem Röthenbacher Spediteur Siegfried Zetztl bereits seit 15 Jahren abzusehen: „Früher war der Berufskraftfahrer ein angesehener Beruf, er war ,the King of the Road‘.“ Und er habe mit seiner Arbeit seine Familie ernähren können.


„Heute bist du als Fahrer der Depp, der 6000 Euro für seinen Lkw-Führerschein bezahlt hat und dafür den ganzen Tag im Stau steht, keinen Parkplatz findet und im Ausland von der Polizei festgesetzt wird“, so Zetztl. Ein Ende des Fahrermangels, glaubt er, sei nur durch Maßnahmen wie höhere Lohn- und Transportkosten zu erreichen. „Letztendlich liegt es beim Verbraucher. Bereits der Kauf von regionalen Produkten ist eine Entlastung für Fahrer und Speditionen.“

Warum steigen die Spritpreise?

Dass die Kraftstoffpreise genau wie die Kosten für Gas, Strom und verschiedene Rohstoffe aktuell steigen, ist laut Experten durch das Wiedererwachen der Wirtschaft nach dem Corona-Schlaf zu erklären. Außerdem haben die Wirtschaftspolitik von Förderländern wie USA und Russland sowie die allgemeine Tendenz zu mehr Klimaschutz und die damit verbundenen Maßnahmen (CO2-Steuer) Einfluss.

Unter anderem viele Investitionen im Baugewerbe und das Erstarken der Reisebranche führen zu einer höheren Nachfrage nach Rohöl. Auf der anderen Seite steigern Anbieter wie USA, Russland oder Saudi-Arabien aktuell nicht ihre Bohrungen. Der Iran, der eventuell mehr Öl an Europa verkaufen würde, ist von den USA mit Sanktionen belegt.

So trifft beim Rohöl, aus dem Diesel, Benzin und auch Heizöl gewonnen werden, eine starke Nachfrage auf ein stagnierendes Angebot, was für den Preisanstieg sorgt. Am gestrigen Mittwoch kostete zum Beispiel ein Barrel Nordseeöl rund 85 Dollar, so viel wie seit vier Jahren nicht mehr.

In Deutschland beeinflusst der Staat den Spritpreis maßgeblich. Durch Energie-, CO2- und Mehrwertsteuer landen laut ADAC rund 64 Prozent der Tankrechnung beim Staat.

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