Polizei geht von Brandstiftung aus - Flüchtlinge wieder zurück in Unterkunft

Feuer in Hohenstädter Asylheim

In der Asylbewerberunterkunft  rechts in der Pegnitztalstraße hat es gebrannt. Schlimmeres ist nicht passiert. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
In der Asylbewerberunterkunft rechts in der Pegnitztalstraße hat es gebrannt. Schlimmeres ist nicht passiert. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. | Foto: J. Ruppert2016/03/yy.jpg

HOHENSTADT – Am Dienstagabend gegen 19 Uhr hat es in einer Asylbewerberunterkunft in Hohenstadt gebrannt. Das kleine Feuer wurde rechtzeitig gelöscht. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, konkrete Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund hat sie derzeit jedoch nicht. Personen kamen nicht zu Schaden. Die 28 Flüchtlinge durften am gestrigen Nachmittag wieder in die Unterkunft zurückkehren.

Nach ersten Erkenntnissen waren hinter der offenbar unverschlossenen Eingangstür des zweigeschossigen Wohnhauses abgestellte Schuhe angezündet worden. Vor Eintreffen von Feuerwehr und Polizei löschten Bewohner den noch kleinen Brand. Es entstand nach Polizeischätzung ein Sachschaden von rund 100 Euro.

Das direkt an der Pegnitztalstraße gelegene Gebäude wurde nicht beschädigt. Laut einem Sachverständigen der Polizei sei das Feuer so klein gewesen, dass es sich auch dann nicht hätte von alleine weiter ausbreiten können, wenn es nicht von den Bewohnern gelöscht worden wäre.

Die 28 Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, darunter Familien mit Kindern, wurden vorsorglich durch die Einsatzkräfte aus dem Gebäude geholt und von der Feuerwehr Pommelsbrunn in deren Mehrzweckfahrzeug ins nahe gelegenen Feuerwehrgerätehaus der Feuerwehr Hohenstadt gebracht.

Dort kümmerten sich zehn Kräfte der BRK-Schnelleinsatzgruppe Betreuung unter Leitung von Philipp Popp zusammen mit dem Kriseninterventionsteam und Notfallseelsorge um die Migranten. Die Nacht verbrachten sie dann in der Notunterkunft in Schwaig.

Die Kriminalpolizei hat die weiteren Ermittlungen übernommen. „Bisher gibt es keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund“, so Elke Schönwald, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Mittelfranken, am Mittwochmorgen. „Wir wollen ihn aber auch nicht ausschließen.“ Bei solchen Vorfällen sei besondere Sorgfältigkeit hinsichtlich des Motivs und des Tathergangs geboten. Eine Ermittlungskommission mit elf Personen sowie einer Handvoll Unterstützungskräften der Polizeiinspektion Hersbruck wurde deshalb gebildet.

Darüber, wie einige Paar Schuhe derart Feuer fangen können – laut Feuerwehr war der Brand einen Quadratmeter groß – schweigt sich die Polizei „aus ermittlungstaktischen Gründen“ noch aus. Das Landeskriminalamt untersucht derweil, ob Brandbeschleuniger verwendet wurde. Auch auf die Frage nach einem angeblich gefundenen Benzinkanister gibt es keine eindeutige Antwort. „Es wurden mehrere Gegenstände gefunden, die derzeit untersucht werden“, so Elke Schönwald. „Ob diese jedoch überhaupt mit dem Brand zu tun haben, ist unklar.“

Das Gebäude wurde versiegelt, die Spurensicherung ist vor Ort. Im Laufe des Mittwochnachmittags konnten die Flüchtlinge, die in Schwaig betreut und von der Kripo vernommen wurden, nach und nach wieder in ihre Unterkunft nach Hohenstadt zurückkehren.

Der Pommelsbrunner Bürgermeister Jörg Fritsch zeigte sich erleichtert, dass sich die ersten Befürchtungen, es könnte sich um einen fremdenfeindlichen Anschlag handeln, möglicherweise nicht bewahrheiten. „Die weitere und genaue Aufklärung ist jetzt nötig, um das Geschehen richtig einordnen zu können“, sagte er der HZ auf Anfrage.

Gestern Abend informierte Jörg Fritsch die Fraktionssprecher des Gemeinderats und den Hohen-städter Pfarrer Georg Pilhofer, dessen Kirchengemeinde sich um die Asylbewerber kümmert, über die neuesten Erkenntnisse der Ermittler, um so zu verhindern, dass „die Spekulationen ins Kraut schießen“.

Auch Landrat Armin Kroder war von der Nachricht „sehr betroffen“ und hofft nun, dass die Täter möglichst rasch gefunden werden. „Für Brandstifter ist kein Platz in unserem Landkreis, aus Kriegswirren und Verfolgung Geflohene sind uns willkommen“, heißt es in seiner Pressemitteilung.

Unmittelbar nach der Alarmierung waren die Feuerwehren Hohenstadt mit rund 20 Mann und etwa 15 Einsatzkräfte aus Eschenbach vor Ort. Die Retter aus Hersbruck rückten vorsorglich aus, mussten aber nicht eingreifen. Außerdem kamen Notarzt und das BRK mit Rettungswagen. Die Pegnitztalstraße war während des Einsatzes und bei der Spurensicherung halbseitig gesperrt.

Zeugen, die während der fraglichen Zeit verdächtige Beobachtungen gemacht haben, werden gebeten, diese dem Kriminaldauerdienst unter der Telefonnummer 0911/ 2112-3333 mitzuteilen.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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