Keine Absage

Literaturtage sollen vor 70 Zuschauern stattfinden

Inzwischen ein undenkbares Bild: die volle Turnhalle des Laufer Gymnasiums bei den Literaturtagen 2019. | Foto: Bernd Weller/Archiv2020/07/LesungHalleCJT1_c-Bernd-Weller1-scaled.jpg

LAUF — Knapp über 5000 Zuschauer waren im vergangenen Jahr bei den Laufer Literaturtagen, deren Abendlesungen erstmals in der Turnhalle des Christoph-Jacob-Treu-Gymnasiums stattfanden. Sie fasst bist zu 600 Personen. Zu viele. Zumindest im Pandemie-Jahr 2020, in dem alles anders ist.

Immerhin: Das erfolgreiche Literaturfestival, das Lauf bundesweit Bekanntheit verschafft hat, findet vom 9. bis zum 15. November statt. Darauf hat sich der Kultur- und Sportausschuss der Kommune am Donnerstagabend verständigt. „Große Freude“, verkündete die Stadtbücherei tags darauf per Pressemitteilung. Ein Hinweis darauf, dass die Entscheidung, die einstimmig fiel, keine Selbstverständlichkeit ist.

70 statt 600 ist das neue Maß: So viele Zuschauer passen unter Berücksichtigung aller Abstandsregeln in die Laufer Stadtbücherei. Dort haben die Literaturtage 1996 begonnen, dorthin kehren sie bei der 25. Auflage – der Jubiläumsauflage – zurück, wenn auch in den Neubau in der Turnstraße, nicht in die alte Bücherei am Salvatorfriedhof.

Im Ausschuss stand auch ein Alternativvorschlag zur Debatte: das Festival erneut in der Turnhalle stattfinden zu lassen. Bei den aktuell geltenden Infektionsschutzvorschriften hätten dort 100 Personen die Lesungen verfolgen dürfen, doch die Staatsregierung hat angekündigt, diese Zahl für Kulturveranstaltungen auf 200 zu erhöhen. Auch dann wäre der Mindestabstand von eineinhalb Metern noch einzuhalten.

Hoher Aufwand in der Turnhalle

Ina Gombert von der Stadtbücherei selbst lieferte allerdings Argumente gegen die Schulturnhalle: Man brauche dort „ein Sicherheitskonzept zum Leiten der Besucherströme“ und einen vergleichsweise hohen technischen Aufwand, der mit 9000 statt etwa 2000 Euro in der Bücherei zu Buche schlägt. Im Haus in der Turnstraße gewinne man hingegen „finanziellen Spielraum und Flexibilität“.

Diese Flexibilität ist vor allem für Bürgermeister Thomas Lang (Freie Wähler) ein wichtiger Aspekt. Schließlich könne sich die Corona-Lage jederzeit ändern, zum Positiven wie zum Negativen. Bei „massiven Lockerungen“ schloss er eine Verlegung zurück in die Turnhalle zwar nicht aus, aber dafür bräuchte es dann einen erneuten Beschluss. Umgekehrt spielte Georg Schweikert (SPD) einen Anstieg der Infektionszahlen durch: „Es kann ja auch sein, dass gar keine Gäste kommen können, dann können wir es nur online machen.“

Damit nicht nur 70 Zuschauer das Festival erleben können, ist nämlich ein Livestream geplant. Die Bücherei selbst drückt sich derzeit noch vorsichtig aus: Es werde geprüft, „unter welchen Umständen eine Onlineübertragung realisierbar ist“. Laut Gombert, die für Veranstaltungen und Pressearbeit zuständig ist, sind „mit jedem einzelnen Autor und jedem Verlag Gespräche notwendig“. Mehrere Angebote für die technische Seite hat die Bücherei indes nach eigenen Angaben schon eingeholt, diese bewegen sich zwischen 3000 bis 10.000 Euro für die ganze Woche.

In der Debatte sprachen sich mehrere Stadträte für eine Streaming-Komponente aus, allerdings nur als kostenpflichtiges Angebot. Allen voran SPD-Mann Schweikert: „Wenn die Lesungen frei verfügbar sind, dann weckt das nur Begehrlichkeiten für das nächste Jahr.“ Ein Livestream schwächt aus der Sicht von Felix Locke (Freie Wähler) gar den Live-Charakter der Veranstaltung. Er kann sich stattdessen eine Übertragung an „zwei, drei weitere Veranstaltungsorte“ im Stadtgebiet vorstellen.

Kein großer Festakt

Wie die Bücherei das Jubiläum feiern wolle, fragte Rainer Deuerlein (CSU). Sie habe „ein Rahmenprogramm mit Rückblicken“ im Auge, verriet Gombert, aber „ein großer Festakt passt nicht in die Zeit“. Geplant sind dennoch sieben Abendlesungen, eine Matineé, zwei Familienlesungen am Nachmittag und 14 nichtöffentliche Schullesungen, wobei hinter diesen noch ein Fragezeichen steht, weil die Teilnahme der Schulen angesichts der Pandemie offen ist. Autorennamen verrät die Stadtbücherei noch nicht.

Für den Buchhändler Volkmar Dienstbier (CSU) sind die Literaturtage, bei denen schon bekannte Autoren wie Hilde Domin, Roger Willemsen oder Rüdiger Safranski zu Gast waren, „die wichtigste kulturelle Veranstaltung“. Deshalb sei es richtig, sie nicht abzusagen. Bürgermeister Lang bezeichnete sie als „besonderes Aushängeschild“ für die Stadt, eine „gute, große Woche“. Im Haushalt 2020 sind 35 000 Euro Ausgaben dafür vorgesehen.

Die Fraktion der Grünen hatte im Vorfeld der Ausschusssitzung einen Antrag gestellt, in dem die Verwaltung aufgefordert wurde, ein Konzept zur Durchführung der Literaturtage zu erstellen. „Unter Corona-Bedingungen“, so Stadträtin Erika Vogel, seien schließlich viele Veranstaltungen gar nicht möglich.

Für ihren Antrag ernteten die Grünen viel Kritik. Diesen habe es nicht gebraucht, so mehrere Stadträte unisono. Solche Planungen wie für die Literaturtage seien „Tagesgeschäft“ der Verwaltung, so Locke (Freie Wähler).

Siehe Pro-und-Kontra-Kommentare in der Print-Ausgabe der Pegnitz-Zeitung.

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