Rollenstudium an der Opernakademie

„Fidelio“ schallte durch Henfenfeld

Die Schweizerin Susanne Mathys sang die Rolle der Eleonore, Sunniva Unsgard aus Norwegen die der als Marzelline (v. links). | Foto: G. Münzenberg2019/09/P9010009.jpeg

HENFENFELD – Der Rollenstudiumkurs der Opernakademie Henfenfeld bracht „Fidelio“ auf die Bühne, Ludwig van Beethovens einzige Oper. Sie stellt den Übergang von der reinen Unterhaltungsoper zu Werken mit ernsterer Thematik dar.

„Fidelio“ ist mit ihrer grandiosen Musik sicherlich die ausdrucksstärkste aller Befreiungsopern. Sie spielt im Spanien des 18. Jahrhunderts. Leonore, die Heldin der Oper, verkleidet sich auf der Suche nach ihrem zu Unrecht in den Kerker geworfenen Ehemann Florestan als junger Mann namens Fidelio und lässt sich als Gehilfe des Kerkermeisters Rocco anstellen. Die Verkleidung ist so überzeugend, dass Marzelline, die Tochter des Kerkermeisters, ihren Verlobten Jaquino verlässt und sich in Fidelio verliebt.

Virtuos und einfühlsam

In den Arien und Terzetten der Eingangsszenen wird die herzerfrischende Grazie von Marzelline und Jaquino durch leichte, beinahe volksliedhafte Melodien, gesungen von Sunniva Unsgard und Dieter Doetsch, zum Ausdruck gebracht. Auch das folgende Terzett „Gut Söhnchen, gut“ gesungen von Sunniva Unsgard, Susanne Mathys als Leonore und Juhwan Cho als Rocco, zeigt die hohe Virtuosität und das Einfühlungsvermögen der Sänger in ihre jeweiligen Rollen.

Die sich zuspitzende Handlung des zweiten Aktes bringt eine Stiländerung der Musik zu heroischer Dramatik mit sich. Sie beginnt mit der Arie des Gefangenen Florestan, meisterhaft und ausdrucksstark gesungen von Tobias Hartnick, „Gott, welch Dunkel hier“, in der ihm im Dunkel seines Kerkers seine Ehefrau Leonore engelsgleich erscheint. Als sein Tod schon beschlossene Sache ist und Leonore, als Fidelio verkleidet, dem Kerkermeister helfen muss, sein Grab zu graben, wird in dem melodramatischen Duett „Nur hurtig fort, nur frisch gegraben“ die Ausweglosigkeit der Situation Florestans vor Augen geführt.

Im buchstäblichen letzten Moment kommt als Deus ex Machina der Minister, der in dem Gefangenen seinen Freund Florestan erkennt. Der Kerkermeister Rocco muss fliehen und Fidelio lässt seinen Gefühlen in der Arie „Abscheulicher, wo eilst du hin“ freien Lauf. Der Kerker wird geöffnet und alle Gefangenen befreit. Fidelio alias Leonore und der gerettete Florestan sinken einander in die Arme und singen zum Abschluss das herzergreifende Finale „O namenlose Freude“.

Die fünf Sänger überzeugten das Publikum von der souveränen und hingebungsvollen Wiedergabe ihrer Rollen und bewiesen einmal mehr, was ein intensives Rollenstudium in der Henfenfelder Opernakademie leisten kann. Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Leiterin der Opernakademie, Denette Whitter, mit ihrer Klavierbegleitung ein ganzes Orchester ersetzte.

Gerda Münzenberg

N-Land Hersbrucker Zeitung
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