Jagdschutz- und Jägerverein Nürnberg-Land

Drohnen retten Wildtierbabys

Morgens um 5.30 Uhr: Rudi Ulrich mit Laura Köstler und einem geretteten Kitz aus dem Revier Wildwies von Jürgen Dorsch/Florian Pöllet in Oberferrieden/Kemnath. Das mittels der Drohne rechtzeitig entdeckte Kitz wird in Sicherheit gebracht und später von seiner Mutter versorgt. | Foto: privat2020/05/NL-Kitzrettung1.jpg

FEUCHT / OBERFERRIEDEN – Jagdschutz- und Jägerverein Nürnberg-Land schafft Geräte mit Wärmebildkameras an, 
um Rehkitze rechtzeitig zu retten, bevor Mähmaschinen den versteckten Jungtieren den Tod bringen.

Das Frühjahr ist fortgeschritten, die erste Mahd im Jahr steht an und vielerorts sieht man schon die landwirtschaftlichen Maschinen auf den Wiesen. Doch allzu oft wird die erste Ernte zur Todesfalle für tausende junge Wildtiere, denn die Brut- und Setzzeit ist bereits in vollem Gange.

Das Rehwild kommt in Deutschland relativ häufig vor und muss nicht vor dem Aussterben geschützt werden. Ein besonders dramatisches Problem ist jedoch das Verletzen und Töten von Rehkitzen während der Grünlandmahd, da der günstigste Termin zum Mähen in den Zeitraum der Jungenaufzucht der Rehe fällt, berichtet Umweltingenieur Michael Kraus aus Feucht. Die Ricken legen in dieser Zeit ihre frisch geborenen Kitze an vermeintlich geschützter Stelle, zum Beispiel im hohen Gras einer Wiese, ab.

Droht Gefahr, verharren die Kitze instinktiv tief geduckt und reglos auf dem Boden, anstatt zu fliehen. Da sie dadurch nicht erkannt werden können, werden sie durch Mähmaschinen häufig schwer verletzt oder getötet. Ein Problem ist das auch für die Landwirte selbst, denn sie verstoßen gegen das Tierschutzgesetz, wenn sie Jungtiere bei der Mahd verstümmeln oder töten, ohne im Vorfeld versucht zu haben, dieses Tierleid zu verhindern. Es drohen hohe Strafen.

Helfer sind rar

Zur Vorbeugung werden daher oft die Wiesen vor der Mahd abgesucht – vom Jäger mit seinem Hund oder ehrenamtlichen freiwilligen Helfern. Doch nicht selten kommen die Anrufe des Landwirts bezüglich des Mähtermins sehr spontan, und passt das Wetter, so wird gerne überall am gleichen Tag gemäht. Eine äußerst schwierige Aufgabe für die Tierschützer, denn Helfer sind meist rar.

Um dieses langwierige und nicht immer sichere Prozedere zu verbessern, hat der Jagdschutz- und Jägerverein Nürnberg-Land unter Federführung des Vorsitzenden Bernhard Kukula zwei moderne Drohnen mit Wärmebildkameras angeschafft. Mit diesen können durch die Temperaturdifferenz zwischen Boden und der Felloberfläche die Kitze schnell identifiziert und gerettet werden. Doch dies funktioniert nur, solange die Außentemperatur noch möglichst niedrig ist – das heißt früh aufstehen!

Arbeiten in zwei Teams

Es wird dabei in zwei Teams gearbeitet, die sowohl den nördlichen als auch den südlichen Landkreis betreuen sollen. Die Kitzretter holen dann das Jungwild gezielt aus der Wiese heraus und setzen dieses nach der Mahd außerhalb der Gefahrenzone wieder ab. Wichtig ist dabei, dass möglichst kein menschlicher Geruch übertragen wird. Die Rehgeiß holt ihr Junges dann bald wieder ab.

Die Mutter kommt übrigens immer nur kurz zum Säugen zu ihrem Nachwuchs und hält sich ansonsten stets abseits. Auch das ist ein Überlebenstrick, denn so können Feinde die Kitze nicht so leicht riechen oder ihren Standort entdecken.

Daher Finger weg vom jungen Reh! Die Geiß ist gewöhnlich immer irgendwo versteckt in der Nähe und das Mitheimnehmen ist wahrlich keine Rettung, sondern eine Qual für Muttertier und Kitz.

Mehrere Erfolge bei Oberferrieden

Bei ihrem ersten Einsatz am vergangenen Sonntag konnten übrigens die beiden Teams der Kitzretter um Rudi Ulrich und Ralf Emmerling sowie Vladimir Kovalevsky und Thomas Fleischmann vom Jagdverein Nürnberg-Land dann prompt mehrere tolle Erfolge verzeichnen, unter anderem in Oberferrieden. Ab jetzt geht es wohl täglich zum Einsatz, zumindest solange das schöne Wetter noch anhält.

Landwirte oder Jäger, die auch die Kitzrettung benötigen, erfahren die Kontaktdaten auf der Homepage unter www.jjv-nbgland.de. Dort freut man sich auch über jede Spende, schließlich sind die professionellen Drohnensysteme und deren Wartung recht kostenintensiv. Auch hierfür findet man nähere Infos auf der Homepage.

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