Für rund 350000 Schüler in Bayern starteten am Mittwoch die Abschlussprüfungen

Abitur mal nicht wie gewohnt

Mit Mund-Nasen-Bedeckung und Einmalhandschuhen legten die Lehrer den Abiturienten in der Karl-Diehl-Halle die Prüfungsaufgaben auf die Tische. | Foto: Haase2020/05/Abitur-2020-Rothenbach-Corona-Mundschutz2-NEU.jpg

NÜRNBERGER LAND – „Du schaffst das“, „Auf geht‘s“, „Ihr rockt das!“: Die bunten Plakate, die gestern vor der Karl-Diehl-Halle in Röthenbach hingen, sollten die 58 Abiturienten des Geschwister-Scholl-Gymnasiums unterstützen. Im Innern der Halle grübelten sie nämlich über die Aufgaben der ersten Prüfung des Abiturs 2020.

Der Startschuss dafür fiel am Mittwoch im PZ-Gebiet aber nicht nur für die 58 Abiturienten aus Röthenbach, sondern auch für 66 Schüler des CJT-Gymnasiums in Lauf und 139 des Gymnasiums in Eckental.
Bayernweit schrieben gestern rund 35 000 Abiturienten mit dem Fach Deutsch die erste Prüfung eines Abiturs, das ganz im Zeichen der Corona-Pandemie steht.

So trugen die Lehrkräfte in der Karl-Diehl-Halle zum Beispiel Mundschutz und Einmalhandschuhe, während sie die Aufgabenblätter an die sichtlich nervösen, aber gut gelaunten Zwölftklässler verteilten.

Duden nur mit Mundschutz

Auch die Prüflinge mussten sich an die Hygienevorschriften, wie separate Toiletten nutzen, Mundschutz tragen beim Aufstehen und Hände desinfizieren, halten. Wer seinen Duden vergessen hatte, konnte sich bei den Lehrern einen ausleihen, musste dafür aber ebenfalls Einmalhandschuhe tragen.

„Mich hat jemand gefragt, ob das Abitur in diesem Jahr anders ablaufen wird als in der Vergangenheit. Eigentlich nicht, habe ich geantwortet, sagte Clemens Berthold, Direktor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Denn in Röthenbach konnte die Prüfung, wie bisher auch, in der Karl-Diehl-Halle stattfinden, denn ausreichend Abstand ist dort gegeben.

Eine Situation, mit der man leben kann

Mit den kleinen Anpassungen „im Punkt Hygiene“, kann sich Berthold gut abfinden und betont, dass sich die Grundorganisation des Abiturs nicht geändert habe.

Am Gymnasium in Eckental hatte Schulleiter Burkard Eichelsbacher mehr organisatorische Probleme zu bewältigen. Weil die 139 Abiturienten nicht alle wie gewohnt in die große Schulhalle passen, musste Eichelsbacher sie auf vier große Räume verteilen. Weil Unbekannte kurz vor dem Abi-Start aus einem Bamberger Gymnasium auch noch die Aufgaben für die Deutschprüfung gestohlen haben, musste Eichelsbacher, wie alle anderen Gymnasien in Bayern auch, in einer Blitzaktion noch einmal hunderte Kopien anfertigen. In dieser Zeit musste der Verwaltungstrakt abgeschlossen und die Drucker vom Netz getrennt werden, was zusätzlichen Aufwand bedeutete.

Gestohlenes Abitur

„Es gibt ein Ersatzabitur. Das war schließlich nicht das erste Mal, dass so etwas passiert ist“, nimmt Wolf Kraus, Leiter des CJT-Gymnasiums in Lauf die Situation mit Humor. Die 66 Zwölftklässler konnten ihre Prüfung gestern wie bisher auch in der Turnhalle des CJT-Gymnasiums ablegen.

Weil durch die Corona-Pandemie rund vier Wochen Unterricht für die Abiturienten ausgefallen sind, hat der Freistaat das Abitur nach hinten verlegt, sodass sich die Schüler ab dem 27. April noch einmal intensiv in den Schulen auf die Prüfungen vorbereiten konnten.

Vorteile für engagierte Schüler

„Wir haben so viel durchgerechnet wie noch nie. Aber es kommt natürlich auch immer auf die Schüler an. Wenn man wollte, konnte man sogar einen Vorteil aus der Situation ziehen“, meint Laufs Schulleiter Wolf Kraus, der die Schüler auch in der Pausenzeit mit Aufgaben auf das Matheabitur vorbereitet hat. Damit geht es am 26. Mai weiter, bevor am 29. Mai die Prüfung in einem weiteren Fach und nach den Pfingst­ferien die mündlichen Tests folgen.

Mit der Situation kamen die Schüler gut zurecht: „Abiturvorbereitungen bestehen immer aus zwei Teilen: einer in der Schule und einer Zuhause. Der ausgefallene Unterricht wurde nachgeholt und ich glaube nicht, dass Corona Einfluss hatte auf die Zahl der Übungsaufgaben, die wir bearbeitet haben“, sagt der 18-jährige ­Jakob Pschierer, der hofft, dass er nach dem Abitur sein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Grundschule antreten kann. Auch seine Klassenkameradin Sarah Osuna Banderas ist froh, „dass man sich drei Wochen lang nur auf die Fächer vorbereiten konnte, die man braucht“, obwohl es mit der Motivation Zuhause manchmal schwierig gewesen sei.

Traurig stimmt die Abiturienten, dass sie ihre Lehrer nicht mehr sehen oder sich mit Klassenkameraden treffen konnten. Und vor allem, dass die Abschlussfeier dieses Jahr ganz ausfällt oder nur im kleinen Rahmen stattfinden kann.

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N-Land Rebecca Haase
Rebecca Haase