Corona-Krise

Wenn die Bühne leer bleibt …

Leere Stühle, leere Bühne, verlassene Instrumente – so wie hier im City Kino sieht es wohl gerade in allen großen und kleinen Veranstaltungsräumen der Region aus. | Foto: H. Thiel2020/03/kick-bearbeitet.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Wenn in diesen Tagen reihenweise Konzerte und Auftritte abgesagt sowie Museen geschlossen werden, bedeutet das vor allem Umsatzeinbußen für Veranstalter und Künstler. Im Hersbrucker Umland zeigen die trotz allem Verständnis.

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Der Verein Kunst im Citykino (Kick) musste zwar bisher nur das Konzert des Frank Wuppinger Arkestras am kommenden Samstag absagen. Aber auch der Auftritt der Gitanes Blondes am 4. April stünde laut Vorsitzendem Harald Thiel auf der Kippe. Dem Verein gehen dadurch Einnahmen wegen des wegfallenden Ticketverkaufs verloren. Aber zumindest habe die Band keine Forderungen gestellt. „Das hängt aber immer von den Musikern ab“, so Thiel. Auch Vermieterin Hedwig Bäumler muss Einbußen hinnehmen: Für sie fallen Geldeinnahmen durch Ausschank und Raummiete weg. Doch die Einschränkungen müsse man nun einfach verkraften, sagt sie – „irgendwann muss das ja mal ein Ende haben“.

So wie es bisher aussieht, könnte es im Mai einen Nachholtermin für das Frank Wuppinger Arkestra geben – insofern sich einer findet und die Situation sich bis dahin normalisiert hat. Neben der Kommunikation mit der Band musste der Verein auch die Voranmeldung bei der Gema wieder absagen.

Rückgabe nicht so leicht

Ein Problem kommt laut Thiel noch hinzu: Weil Spielwaren Rauenbusch als Vorverkaufsstelle vorübergehend schließen musste, können bereits gekaufte Konzertkarten nicht mehr so einfach zurückgegeben werden. Wer will, kann aber im Geschäft anrufen – die Inhaberin habe angeboten, die Karten dann entgegenzunehmen und das Geld zu erstatten.

Nach Thiels Meinung sind die Maßnahmen nötig und seien sogar zu spät gekommen. Doch die Leute seien unvernünftig und nähmen die Situation nicht ernst. „Die Masse schätzt die Lage nicht richtig ein“, meint Thiel. Am schlimmsten treffen die Einschränkungen die Künstler selbst, sagt er, vor allem die, die kein zweites Standbein haben. Zwar habe die Regierung Unterstützungen zugesagt – nur in welcher Form, das sei die Frage. „Wer weiß, ob es dann erst mal wieder eine Antragsflut gibt.“

Auch Uli Olpp, Vorsitzender des Kunstmuseums Hersbruck, hofft auf möglichst „unbürokratische Lösungen“ seitens des Staates, was finanzielle Hilfen für freischaffende Künstler angeht. Für ihn selbst sei die Lage nicht dramatisch, er komme gut mit Auftragsarbeiten über die Runden. „Eine Messe im April, auf der ich ausgestellt hätte, wurde abgesagt. Dadurch sind schon ein paar Verdienstmöglichkeiten weggebrochen“, erzählt Olpp, der als Bildhauer und Architekt arbeitet. Auch die Teilnahmegebühr sei bereits bezahlt und werde nicht mehr zurückerstattet.

„Einzig gangbarer Weg“

Trotzdem sieht auch er die getroffenen Maßnahmen als „wohl einzig gangbaren Weg“ an, um die Verbreitung des Virus einzuschränken. „Vielleicht relativiert das unseren Konsumhunger“, philosophiert er. Was ihm außerdem positiv auffällt: Die Bevölkerung habe schnell gemerkt, dass es bei Berufstätigen im Kultur- und Freizeitbereich sehr schnell knapp werden kann. Die öffentliche Wahrnehmung habe sich rasant verändert.

Doch auch das Kunstmuseum in Hersbruck muss Konsequenzen ziehen und wird seine Pforten für die nächsten Wochen schließen. „Obwohl wir wirklich nicht viele Besucher zeitgleich haben. Aber wir können nicht anders“, sagt Olpp. Auch die Mitgliederversammlung am 2. April findet nicht statt. Das Team überlege zudem, ob kommende Ausstellungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden sollten. Für die 20-Jahrfeier im Juli hofft er aber auf einen guten Ausgang.

Im Markgrafensaal in Hohenstadt sieht die Lage ähnlich aus. „Wir werden alle, die für das nächste Vierteljahr Veranstaltungen bei uns gebucht haben, fragen, ob eine Verschiebung möglich ist“, erklärt Werner Lüdele, Kassier des Kultur- und Trägervereins Markgrafensaal. Darunter fallen neben Theateraufführungen auch Geburtstage und Hochzeiten. Mieter müssten kontaktiert, Anzahlungen zurückerstattet werden. Für den Verein bedeutet das Einnahmenverluste, gleichzeitig müsse der Saal aber weiter unterhalten werden: „In den kalten Monaten heizen wir ihn immer auf mindestens elf Grad“, sagt Lüdele. Bei den Rücklagen käme die Gemeinde – ihr gehört der Saal – dem Verein bereits entgegen. „Wir haben ein kleines Polster. Lange darf die Situation aber nicht dauern“, sagt der Kassier. Trotzdem hält auch er die Maßnahmen für „ganz wichtig“, weil nicht abzusehen gewesen sei, dass sich das Virus so schnell verbreiten würde.

Mehr als gedacht

Bei der Stadt Hersbruck hat unter anderem Christl Schäfer-Geiger das „Krisenmanagement“ übernommen. Auch sie sagt gerade alle Veranstaltungen und Treffen bis 19. April ab. „Das ist wirklich mehr als man denkt, es läuft unendlich viel in der Stadt“, sagt sie erstaunt. Durch die Absagen in der Geru-Halle seien der Stadt zum Glück keine weiteren Kosten entstanden. Stornogebühren fielen nur bei den Vorverkaufsstellen an, „dafür sparen wir uns den Umbau in der Halle“, sagt Schäfer-Geiger.

Auch das Hirtenmuseum und die Stadtbücherei sind bis 27. März geschlossen. „Die Mitarbeiter sind zum Teil im Urlaub, Arbeiten im Büro oder Homeoffice“, erklärt sie. Das „Worstcase-Szenario“ für Hersbruck wäre freilich, wenn die Situation länger dauern würde und Altstadtfest, Sommerfest oder das Gitarrenfestival auf dem Spiel stünden. Davon gehe aber bisher niemand aus. Viel mehr Gedanken macht sich Schäfer-Geiger um die Künstler: „Was ist mit denen, die davon leben?“

Ausfall als Chance

Gordon Bär ist einer davon. Konzerte, Proben, Workshops, Gottesdienstbegleitungen – alles abgesagt. Selbstständige Musiker wie ihn treffen die Maßnahmen am härtesten, auch seine Musikschule musste er schließen. Und trotzdem bleibt Bär vorerst gelassen. „Ich sehe es einfach mal als Chance, weil ich jetzt mehr Zeit habe für organisatorische Aufgaben, die Planung von Projekten, Werbung und Akquise sowie Prozessoptimierungen“, sagt er. Auch die meisten seiner Schüler und deren Eltern nähmen den Unterrichtsausfall relativ verständnisvoll hin. Der Unterricht werde entweder in geeigneter Form nachgeholt oder das Honorar anteilig erstattet.

Auch was den Wegfall des Verdienstes angeht, bleibt Bär pragmatisch: „Grundsätzlich finde ich, gehört so eine Situation zum unternehmerischen Risiko und man sollte darauf vorbereitet sein.“ Das sei er auf jeden Fall. Andere träfe es da schon härter. Bär erzählt von einem Bekannten, der sich nach jedem Auftritt direkt seine Gage auszahlen lässt. „Er kommt damit gerade so über die Runden. Ein finanzielles Polster hat er nicht.“

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