Schmierereien im Jagdrevier

Jäger im Visier

Als Mörder bezeichnet zu werden, ist Matthias Propp unter die Haut gegangen. | Foto: Magdalena Gray2020/10/Ezelsdorf-Jaeger-Propp-Moerder-1-scaled.jpg

EZELSDORF – Camouflage-Geländewagen, derbe Funktionsklamotten, heitere Natur: Als Sensibelchen würde man Matthias Propp nicht beschreiben. Und doch ist dem 50-jährigen Jagdpächter vor Kurzem etwas mächtig unter die Haut gegangen.

Als er vor wenigen Tagen einen seiner Hochstände im Wald zwischen Ezelsdorf und Oberferrieden kontrolliert, erfährt er eine herbe Überraschung: „Mörder, Mörder, Mörder“ prangt in gelber Lackfarbe auf Sitzfläche und Rückenlehne. An der Innenwand der Kabine schlägt ihm ein weiteres „Mörder“ ins Gesicht, daneben das Statement: „Natur töten, um sie zu schützen? Quatsch!“ Propp ist wie vor den Kopf gestoßen. Unten, unweit des Hochstands, steht eine Futterkiste. Auch hier hat sich der anonyme Rächer der Wildtiere mit seinen Kritzeleien verewigt.

Auch auf der Futterkiste haben sich die Unbekannten verewigt. Foto: Magdalena Gray2020/10/Ezelsdorf-Jaeger-Propp-Moerder-2-scaled.jpg

„Das ist heftig“

„Wenn da wenigstens Arschloch stünde, dann könnte ich noch damit umgehen. Aber Mörder? Das ist heftig.“ Propp ist erschüttert. „Es gibt keinen schlimmeren Menschen als einen Mörder“, findet er. Auch die Polizei nimmt den Fall erst. Jemanden als Mörder zu bezeichnen, sei etwas anderes, als ihn mit irgendeinem Schimpfwort zu bedenken, sagt Birgit Götz von der Altdorfer Polizei. Sie könne verstehen, dass Propp davon getroffen sei und versichert: „Wir haben das im Blick.“ Grund zur Beunruhigung um seine Person bestünde aber nicht, beruhigt die Beamtin.

Dennoch hinterlässt die Schmiererei ein ungutes Gefühl bei dem Ezelsdorfer Jagdpächter. Es ist nicht das erste Mal, das er angefeindet wird. In den vergangenen fünf Monaten haben Unbekannte sein Auto zerkratzt, Reifen an einer beweglichen Jagdkanzel zerstochen und eine Wildkamera gestohlen. Auch Propps Frau, Ulrike, ist besorgt. „Das ist absolut nicht mehr witzig. Was kommt denn als Nächstes? Vielleicht machen die auch nicht Halt davor, mal fix die Säge anzusetzen?“, befürchtet sie.

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Seit 1996 hat Propp seinen Jagdschein, seit gut sechs Jahren kümmert er sich um sein Revier in Ezelsdorf. Hier tummeln sich unter anderem Fasane und Rebhühner, ein Zeichen, dass es der Natur gut geht.
Der 50-Jährige nimmt sein Hobby sehr ernst. Ihm liegt viel an einem intakten Wald. Und der funktioniere nun mal nicht mehr ohne Jäger. Ohne deren Kontrolle würden sich vor allem Rehe und Wildschweine übermäßig verbreiten. „Natürliche Feinde haben sie ja hier keine mehr. Da müssen wir einschreiten“, sagt er.

Gegen das Prinzip „Wald vor Wild“

Besonders kratzt ihn an den Vorwürfen der Schmierfinken, dass er zum Lager der Jäger gehört, die ihr Wild gegen erhöhten Abschuss verteidigen. Er hält nur wenig vom Prinzip „Wald vor Wild“, das im Bayerischen Waldgesetz festgehalten ist und für das sich unter anderem der Bund Naturschutz (BN), der NABU und der Ökologische Jagdverein Bayern stark machen. Vermehrt würden Jäger momentan über die Medien mit der Forderung bombardiert, doch endlich mehr Schalenwild – darunter fallen im Nürnberger Land Rehe und Wildschweine – zu töten.

Die Begründung: Durch die Hege überhöhter Bestände werde die natürliche Artenvielfalt der Baumarten und Bodenvegetation beeinträchtigt. Dadurch würden Ziele einer naturnahen Waldwirtschaft behindert und unermessliche Schäden in der Forstwirtschaft verursacht, steht im aktuellen Positionspapier des Bund Naturschutz zur Jagd. Es sei dringend nötig, dem Grundsatz „Wald vor Wild“ zum Durchbruch zu verhelfen, heißt es weiter auf der Website des BN.

Nie während der Schonzeit

„Da mache ich so nicht mit“, erwidert Propp. „Mein Motto lautet ‚Wald mit Wild‘. Ohne Wild gäbe es keinen Wald“, ist der 50-Jährige überzeugt. Dennoch müsse man den Bestand kontrollieren. Es stelle sich die einfache Frage: Was verträgt die Natur, was ist zu viel. „Danach gehe ich vor, mit Sinn und Verstand“, erklärt er. 18 Rehe muss Propp laut Vorgaben der Unteren Jagdbehörde jährlich mindestens erlegen. Erfüllt er die Vorgaben nicht, muss er mit Mahnungen und Strafzahlungen rechnen. „Das ist nachvollziehbar, naturverträglich und sinnvoll. So viel schieße ich. Nicht weniger, aber definitiv auch nicht mehr. Und nie in den Schonzeiten. Das macht kein Jäger mit, der den Namen wert ist“, erklärt der Ezelsdorfer Jagdpächter. Alle drei Jahre kontrolliert die Jagdbehörde sein Revier auf Wildverbiss. Bis jetzt sei das Urteil immer positiv ausgefallen.

In Zukunft werde er mehr auf der Hut sein, kündigt Propp an. Aber mehr, als seine Stände regelmäßig zu kontrollieren, könne er auch nicht. Den Vorschlag der Polizei, Wildkameras zu installieren, lehnt er ab. „Die sind für die Tiere da“, sagt er. „Und zwar nicht, um sie zu ermorden, sondern um sie zu beobachten und die Bestände zu kontrollieren.“

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