Musica Franconia Konzert in Bühl

Barocker Stimmen-Glanz in der Kirche

Beeindruckendes Konzert des Musica-Franconia-Projektchores unter der Leitung von Wolfgang Riedelbauch (ganz links, neben ihm Corinna Schreiter). Foto: Spiess2014/08/87092_KonzertBuehlbeaneu_New_1407771064.jpg

BÜHL — Auch in der 27. Spielzeit der Musica-Franconia-Reihe war die malerisch gelegene Pfarrkirche Mariä Heimsuchung, die räumliche Neuentdeckung des letzten Jahres, mit ihrer hervorragenden Akustik wieder Schauplatz eines besonderen Musikvergnügens.

Souverän geleitet von Wolfgang Riedelbauch öffnet der festivaleigene Projektchor erneut die Schatzkammer der fränkischen Musikgeschichte und erfüllt den barocken Innenraum der Kirche mit Vokalwerken des vor 450 Jahren in Nürnberg geborenen Hans Leo Hassler.

Seine mehrchörigen Werke besitzen bereits barocke Klangpracht nach dem Vorbild der venezianischen Musik, wie dieser sie bei seinem Italienaufenthalt bei Andrea und Giovanni Gabrieli Gabrieli kennengelernt hat.

In der ersten Hälfte des Konzertes widmeten sich die 22 Sängerinnen und Sänger seinen geistlichen Liedern. Schon das fünfstimmige „Cantate Domino“, mit dem das Konzert begann, zeigte die Qualität des Chores: am Anfang glockenklare Sopranstimmen, am Ende ein überzeugendes Klangbild voller Harmonie. Stets ein ausgewogener, fein nuancierter Wechsel zwischen den bis zu achtstimmigen Chorsätzen.

Chorleiter Riedelbauch lieferte dem Publikum auch Informatives zu den einzelnen Stücken. So etwa zu „Ad Dominum cum tribularer clamavi“, das er als „schwierig zu intonieren“ beschrieb, da darin die Klage und der Schmerz in Halbtonschritten „formuliert“ werden. Dem Projektchor gelang dies ausdrucksvoll kontrolliert.

Im Folgenden beeindruckten die 14 Sängerinnen und acht Sänger dann mit achtstimmigen Liedern: Vom „Pater noster“ mit seinem stimmgewaltigen Ende über das „Alleluia. Cantate Domino“ mit dem fröhlich-freudigen Grundton bis zur „schwierigen Messe“ (Riedelbauch) „Missa octo vocum“.

Anmutig und schlicht

Nicht weniger geschätzt als seine geistlichen Werke sind Hasslers weltliche Lieder über Liebe, Sehnsucht und Schmerz, die in der zweiten Hälfte zu hören waren. Dass auch diese ihre Berechtigung haben, in einer Kirche gesungen zu werden, brachte Riedelbauch ebenso knapp wie überzeugend auf den Punkt: „Ohne Liebe wären wir alle nicht hier!“

Für viele dürften seine Erläuterungen zu „Mein G‘müth ist mir verwirret“ interessant gewesen sein, das man eher als „O Haupt voll Blut und Wunden“ von Paul Gerhardt oder aus Bachs „Matthäuspassion“ kennt: Doch die „Urfassung“ stammt von Hans Leo Hassler: Der Chor sang es wunderbar zart und verhalten.

Leichteres, frohes Singen gab dann bei „Feinslieb, du hast mich gefangen“ und „Jungfrau, dein schön Gestalt“, ehe mit „Ach weh, des Leiden“ wieder wehmütigere Themen angeschlagen wurden: Herrlich, wie man das Leiden besingen kann.

Überraschend verteilten sich die Sängerinnen und Sänger dann bei „Im külen Mayen“ in zwei gleich große Gruppen jeweils am Ende des rechten und linken Seitenschiffes. Dadurch entstand ein beeindruckender Raumklang und brachte die Dynamik der Stimmen voll zur Entfaltung. Zum Schluss lieferten sie bei „Tanzen und Springen“ noch eine kongeniale Umsetzung – beides kann man auch mit Tönen, wenn man es kann.

Als Zugabe, die die 200 Konzertbesucher unbedingt erwarteten, gab es noch einen Choral von Christoph Stoltzenberg, in dem Corinna Schreiter als Solistin stimmlich brillant die Hoffnung zum Ausdruck brachte, die über der Schwere des Leides liegt. Mit „Da Pacem Domine“ verabschiedete sich der Chor und wurde mit langem Applaus für ein beeindruckendes Konzert belohnt.Erich W. Spieß

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