Lage in Corona-Zeit

Nur noch ein Standbein für Brauereien

Solche Bierfässer werden für Feste und Gastronomie gebraucht. Jetzt sind sie ins Lager verbannt; die Kaiser-Bräu hat beispielsweise seit Oktober kein Fassbier mehr abgefüllt. | Foto: ©vitleo - stock.adobe.com2021/02/AdobeStock-212877774.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Die Deutschen trinken in der Corona-Krise daheim mehr Bier, weiß der Verein „Private Brauereien Bayern“. Aber das Umsatzplus im Einzelhandel rette die Brauer nicht.

„Das heißt jetzt aber nicht, dass man sich Sorgen um die Hersbrucker Bürgerbräu machen muss“, betont Sonja Weid. Das Traditionsunternehmen habe „immer gut gewirtschaftet“ und könne nun von einem Polster zehren. Aber deswegen bekommen die Hersbrucker auch keine staatlichen Hilfen: „Wir liegen knapp über den Kriterien“, sagt Weid, „das ist ärgerlich, aber ist eben so“.

Viel schlimmer als das wiege die Tatsache, dass man nichts planen könne, dass jede Perspektive fehle. „Wir können einfach nur durchhalten.“ Ohne die Gastronomie falle das natürlich schwer. Auch dass die Adventsfeiern in der Weihnachtszeit weggebrochen seien, habe man gespürt.

Vorsätze als Grund?

„Und im Januar gab es nun auch noch einen Einbruch im Handel im Vergleich zu 2020.“ Vielleicht sei die Gesellschaft zu Jahresanfang auf einem Gesundheitstrip, sucht Weid nach Gründen. Sie habe gehört, auch die Süßwarenbranche habe Verluste im ersten Monat 2021 hinzunehmen. Ansonsten hatte sich der Bierverkauf über den Einzelhandel nach dem ersten Lockdown etwa auf Vorjahresniveau eingependelt, so Weid.

Ihr eigener Direktverkauf an die Kunden bleibe auch im Februar geschlossen: „Wir wollen das Risiko einer Infektion so gering wie möglich halten und handlungsfähig bleiben, um die Märkte beliefern zu können“, erklärt Weid. Ihr tue es schon leid um den Rampenverkauf, denn gerade viele Ältere pflegen diese Form des Einkaufs seit Jahren.

Doch der Verkauf ist nur ein Teil der Gerstensaft-Kette. „Wir schließen im Frühjahr immer Verträge über Menge und Preis für Malz für das kommende Jahr ab“, erzählt Weid. Diese Vorvereinbarungen konnte und kann die Bürgerbräu wegen des reduzierten Verbrauchs nicht halten. „Da sind Gespräche mit den Partnern nötig.“ Malz gebe es per se zu wenig auf dem Markt, aber die große Frage sei die Preisentwicklung. Etwas unproblematischer sei der Hopfen: „Der ist haltbar.“

Keine Hilfe vom Staat

Und das scheint gut so: „Wir haben seit Oktober kein Fassbier mehr abgefüllt“, verrät Josef Laus, Chef der Neuhauser Kaiser-Bräu. Daher musste er Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. „Unser Personal hat darauf flexibel und positiv reagiert.“

Andere staatliche Hilfen können sich auch die Neuhauser abschminken, sie fielen wie die Bürgerbräu aus dem Raster, so Laus. Als einzig guten Aspekt der Pandemie bezeichnet Laus die Tatsache, dass die Kommunikation mit großen Kunden enger und einfacher geworden ist: „Wo früher Fahrten und langfristige Terminvereinbarungen nötig waren, machen wir jetzt kurzfristig ein Telefonat oder eine Videokonferenz.“

Aber diese Entwicklung falle kaum ins Gewicht. Im Gegensatz zu den „erheblichen Umsatzeinbußen“ aus der Gastronomie. Die Kaiser-Bräu beliefere vor allem Gaststätten, Hotels und den Handel („Der lief recht normal weiter“) der Region, so Laus. „Es ist wichtig, dass die Gastronomie die versprochenen Hilfen bekommt, damit sie weitermachen kann.“

Sonst sei es möglich, dass gerade bei denen mit unsicherer Nachfolgefrage die Türen für immer schließen. Zu musste auch die eigene Kommune bleiben, die der Sportverein Neuhaus betreibt.

Doch Laus sieht aufgrund der Impfungen Licht am Ende des Tunnels. Er hofft auf Lockerungen noch vor Ostern. Mit Festen im Frühjahr rechnet er nicht, aber im Sommer könne es dann eingeschränkt „leicht nach oben“ gehen, denkt er.


Seit März zugesperrt

Diesen Optimismus teilt der Neuhauser Kommunbrauer Paul Benaburger nicht ganz: „Ich tippe eher auf Herbst, dass ich wieder aufmachen kann.“ Weil er über keinen Außenbereich verfügt und aufgrund der Corona-Auflagen von sechs Tischen drei hätte rauswerfen müssen, war seine Kommune seit März vergangenen Jahres dicht.

Sein Kommunbier, das es auch nur im Ausschank bei ihm gibt, hatte er da schon über die Kaiser-Bräu gebraut: „Sieben Hektoliter waren noch übrig, aber die haben sie großzügig zurückgenommen.“ Sonst hätte er den Gerstensaft in den Kanal gekippt: „Als wir früher noch selbst gebraut haben, ist sowas öfter nach Missgeschicken passiert.“

Vielmehr schmerzt ihn, der die Kommune 1995 übernommen hat, die finanzielle Seite. Zwar müsse er seit Oktober keine Betriebshaftpflicht mehr zahlen, aber Brandschutz und Gema liefen weiter. „Ich habe Kosten, aber keine Einnahmen.“ Und es sei ja schön, wenn der Staat Hilfe verspreche, nur es fließe kein Cent; Benaburger ist nämlich berufstätig.

Verlust von Kulturgut droht

Wie auch bei den großen Brauereien tue er sich mit Planungen schwer. Eigentlich müsste er für Fleisch und Wurst rechtzeitig vor einer Öffnung einen Großauftrag aufgeben. Aber ohne Datum gehe das nicht. „Ich kann das ja nicht alles ewig aufheben und zum Wegschmeißen ist das dann zu schade.“

Zu diesen neuen Problemen gesellen sich alte Schwierigkeiten: Personal in der Gastro zu finden, werde immer schwerer. Die Vorschriften dafür immer schlimmer und die Stammkundschaft sterbe weg. Handwerker gingen mittags auch nicht mehr essen. „Irgendwann werde auch ich den Schlüssel ganz umdrehen“, sagt Paul Benaburger. Auch aufgrund von Corona werden das viele so machen müssen, denkt er. „Dann werden wir ein großes Kulturgut verlieren.“

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