Der Intendant geht ganz ohne Wehmut

Für Wolfgang Riedelbauch (rechts unten) ist es die letzte Saison als Intendant.  Foto: Privat2012/06/wolfgang_riedelbauch.jpg

DEHNBERG – Ob Altdorfer Betsaal oder Schwabacher Spitalkirche: Der „Fränkische Sommer“, der in knapp drei Wochen beginnt, macht ganz Mittelfranken zum Konzertsaal. Für den Dehnberger Wolfgang Riedelbauch ist es die letzte Saison als Intendant des Festivals.

Riedelbauch, Gründer des Dehnberger Hof Theaters (DHT), blickt auf ein erfolgreiches Vierteljahrhundert als Festivalchef zurück – so lange schon gibt es „Musica Franconia“, die Festtage für Alte Musik, aus denen der „Fränkische Sommer“ hervorgegangen ist. „Die Nachfrage ist stets gewachsen“, sagt der Noch-Intendant, den Julian Tölle, derzeit Leiter des Nürnberger Hans-Sachs-Chors, im kommenden Jahr ersetzen wird. Und die Zahlen beweisen es: 750 Konzerte an 273 Spielstätten haben Riedelbauch und sein Team in all den Jahren organisiert, fast 600 Spitzen­ensembles nach Franken geholt. Die Resonanz der Medien wuchs ebenfalls stetig.

Dass der gelernte Kapellmeister trotzdem gehen muss, ist Wille des Bezirks, der wichtigster Geldgeber ist. Während die Politiker im Winter schlicht von einem nötigen Generationswechsel sprachen, wurde viel über Streit hinter den Kulissen geschrieben. Klar ist: Riedelbauch und Richard Bartsch, der Bezirkstagspräsident, haben kein gutes Verhältnis zueinander. Es gab Differenzen über die künstlerische Ausrichtung des Festivals.

Festival für ganz Franken?

Riedelbauch, der den „Fränkischen Sommer“ gerne auf Unter- und Oberfranken ausgedehnt hätte, nach dem Vorbild des Schleswig-Holstein-Musik-Festivals oder des Rheingau-Musik-Festivals, will heute kein weiteres Öl ins Feuer gießen. Zwar spricht er davon, dass sich der Bezirk die Veranstaltungsreihe einverleibt habe, doch auf eine juristische Auseinandersetzung etwa um den Namen möchte er es nicht ankommen lassen.

Wehmütig, darauf legt der 73-Jährige wert, sei er angesichts des Endes seiner Amtszeit nicht. „Die Idee ist ja nicht tot“, sagt er. Mit Idee meint Riedelbauch jenes Prinzip, für das „Musica Franconia“ seit 25 Jahren steht: musikalische Denkmalpflege statt bloßer Unterhaltung.

Um das zu verstehen, reicht der Blick ins diesjährige Programmheft. Mit Hans Leo Hassler von Roseneck, Conrad Paumann und John Christopher Smith rücken fränkische Komponisten ins Rampenlicht, deren Namen dem Laien sonst wohl unbekannt blieben. Hinzu kommt: Der „Fränkische Sommer“ kauft keine Produktionen ein, macht „nichts von der Stange“, wie es Riedelbauch ausdrückt. Alles, was das Publikum zwischen 13. Juli und 2. September erlebt, ist das Ergebnis intensiver Auseinandersetzung mit historischer Konzertliteratur.

Musikwissenschaftler wissen das zu schätzen: Für sie sind die Aufzeichnungen der Konzerte wichtige Tondokumente. Auf die ­Initiative des DHT-Gründers geht zudem die von Erlanger Forschern erstellte Gesamtausgabe der Werke Johann Pachelbels zurück.

Riedelbauch möchte gerne auch ohne den Bezirk unter dem Namen „Musica Franconia“ weitermachen. Allerdings ist er auch Realist genug, um zu wissen, dass es „ohne Geld nicht geht“. Wie konkret seine Pläne sind, lässt er sowieso offen. Und wenn er sagt, dass „in jedem Ende ein neuer Anfang liegt“, dann darf man das getrost weiter fassen – schließlich hat der 73-Jährige neben dem „Fränkischen Sommer“ noch eine ganze Reihe anderer Projekte, etwa seine Zusammenarbeit mit der Oper im türkischen Izmir. Vielleicht bleibt dafür ja in Zukunft mehr Zeit.

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