EM auf dem Laufer Kunigundenberg

Das EM-Spiel war Nebensache

Mehrere Hundert Besucher genossen den warmen Sommerabend auf dem Berg. Und stöhnten im Chor, als das deutsche Eigentor fiel. | Foto: Andrea Beck2021/06/EM-Spiel-Deutschland-Biergarten-Kunigundenberg-150621-Foto-Beck-1.jpg

LAUF – Mit den Freunden zusammen sitzen, sich unterhalten, das schöne Sommerwetter genießen. Was seit Beginn des zweiten Lockdowns im Oktober 2020 nicht erlaubt war, ist jetzt wieder möglich und die Besucher des Biergartens Kunigundenberg haben am Dienstagabend die wiedererlangte Freiheit genossen.

Dass dort das EM-Spiel Deutschland gegen Frankreich übertragen wird, lockt zahlreiche der rund 300 Gäste auf den Berg, ist aber letztendlich nur ein Punkt auf der Liste der Attraktivitäten.

Allerdings ist, im Gegensatz zu den vergangenen Wochen, doch eine EM-Stimmung zu spüren. Viele haben ihre Trikots ausgepackt, tragen Blumenkränze, Hüte und Fahnen in den Deutschland-Farben und feuern die Nationalmannschaft an. Dass diese nach 97 Minuten 0:1 gegen den Topfavoriten Frankreich verliert, überrascht kaum jemanden. 

Nachdem die Besucher jeden Angriff der Deutschen bejubelt und jede Schwalbe der Franzosen ausgebuht haben, nehmen sie den Schlusspfiff von Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande gelassen hin. Das unglückliche Eigentor von Mats Hummels sorgt vor allem für Mitleid mit dem Verteidiger.

Das Zusammensein hat gefehlt

„Dieses gesellschaftliche Zusammensein hat schon sehr gefehlt“, sagt der 22-jährige Alessandro Mietsam aus Schwarzenbruck, der gemeinsam mit seinen Kollegen das Spiel anschaut. „Ich bin heute das erste Mal seit dem letzten Sommer wieder im Biergarten. Deswegen ist das Spiel eher Nebensache.“ Er habe noch im Mai nicht damit gerechnet, dass zur EM wieder öffentliche Veranstaltungen erlaubt sein werden. Bei seinem Vorab-Tipp, 3:1 für Frankreich, liegt er am Ende daneben, doch der Sieger stimmt, „was nicht heißt, dass ich das gut finde“.


Endlich wieder gemeinsam feiern: Auch die Fußball-Damenmannschaft des TSV Neunhof traf sich am Berg, um den deutschen EM-Auftakt zu sehen. Foto: Beck
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Auch die 26-jährige Marina Huber aus Neunhof setzt auf die Franzosen. Bei ihrem Tipp, 2:1, stimmt sogar das Torverhältnis. Huber spielt selbst Fußball in der Damenmannschaft des TSV Neunhof. „Ich bin Feuer und Flamme für Turniere wie EM und WM und verpasse kein Spiel.“ Dass größere Treffen mit Mannschaft und Familie nun wieder erlaubt sind, freut Huber sehr. „Das war keine schöne Zeit, es gab nur die Arbeit, seine Leute hat man kaum gesehen. Jetzt haben wir ein Stück Freiheit zurück“, sagt Huber.

„Ich kann noch gar nicht richtig glauben, dass solche Veranstaltungen wieder möglich sind. Es ist super, wieder zusammen zu sein“, sagt die 20-jährige Isabella Seipel aus Winkelhaid. Es sei ein Vorschlag von Kollegen gewesen, die EM-Übertragung auf dem Kunigundenberg anzusehen. „Ich war früher in Lauf auf der Schule und es ist lustig, nach vielen Jahren wieder hier zu sein.“ Die Stimmung sei toll und die vielen Dekorationen sorgen bei Seipel zum ersten Mal in diesem Jahr für ein gewisses EM-Fieber. Die 20-Jährige hatte vorab auf einen Endstand von 2:0 für Frankreich getippt, „auch wenn ich es gern anders hätte.“ 

Trikots, Freunde und Bier: Viele junge Besucher nutzten am Kunigundenberg die Gelegenheit, sich wieder in größeren Gruppen zu treffen. Foto: Beck2021/06/EM-Spiel-Deutschland-Biergarten-Kunigundenberg-150621-Foto-Beck-3.jpg

Fußball auf drei mal fünf Metern

Um seinen Besuchern das gemeinsame Fußballschauen zu ermöglichen, hat der Betreiber des Biergartens, Jürgen Eichenmüller, mit seinen Mitarbeitern eine fünf Meter breite Leinwand auf den Kunigundenberg gestellt. Mittels Beamer und portablen Antennen überträgt er dort alle Deutschlandspiele, sowie die Halbfinalspiele und das Finale der EM. „Noch bis vor Kurzem war nicht sicher, ob solche Veranstaltungen erlaubt sein werden. Als es dann klar war, haben wir uns gedacht, irgendjemand muss es den Laufern ja anbieten.“ 

Eichenmüller ist froh, dass das Leben wieder auf den Laufer Berg zurückgekehrt ist. Und über die zusätzlichen Besucher durch das Turnier ist er nach der langen Pause auch nicht traurig.

Plötzlich geht ein lautes Stöhnen durch die Menge, der Franzose Karim Benzema hat in der 85. Minute ein Tor geschossen. Doch Jürgen Eichenmüller ist sich sicher: „Das war doch Abseits.“ Dann zeichnet der Schiedsrichter das Quadrat für den Videobeweis in die Luft und die Bergbesucher jubeln. Doch kein Tor! Den Sieg des Favoriten können die Deutschen am Ende trotzdem nicht verhindern. 

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