Abschied von Helmut Gerstner

Alfelds Pfarrer geht in den Ruhestand

Auch Büroarbeit gehörte zu Helmut Gerstners Arbeit als Pfarrer dazu – gerade in Zeiten der Corona-Krise. | Foto: A. Pitsch2020/05/IMG-7775.jpg

ALFELD – „Ein Büromensch war ich nie“, sagt Helmut Gerstner über sich selbst. Die Begegnung zwischen und mit Menschen, das war ihm in den 34 Jahren als Alfelder Pfarrer wichtig.

Aufgrund der Corona-Krise muss er aber auf diese in Form eines großen Abschiedsfests mit Chören, Vereinen und Bürgern verzichten. Bei seinem letzten Gottesdienst am kommenden Sonntag in Alfeld können nur wenige geladene Gäste dabei sein. Das bedauert Gerstner. Dennoch ist es ihm wichtig, dass er offiziell von seinem Amt entpflichtet wird, „ein Abschluss da ist“. Und: „Ich möchte gesegnet werden.“

Zumindest ein vorläufiger Abschluss: „Ich werde die Konfirmation noch halten.“ Außerdem hofft er, dass er doch noch Abschied nehmen kann von allen. Aktuell tut er das auf seine Weise – bei Spaziergängen durch Dorf und Ortsteile mit „Begegnungen von Tür zu Tür“. Vielleicht entspricht das sogar eher Gerstners Charakter, der von vielen als ruhig beschrieben wird. „Meine Frau Hannelore findet mich dagegen hektisch“, sagt er lachend.

Er habe nämlich in den 34 Jahren als Pfarrer in Alfeld lieber im Hintergrund gewirkt: „Ich hatte nie Probleme, mich zurückzunehmen.“ Und das haben seine Schäfchen vermutlich gespürt, wenn er beim Gespräch ganz bei ihnen war, sich Zeit genommen und zugehört hat. „Oft musste ich gar nicht viel mehr machen.“

Auf die Menschen zugehen

Daher sei für ihn die entscheidende Voraussetzung für einen Dorfpfarrer, dass er „die Menschen mögen muss und auf sie zugeht“. Und zwar nicht nur auf die Kirchenmitglieder, sondern auch auf die Pfarrerskollegen. Im Albachtal sei die Zusammenarbeit mit diesen sehr gut; wenn ein Pfarrer nicht da sei, wendeten sich die Gläubigen an den in den Nachbargemeinden. „Da sind wir ein Vorbild für andere Regionen geworden“, erzählt Gerstner nicht ohne Stolz.

Auch dank seines Zutuns konnte die Vernetzung der Kinder- und Jugendarbeit in den vergangenen Jahren wachsen. „Bei den Kleinen geht das leichter, weil viele Eltern ihre Kinder beispielsweise auch zum Fußball fahren und dann ist dafür schon Akzeptanz da.“ Und geholfen könnte Gerstner auch haben, dass seine Kinder mit anderen im Ort groß geworden sind.

Fränkisches Land

Mit 30 Jahren kam der gebürtige Augsburger „hierher ins Grenzgebiet“. Nach seinem Theologiestudium in München und Erlangen und dem Vikariat in der Augsburger Innenstadt lautete sein Wunsch für eine Pfarrstelle: „Land und Mittelfranken.“ Seine Frau kam nämlich von hier. Ländliches Leben war ihm vertraut und er sah es als „schön für die Kinder an“.

Und so konnte mit dem Engagement der jungen Familie Gerstner viel in der Gemeinde erwachsen: Frau Hannelore initiierte und leitete den Mutter-Kind-Kreis, „die Pfarrers“ organisierten Familien-Freizeiten, musikalische Früherziehung oder Musikunterricht im Gemeindehaus. Der Vorteil: Über die Kleinen kam der Glaube zu den Eltern und in Form von Chören und Gruppen in die Gottesdienste. „Das war eine prägende Zeit.“

Eine, in der Alfeld „schon sehr Heimat geworden ist“ und sich viele Freundschaften und Beziehungen entwickelt hätten. Die wolle er auch in Zukunft pflegen – aber nicht mehr als Pfarrer. Da sei der Abstand durch den neuen Wohnort in der Nähe von Weißenburg gut. Denn: „Ich lebe ganz im Hier und Jetzt.“ Daher will er, den der Glaube schon immer beschäftigt hat, keine Worte über die negativen Erlebnisse verlieren. „Die gehören zum Dienst dazu.“ Dabei geholfen, diese zu verarbeiten, habe ihm die Musik.

Auf dem Klavier spielt Gerstner „was mir halt so gefällt“. Die Lieder und Töne waren sein Steckenpferd. In Kirche, Schule und Kindergarten hat er viel mit den Kindern gesungen und sie mit dem Akkordeon begleitet: „Das war meins.“ Seine Augen strahlen. Und das tun sie auch, wenn er von der Vielfalt seiner Aufgaben schwärmt: Theologie, Themen der Zeit, Kinder, Jugendliche, Senioren … Das alles zog ihn „dann doch ins Pfarramt“.

Nur den einen

Dass es ihn in den 34 Jahren nie aus Alfeld weggezogen hat, das habe verschiedene Gründe – erst die Familie, dann das Amt als Senior des Pfarrkapitels … Vor allem habe er aber den Wunsch der Gemeinde nach Kontinuität gespürt: „In den vergangenen hundert Jahren wechselte der Pfarrer im Schnitt alle acht bis neun Jahre. Das wurde als zu kurze Zeit empfunden.“ Gerstner dagegen hat viele von Taufe bis Hochzeit begleitet. Ein silberner Konfirmand meinte vor kurzem: „Ich kenne nur Sie als Pfarrer.“ Und genau das findet Gerstner so schön, eine Gemeinde begleiten zu können.

Doch nicht nur die eigenen Schützlinge: Auch bei von ihm organisierten Reisen sammelte er einzigartige Erfahrungen. „Die brachten die Leute über die Gemeindegrenzen hinaus zusammen“ – und stifteten Gemeinschaft, für die er verantwortlich war.

„Mit dem Ruhestand fällt da auch eine Last ab“, gibt er zu. Auch wenn er seine Verantwortung in Alfeld abgibt, Zeit für die Menschen und die Theologie wird sich Helmut Gerstner weiterhin nehmen: „Nur so ist Glaube lebbar!“

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