Verlängerter Lockdown

Ungewissheit ist ein großes Problem für den Einzelhandel

Die Straßen in der Altstadt sind leer. Aber ab sofort dürfen die Leute wieder an den Läden bestellte Ware abholen. Darauf weisen die Plakate in den Schaufenstern hin. Mehr als ein Zubrot ist das aber für die meisten nicht. | Foto: A. Pitsch2021/01/IMG-20210112-101101.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Der bayerische Sportartikelhändler Udo Siebzehnrübl wollte ursprünglich seinen Laden diese Woche trotz Lockdowns öffnen und damit auf die Machtlosigkeit der Händler aufmerksam machen. Dieses Gefühl kennt Carmen Gihl nur zu gut.

Sie ist eine der beiden Geschäftsführerinnen von Cado-Mode im Hohenstädter PEZ. „Wir sind bis Ende Januar in einer totalen Schlafstellung.“ Denn auch wenn nun das Abholen von bestellten Waren wieder erlaubt ist, sie hat kaum etwas anzubieten: „Uns sind die Hände gebunden, weil die Neulieferungen von den Lieferanten zurückgestellt worden sind.“

Und das erst einmal auf unbestimmte Zeit, weil ja nicht klar sei, wann der Lockdown ende. Diese fehlende Perspektive und die stetigen, kurzfristigen Terminverlängerungen, das kreidet Gihl der Regierung an: „Wir hängen gerade richtig in der Luft“, weil sie und ihre Partnerin aktuell nichts planen könnten. Da eine gewisse Sicherheit zu haben, das würde helfen.

Kunden mit Gespür

Zeit ist auch ein Faktor bei Klaus Wiedemann: „Ich kann noch durchhalten“, sagt er ganz offen. Wäsche habe sich ganz gut verkauft im vergangenen Jahr. Die Verbundenheit der Kunden zur Stadt scheint sich in seinem leichten Plus niedergeschlagen zu haben: „Ich glaube, dass die Leute schon kapieren, wie schlecht es dem stationären Handel geht.“ Daher findet er es auch gut, dass die Handelsverbände deutliche Briefe an die Bundesregierung geschrieben haben. „Das mit der Dezemberhilfe ist dermaßen kompliziert und mal schnell einen Online-Shop aufmachen, das geht auch nicht.“

Andere neue Vorschriften kann Wiedemann ebenso wenig nachvollziehen. Diese ganzen Regelungen würden bei der Kundschaft immer wieder für Verwirrung sorgen, hat Wiedemann erlebt: „Einige fragen nach, ob man da ist oder nicht, was erlaubt sei und was nicht.“

Das ist auch Stephanie Bury von Juwelier Wilfart „extrem“ aufgefallen: „Viele sind unsicher, haben da keinen Durchblick mehr und sagen zu mir, der Weinladen habe auf, warum ich nicht.“ Dabei seien bei ihr auch nicht mehr Kunden im Geschäft als beim Optiker.

Ring am Finger

Sie als Selbstständige sei darauf angewiesen, dass die Tür aufgeht und jemand was kauft. „Die Leute wollen Schmuck fühlen und Ringe und Ohrringe muss man einfach anprobieren.“ Normalerweise könne sie von ihrem Hauptgeschäft im Advent im Januar und Februar zehren. „Wir waren alle auf einen Lockdown nach den Feiertagen eingestellt.“ Dass ihr der Hauptumsatz genommen wurde, ist für Bury eine Katastrophe. „An staatliche Hilfe wage ich gar nicht zu denken.“

Müssen statt wollen

Nun fühlt sie sich „so machtlos“. „Ich will mich nicht bei der Bank monatelang verschulden, weil ich zu haben muss.“ Sie fordert, dass der Staat die Kosten übernimmt.

Auf ein anderes Konzept würde Alfred Kohler setzen: „Ein langsames Hochfahren der Geschäfte mit bestimmten Sicherheitsauflagen.“ Aber das entsprechend vorzubereiten, das habe der Staat verschlafen, meint der Geschäftsführer von „Freds Autozubehör“. Zwischen erstem und zweitem Lockdown sei genug Zeit gewesen, Hygienestandards in Läden zu überprüfen und entsprechende Systeme zu entwickeln, um sie offen lassen zu können.

Er sei froh, geöffnet zu haben. „Meine Mitarbeiter bekommen ihren vollen Lohn und das motiviert sie zusätzlich.“ Zugleich spüre er eine Verantwortung gegenüber denen, die zur Arbeit fahren müssen und dafür Ersatzteile benötigen. „So tragen wir dazu bei, den Apparat am Laufen zu halten.“


Noch mehr im Web

Wenn er zusperren würde, würden sich noch mehr Bestellungen ins Internet verlagern – „und nach dem Lockdown wären wir vergessen“. Kohler hofft, dass er fürs Da-Sein von den Kunden zu einem späteren Zeitpunkt belohnt wird. Denn eines verhehlt er nicht: „Wir haben Umsatzeinbußen von 50 Prozent; das ist zum Zusperren zu viel, deckt im Gegenzug gerade so die Unkosten.“ Seine Hoffnungen ruhen auf Mitte Februar.

Dagegen hätte auch Bianca Zimmermann vom Hersbrucker „Schön verspielt“ nichts. „Im Januar und Februar startet bei uns eigentlich der Verkauf von Büchertaschen.“ Und auch ihr Geschäft lebe von Spontan-Käufen.

Die Zeit zieht sich

Die Soforthilfe im Frühjahr habe gut getan, nun sei das alles schwieriger geworden, sagt auch Zimmermann. „Ein bisserl Puffer haben wir noch.“ Langsam ziehe es sich halt und die Angst, wie lange das alles noch geht, ist hörbar.

Mittlerweile nimmt Zimmermann Abstand von den vielen Nachrichten rund um Corona: „Die machen schlechte Laune.“ Und dabei sollte man gerade in dieser Zeit nicht den Humor verlieren. „Zu uns kam früher immer der Kaba-Mann“, fällt ihr da ein, „der hatte einen Bus und hat daraus unter anderem Kakao und auch Spielsachen verkauft“. Vielleicht wäre das ja eine Geschäftsidee, meint sie und lacht.

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