Hersbrucker Richard Mergner ist neuer BN-Vorsitzender in Bayern

Die Angriffslust bleibt

Übergabe nach 16 Jahren Seit' an Seit': Hubert Weiger gratuliert Richard Mergner (r.). | Foto: Toni Mader2018/05/DV_2018_Weiger_Mergner_by_Toni_Mader.jpeg

HERSBRUCK – Landesvorsitzende des Bund Naturschutz (BN) besuchten die Hersbrucker Schweiz schon öfter, ganz gleich, ob sie Hubert Weinzierl oder Hubert Weiger hießen. Seit einer Woche ist der Chef des größten und einflussreichsten Naturschutzverbandes im Freistaat hier zu Hause: Der Hersbrucker Richard Mergner wurde mit 96 Prozent der Stimmen bei der Delegiertenversammlung gewählt.

16 Jahre war der Hersbrucker BN-Landesbeauftragter und damit so etwas wie Pfeilspitze und Hauptstratege des Verbandes. Generalsekretär heißt so einer in einer Partei und in dieser Rolle hat sich Mergner an der Seite seines Förderers Hubert Weiger mächtig profiliert. In den Medien war der 57-Jährige in politischen Debatten all die Jahre ziemlich präsent. Stichworte sind beispielsweise gentechnikfreies Bayern oder zuletzt Riedberger Horn.

Wobei der 57-Jährige im Gespräch immer wieder betont, dass er nur die Positionen vertritt, die im Verband demokratisch von Vorstand und Landesbeirat beschlossen wurden. Er agierte damit auch ganz im Sinne Weigers, der ihn 1990 zum BN holte, als Kampagnenplaner für das Volksbegehren „Das bessere Müllkonzept“.

Der Volksentscheid selbst hatte damals zwar letztlich keinen Erfolg, aber die heutige sehr gute Abfallentsorgung in Bayern könne sich der BN durchaus auf die Fahne schreiben, sagt Mergner heute. Wichtig war auch: Der Sohn des früheren Hersbrucker Forstamtsleiters Gotthold Mergner, der als Wirtschaftsgeograf und Regionalplaner aus der Familientradition ausscherte, konnte im Verband seine kämpferische und diskussionsfreudige Ader einbringen.

Charakteristisch ist dabei unüberhörbar eine gewisse Skepsis gegenüber Mächtigen und ein fester Standpunkt gegen jede Form der Umweltzerstörung. Das verwundert nicht, wenn man weiß, dass Mergner in den 80er Jahren der Friedensbewegung angehörte, unter anderem in Wackersdorf gegen Atomkraftwerke demonstrierte und sich auch in der Eine-Welt-Arbeit engagierte. Es sagt auch viel über den Hersbrucker selbst, wenn er jetzt zu seinem Amtsbeginn ankündigt, der BN werde „durchaus politisch für seine Vision eines gerechteren und nachhaltigeren Bayerns kämpfen“ und gegenüber der Staatsregierung mit ihrem Ministerpräsidenten Markus Söder sei „ein gesprächsbereiter, aber Konflikte nicht scheuender Verband bitter nötig“.

Was motiviert Mergner, Interessenlagen und die Fließrichtung von Geldströmen zu recherchieren und sich mit Eliten anzulegen? Was sagt er Kritikern, die ihn als wirtschaftsschädlichen Öko-Fundi sehen? Seine Antwort: „Die Wirtschaft muss dem Allgemeinwohl dienen, dazu gehört selbstverständlich die Bewahrung der Lebensgrundlage künftiger Generationen.“

Auch Weiger war dialogbereit und dabei hart in der Sache, aber ein wenig blitzt bei Mergner doch die Angriffslust des „Generalsekretärs“ auf. Nein, es sei nicht sein erklärtes Ziel gewesen, Vorsitzender zu werden, sagt er im Gespräch. Aber jetzt übernehme er gerne diese Aufgabe, die mehr einen Moderator verlange. Entscheidend sei ohnehin eine funktionierende Zusammenarbeit im Vorstand. Seine Wahl mit 196 zu 6 Stimmen für zunächst zwei Jahre, weil Weiger den Vorsitz zur Hälfte der Amtszeit abgab, habe ihn als Vertrauensbeweis sehr gefreut. Das gute Ergebnis kommt nicht von ungefähr: In den 28 Jahren hat er von der Basis bis zur Spitze mit vielen BN-Mitgliedern und Funktionsträgern zu tun gehabt, er kenne alle Kreisvorsitzenden persönlich.

Auch als Vorsitzender wird er weiterhin viel unterwegs sein. Scherzhaft meint er, sein Büro habe er im Rollkoffer dabei, aber es befindet sich natürlich weiterhin in Nürnberg. Nach Hause kommt er immer wieder gerne. „Ich liebe meine Hersbrucker Alb“, schwärmt er. Aufgewachsen ist er hier aber nicht. Er war schon 14, als die Mergners vom Spessart hierher zogen. Zur Schule ging er in Nürnberg.

In Hersbruck betreibt seine Frau Erdmute Lipper, die beruflich eigentlich Tierärztin in Nürnberg ist, die Kulturkneipe „… na und!“ und mit ihr ist er hier viel draußen mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Am liebsten übrigens auf der Oberkrumbacher Hochfläche, „wo Landwirtschaft und Natur noch weitgehend im Einklang sind“.

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