Die Eskapaden des kleinen Kurfürsten

Gebannt verfolgten junge und ältere Zuschauer in Dehnberg das Bühnengeschehen, die Lebensgeschichte des Münchner Kurfürsten Max Emanuel. Foto: Raum2008/08/20080825_blauekurfuerstdhtfraenkso_big.jpg

DEHNBERG — Viele große und kleine Zuschauer erlebten im Dehnberger Hof Theater ein barockes Handpuppenspiel-Spektakel der Reihe „Fränkischer Sommer – Musica Franconia“. „Der blaue Kurfürst“ war ein anschaulicher Geschichtsunterricht für Kinder ab sechs Jahren, der viel Spaß bereitete.

„Der Wächter ist jetzt pudelnass – so macht Befehlen richtig Spaß“ – dieser Spruch kann gut für die Art der Lektionen stehen, die der junge, „blaue Kurfürst“ Max Emanuel (1662–1726) bekam. Er schickte tatsächlich eine Wache in den Brunnen. Untermalt mit den Instrumenten, die auch der damalige bayerische Herrscher so liebte – der Viola da Gamba – wurde eine fantastische Atmosphäre geschaffen, die alle Zuschauer ummantelte und das Gesamtstück noch interessanter und spannender werden ließ.

Musik und Spiel mit Kompositionen von Marais oder Charpentier sorgten für perfekte Stimmung in dieser Inszenierung. Toll die Möglichkeit für Kinder, vorne zu sitzen und alles ganz nah zu genießen und mitzuerleben. „Wir sitzen da hinten“, so ein Elternteil vor Beginn zu seinem Sprössling.

„Hoffentlich ist das Stück nicht zu aufregend, dass die Kinder heute Nacht schlafen können.“ Aber der Vater musste keine Bedenken haben. Alles wurde empfindsam und gefühlvoll dargeboten und das Leben von Geburt, Jugend und Lernzeit bis zu Türkenkrieg und Schuldenberg in Szene gesetzt.

Was lernt ein zukünftiger Kurfürst, wie geht er mit seinen Lehrern um, welches sind seine Vorlieben, welche Taten hat er vollbracht und welche Probleme in seinem Leben gehabt? Von der Liebe zur Viola und zum Musikmachen bis zur Jagd, vom Sprachenlernen bis zum Fecht- und Reitunterricht – auf jedes Detail wurde eingegangen und keine Langeweile kam auf.

Die herrlichen Handpuppen zogen die Blicke auf sich und die Inszenierung fesselte jedes Alter. Das kleine Publikum amüsierte sich köstlich über die Eskapaden eines ebenso noch kleinen Fürsten und fühlte mit bei seinen anfänglichen Reitschwierigkeiten oder den mütterlichen Musikproben.

Realität sind auch Krieg und Tod, aber stets wurden Hintergründe beleuchtet und nichts im Verborgenen gelassen. Das Publikum war nicht mit Ungewissheit allein gelassen, sondern konnte sich aufgeklärt fühlen. Durch die Erzählerstimme von Konrad Wipp entstanden Verständnis und Mitempfinden für das Leben eines früheren Herrschers.

Den Kindern hat es Spaß gemacht. Sie bekamen mit, was man früher im Leben lernen musste, und dass es auch Fürsten nicht leicht hatten, Kind zu sein oder als Erwachsener zu regieren. Vielleicht profitieren sie auch einmal im Geschichtsunterricht von diesen Einblicken. Zumindest wurde sicherlich bei vielen älteren Zuschauern das Interesse geweckt, auch mal Erlebnisse, egal welcher Art, ins Spiel mit den Schützlingen umzusetzen.

Thomas Raum

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