Förderverein Mittelschule

„CubaBoarisch 2.0“ entfachte das südamerikanische Feuer

Wenn Bayern Cuba trifft, fliegt der Dirndl-Rock von Yinet Rojas Cardona zu Leo Meixners Quetschen. | Foto: A. Pitsch2019/05/IMG_5143.jpeg

HERSBRUCK – Im Entenmarsch ziehen Leo Meixner und seine Bandkumpels durch die Zuschauerreihen zur Bühne – eine Mischung aus zünftigem Einmarsch mit Trompetenklängen und einem gut gelaunten Zug wie beim Sambafest. Und genau dieser kreative Mix macht „CubaBoarisch 2.0“ aus.

Mit Wein, Spritz und Cuba Libre stimmen sich die Gäste des Konzerts des Fördervereins der Grete-Schickedanz-Mittelschule in der Abendsonne auf den Ausflug nach Lateinamerika ein. Derweil dudeln in der Geru-Halle schon leise beschwingte Rhythmen. Die Bühne ist vollgestopft mit Instrumenten – typisch Salsa. Zumindest fast: Zwischen Congas & Co. verstecken sich auch zwei Quetschen.

Das inbrünstige Jodel-Intro von Bandchef Leo Meixner beim Klassiker „Chan Chan“ ist vielversprechend. Doch zunächst bleiben die Musiker mit ihrem vollen Sound ganz in Kuba – nur die Lederhosen weisen auf Bayern hin. In Musik und Tanz verpacken sie jedoch jede Menge Lebensfreude, die sie laut Meixner ans Publikum weitergeben wollen.

Dazu bedienen sie sich diverser „Einflüsse, wo’s halt grad herkommen“: eine Cumbia zum lockeren Händeschwingen in der Luft, eine mystisch angehauchte Afro-Rumba, die die Weite Afrikas besingt, oder fröhliche Jodler wie vom Alm-Öhi persönlich.

Gstanzl als Rap

Selbst vor einem Rap macht Alleskönner Meixner nicht halt: Beim Chart-Hit „Havanna“ dichtet er bayerische Verse zwischen die Liedzeilen von Sängerin Yinet Rojas Cardona. Die Liebesgeschichte lebt von ihrer dunklen, samtigen und durchdringenden Stimme. Ein Hauch von Melancholie umgibt ihren Gesang, der vor Kraft und Natürlichkeit strotzt.

Wie auch der Rap, so unterbricht ein bayerisches Intermezzo mit stürmischen Akkordeon-Tönen in Gstanzl-Art etwas abrupt den schmissigen „Hiasl-ChaCha“. Doch genau das animiert das Publikum zum Mitklatschen. Das Konzept der Cubaboarischen geht auf: Die Zuhörer gehen bei der zwischengestreuten Bierzelt-Mucke mit, bei der die Quetsche voll zur Geltung kommt. Da wird sogar begeistert mitgegurzt.

Tempo und Sehnsucht

Salsa-typisches Gegenstück zur Quetsche ist ausgerechnet die doch recht bayerische Trompete. Sie steht für das südamerikanische Feuer, ohne sie geht es nicht. Und Marinus Wagner versteht es, diese Emotionen in Tempo und Klarheit durch das Rohrgestell zu jagen. Dann lässt er sein Instrument sehnsuchtsvoll klingen, als würde es seine eigene Geschichte erzählen. Derweil sorgen die Percussionisten Csaba Schmitz und Boris von Johnson für den erdigen Grundgroove. Er gibt den Füßen die Schritte vor – und einige Gäste versuchen sich sogar daran.

Die Cubaboarischen mixen nicht nur fröhlich Bayrisch und Spanisch, sondern auch eine schwungvolle Polka mit einem mitreißenden ChaCha und einen Schunkel-Walzer mit Salsa im Ferrari-Stil. Sie packen den „Sommer in der Stadt“ gelungen in einen gechillten ChaCha und transportieren so das Flair des Liedes über die Musik in den Saal.  Der kocht fast über, als Hände und Drumsticks einen beeindruckenden Wettkampf in einem Percussion-Stück ausfechten. Das viel bejubelte Resultat: ein Patt der beiden Rhythmus-Helden Schmitz und von Johnson.

Selbst vor Ska schreckt die Band, die E-Bassist Bernhard Lackner ergänzt, nicht zurück: Da schwingt der Dirndl-Petticoat im Stakkato-Takt und die Hände des Publikums patschen eifrig mit, bis sie glühen. Spätestens jetzt hat Meixner seine Mission erfüllt. Die Zuhörer brennen vor südamerikanischer Lebensfreude, die Hintern wackeln, bis die Hüfte knackt.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch